Menschen

Francesco Rota

Der italienische Designer über das Leben im Freien

von Judith Jenner, 06.04.2020

Seit 1997 prägen die Entwürfe des italienischen Designers Francesco Rota die Kollektionen von Paola Lenti. Sie machten das Unternehmen zu einer Zeit zum Vorreiter für wohnliche Outdoor-Möbel, als die Menschen im Freien noch auf wackeligen Gartenstühlen saßen und die Hollywoodschaukel als Inbegriff der Gemütlichkeit galt.

Neben seiner Arbeit für Paola Lenti arbeitet Francesco Rota für verschiedene Hersteller, darunter Driade, Knoll International, Lapalma, Lema, Living Divani und Moroso. Seine Arbeit wurde mehrfach prämiert. Momentan betreut sein Büro Projekte in verschiedenen Bereichen des Designs, darunter Art Direction und strategisches Design, Innenarchitektur, Architektur, Grafik und Verpackung sowie Möbel- und Lichtdesign. Im Interview blickt er zurück auf Meilensteine einer mehr als 20 Jahre andauernden Kooperation, die Lust am Leben im Freien und warum ihm seine Segelleidenschaft beim Entwerfen der ersten Liegen zugutekam.

Sie arbeiten seit 1997 mit Paola Lenti zusammen. Wie kam es zu der Zusammenarbeit? Ich hatte gerade mein Studio eröffnet, als ein gemeinsamer Freund mir Paola vorstellte. Die Firma Paola Lenti stellte damals Teppiche her, aber sie suchte einen Designer, der ihr bei der Entwicklung von Polstermöbeln aus gewebtem Filz helfen konnte.

Dabei ging es also noch nicht um Outdoor-Möbel? Nein, zu dieser Zeit war das Unternehmen sehr klein und ich suchte nach einem unerforschten Marktsegment wie den Outdoor-Bereich, um es zum Blühen zu bringen. In wenigen Jahren wurde Paola Lenti zum Trendsetter für diesen Markt. Im September 1997 stellte ich die ersten Projekte vor, darunter auch Linea, das ikonischste Stück der Firma, das später eine ehrenvolle Erwähnung für den Compasso d'Oro erhielt, und Atollo, ein modulares Sofa, das 1998 auf der Maison & Object vorgestellt wurde. Das war der Beginn unserer bis heute andauernden Zusammenarbeit.

Welche Herausforderungen brachten diese Entwürfe mit sich? Ich begann mit der Materialrecherche, um ein passendes Textil anzubieten, das gegen UV-Strahlen, Wasser, Salz und Schimmel resistent ist. Inspiriert von meiner Leidenschaft für den Wassersport fing ich an, für meine ersten Entwürfe Segelseile zu stricken, die der Zugkraft und der Witterung trotzen.

Wie gehen Sie bei der Auswahl von Materialien vor? Ich liebe die Materialrecherche und suche immer nach neuen Materialien. Genauso arbeite ich gerne mit Rohstoffen, die in Vergessenheit geraten sind – von Keramik über emailliertes Metall zu Stoffen, Metallen, Glas, Holz oder Steinen. Wichtig ist, dass man das richtige Material für den richtigen Zweck auswählt. Haltbarkeit, Textur, Farbe, Wärme und die Wandelbarkeit von Materialien im Laufe der Zeit, das sind alles Aspekte, die es zu berücksichtigen gilt.

Woher bekommen Sie Ihre Inspirationen? Ich reise gerne und lasse mich von verschiedenen Kulturen beeinflussen. Ich bin ein neugieriger Mensch und „scanne“ das, was ich sehe und erlebe. Dann lege ich es als Datei in einem virtuellen „Archiv“ ab, einem entfernten Teil meines Gehirns, und ziehe es dann heraus, wenn es passt, also zum Beispiel als Lösung für ein in Entwicklung stehendes Projekt.

Sie haben vor über 20 Jahren begonnen, Outdoor-Möbel zu entwerfen – zu einer Zeit als die Hollywoodschaukel als Inbegriff der Gemütlichkeit galt. Wie haben sich die Gewohnheiten der Menschen in den letzten Jahren verändert? Ich lebe in einer Wohnung in Mailand mit zwei Terrassen und bin in einem Haus mit einem großen Park am Meer in der Nähe von Portofino aufgewachsen. Im Gegensatz zu vielen anderen Menschen war es für mich schon immer normal, im Freien zu leben. Heute birgt der Outdoor-Markt neue Gelegenheiten, weil die Nachfrage an Immobilien mit Terrassen und Gärten steigt. Die Menschen haben heute die Möglichkeit, durch ein unglaubliches Angebot besser im Freien zu leben.

