Menschen

Ausgezeichnetes Design

Monica Förster über die Farben schwedischer Sommerhäuser und Nachhaltigkeit

Am 20. November wird Monica Förster feierlich der Bruno-Mathsson-Preis 2021 verliehen, die höchste Auszeichnung für nordisches Design. Wie sich die Stockholmer Designerin für Nachhaltigkeit einsetzt und welche architektonischen Trends sie bei schwedischen Sommerhäusern sieht, schildert sie im Interview.

von Judith Jenner, 02.08.2021

Monica Förster gehört zu den erfolgreichsten schwedischen Designerinnen unserer Zeit. Ihr Interesse gilt zuallererst der Idee hinter einem Projekt. Daraus entwickelt sie die Form, immer im engen Kontakt mit der Produktion. Geboren in Stockholm, zog sie mit neun Jahren mit ihren Eltern nach Lappland. Nahe des Nordpols verbrachte sie ihre Kindheit und kehrte erst zum Studium an der Beckmans School of Design in ihre Geburtsstadt zurück. 1999 eröffnete Monica Förster ihr eigenes Studio. Mit dem aufblasbaren Konferenzraum Cloud gelang ihr wenige Jahre später der Durchbruch. Seit 2015 ist sie Creative Director der bosnischen Designfirma Zanat. In ihrem Stockholmer Studio arbeitet sie mit drei bis fünf Mitarbeiter*innen für Unternehmen wie Volvo, Alessi, Cappellini, Poltrona Frau, De Padova, Offecct und Zanotta.

Sie arbeiten sehr international. Wie ging das in Zeiten, als das Reisen kaum möglich war?
In unserer Branche läuft vieles über persönliche Kontakte. Plattformen, auf denen wir sonst unsere Arbeit zeigen, fielen plötzlich weg. All die Messen in Köln, Stockholm, Mailand, New York oder London wurden abgesagt. Wir hatten viele Neuheiten vorbereitet für Mailand, die dann teilweise digital erschienen. Einigen Unternehmen gelang es, mit digitalen Präsentationsformaten das Beste aus der Situation zu machen. Aber natürlich ist es nicht das Gleiche.

Dämpft die Pandemie auch die Sommer-Stimmung in Stockholm?
Absolut. Es ist auch 2021 nicht die gleiche Ausgelassenheit, die wir sonst erleben. Viele Menschen ziehen sich in ihre Landhäuser zurück und verbringen dort Zeit mit Freunden und der Familie.

Ist das klassische schwedische Sommerhaus noch immer der rotbraun gestrichene Holzbau oder gibt es neue architektonische Trends?
Tatsächlich ist „Falu rödfärg“, wie es auf Schwedisch heißt, die dominierende Farbe. Der Anstrich ist sehr gut für das Holz. Die Fenster- und Türrahmen sind traditionell weiß gestrichen. Inzwischen sieht man auch immer mehr grau gestrichene Häuser. Dabei handelt es sich um einen Holzschutz, der so wirkt, als ob das Holz auf natürliche Weise gealtert ist. Aber Holz ist noch immer das dominierende Material. Auch ein offener Kamin gehört fast immer zur Ausstattung dazu.

 

In Ihrer Arbeit experimentieren Sie viel mit verschiedenen Materialien und Produktionstechniken. Welches Material inspiriert Sie im Moment am meisten?
Es gibt nicht das eine Material, das mich am meisten inspiriert. Ich bin stärker inspiriert von einer Idee oder davon, mit einem Produkt Probleme zu lösen. Daraus ergibt sich dann die Suche nach dem passenden Material.

 

An welchen Projekten arbeiten Sie momentan?
Wir setzen unsere Zusammenarbeit mit Zanat fort, der bosnischen Holz- und Schnitzmarke. Aber auch für andere, langjährige schwedische und internationale Partner arbeiten wir. Für Cosentino, eine spanische Stein- und Kompositsteinmarke, stellen wir gerade ein neues Projekt fertig: Der Showroom in Stockholm wird vermutlich im Oktober eröffnen.

Wie viel skandinavisches Design steckt in Ihren Projekten?
Ich nehme an, eine ganze Menge. Ich bin in Schweden aufgewachsen, ich lebe und arbeite hier. Das ist also die Basis, wobei ich denke, dass sich das skandinavische Design seit Ende der Neunzigerjahre stark ausdifferenziert hat. Das Spektrum reicht von Kitsch bis Super-Minimalismus. Für meine Arbeit gilt: Ich passe mich immer der Marke an, für die ich arbeite. Und da macht es natürlich einen Unterschied, ob ich mit einem skandinavischen oder einem italienischen Unternehmen zusammenarbeite. Typisch skandinavisch ist wohl auch, dass Nachhaltigkeit in meinen Projekten immer eine wichtige Rolle spielt.

Inwiefern?
Bei meiner Arbeit für Zanat beispielsweise stammt das Holz aus der Region. Die Firma wurde von einem Sozialunternehmer gegründet, um Arbeitsplätze in Bosnien zu schaffen. Die Schnitzereien, die zum Weltkulturerbe der UNESCO gehören, zeichnen die Produkte des Unternehmens aus. Einige werden in Heimarbeit angefertigt, was es uns ermöglichte, während der Pandemie einige Projekte fortzusetzen. Gerade haben wir ein Aufforstungsprogramm entwickelt: Für jeden Baum, der gefällt wird, pflanzen wir drei neue.

Was würden Sie in Zukunft gerne entwerfen?
Weingläser würden mich sehr interessieren. Gläser generell habe ich bisher noch nicht entworfen. Wie ich an das Projekt herangehe, eher handwerklich oder mit industrieller Produktion, würde vom Kunden abhängen. Aber Glas als Material finde ich sehr spannend

Sie werden in diesem Jahr mit dem Bruno-Mathsson-Preis ausgezeichnet. Was bedeutet das für Sie?
Der Preis ist für mich wirklich eine große Ehre. Ich bin sehr gerührt und glücklich. Die Jury ist hochkarätig besetzt und ich weiß, dass ihre Mitglieder gründlich recherchieren, bevor sie den Preis verleihen. Zugleich weiß ich, dass ich den Preis für 22 Jahre harte Arbeit erhalte, die ich geleistet habe.

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