Was sollte man beim Kauf von Möbeln für den Garten, Balkon oder Terrasse beachten? Das Schöne an der Wahl von Außenmöbeln ist, dass man sich seine Designstücke frei aussuchen kann, um eine Geschichte zu erzählen, die im Kontrast zur Natur oder mit ihr funktionieren kann. Zudem ist es wichtig, Möbel zu wählen, die nachhaltig sind und aus wiederverwertbaren Materialien hergestellt werden.

Facebook Twitter Pinterest LinkedIn Mail
Links

Francesco Rota

www.francescorota.com

Mehr Menschen

Der Charaktermöbel-Macher

2000-2020: Leo Lübke von COR im Gespräch

2000-2020: Leo Lübke von COR im Gespräch

Ein Kofferraum voll Möbel

Frisches Kulturkonfekt von der Designerin Eileen Krüger

Frisches Kulturkonfekt von der Designerin Eileen Krüger

Performative Möbel

Das Designerduo Alberto Biagetti und Laura Baldessari im Gespräch

Das Designerduo Alberto Biagetti und Laura Baldessari im Gespräch

Experimentator mit Weitsicht

Rising Star 2000: Werner Aisslinger

Rising Star 2000: Werner Aisslinger

Design als Geschichtenerzähler

Ein Gespräch mit Michele De Lucchi in Südtirol

Ein Gespräch mit Michele De Lucchi in Südtirol

Die Querdenkerin

Rising Star 2000: Jeannette Altherr

Rising Star 2000: Jeannette Altherr

20 Jahre Smart Home

Ein Rückblick mit Hans-Jörg Müller von Gira

Ein Rückblick mit Hans-Jörg Müller von Gira

Vom Designer zur Marke

Highflyer 2000: Philippe Starck

Highflyer 2000: Philippe Starck

Die Bescheidene

Rising Star 2000: Cecilie Manz

Rising Star 2000: Cecilie Manz

Der bescheidene Humanist

Highflyer 2000: Alfredo Häberli

Highflyer 2000: Alfredo Häberli

Der Designentdecker

2000-2020: Giulio Cappellini im Gespräch

2000-2020: Giulio Cappellini im Gespräch

Individualisierung durch Innenarchitektur

2000-2020: Jutta Blocher im Interview

2000-2020: Jutta Blocher im Interview

Captain Organic

Highflyer2000: Ross Lovegrove

Highflyer2000: Ross Lovegrove

Il grande maestro

Vico Magistretti zum 100. Geburtstag

Vico Magistretti zum 100. Geburtstag

Tom Dixon

„Wir dürfen nicht statisch bleiben.“

„Wir dürfen nicht statisch bleiben.“

Der Betonflüsterer

Omer Arbel im Gespräch

Omer Arbel im Gespräch

Reuber Henning

Bei dem Berliner Teppichlabel ist der Zufall Spielgefährte

Bei dem Berliner Teppichlabel ist der Zufall Spielgefährte

Studio Aberja

Räume ohne Dogma

Räume ohne Dogma

Thomas Kröger

Der Berliner Architekt über seine Leidenschaft für Innenräume

Der Berliner Architekt über seine Leidenschaft für Innenräume

Cristina Celestino

„Ein Interieur darf nicht wie ein Showroom aussehen.“

„Ein Interieur darf nicht wie ein Showroom aussehen.“

Gesa Hansen

Die in Paris lebende Designerin im Gespräch

Die in Paris lebende Designerin im Gespräch

Sabine Keggenhoff

„Ein guter Entwurf ist harte Arbeit.“

„Ein guter Entwurf ist harte Arbeit.“

Jonas Bjerre-Poulsen

Der Gründer von Norm Architects über Design als Evolution

Der Gründer von Norm Architects über Design als Evolution

Konstantin Grcic

Ein Gespräch über die vergangenen 20 Jahre

Ein Gespräch über die vergangenen 20 Jahre

llot llov

Ein Besuch im Studio von Ania Bauer und Jacob Brinck in Berlin

Ein Besuch im Studio von Ania Bauer und Jacob Brinck in Berlin

Camille Walala

Über die Gestaltung von Plätzen, Museen und Hotels

Über die Gestaltung von Plätzen, Museen und Hotels

David Löhr

Der Creative Director des Labels Loehr über Auswirkungen und Chancen der Coronakrise

Der Creative Director des Labels Loehr über Auswirkungen und Chancen der Coronakrise

Stefan Diez

Über die Globalisierung, sympathische Zukunftsvisionen und Sabbaticals

Über die Globalisierung, sympathische Zukunftsvisionen und Sabbaticals

Christian Haas

Der in Porto lebende Designer über das Comeback der Empathie

Der in Porto lebende Designer über das Comeback der Empathie

Robin Rizzini

Inmitten der Corona-Krise trafen wir den Designer von Studio Metrica

Inmitten der Corona-Krise trafen wir den Designer von Studio Metrica