Menschen

Große Ideen für kleine Räume

Paola Bagna ist spezialisiert auf kleine Wohnungen

von Judith Jenner, 16.03.2020

Seit einem Studienaufenthalt 2005 lebt die spanische Architektin Paola Bagna mit Unterbrechungen in Berlin. Sie hat sich auf Mikro-Apartments spezialisiert und baut sie so um, dass die Fläche optimal genutzt wird. Während bei Neubauten mit kleinen Wohnungen für Studierende, Touristen oder Pendler, wie sie in Berlin gerade zuhauf entstehen, die Grundrisse von vornherein an den begrenzten Platz angepasst werden, sind für den platzoptimierten Umbau eines Altbaus meistens größere Eingriffe notwendig. Da werden Trennwände eingerissen für eine Loft-Anmutung der Mini-Wohnungen. Da entsteht zusätzlicher Platz zum Schlafen unter der Decke, indem die Raumhöhe optimal ausgenutzt wird.

Freundschaftsdienst mit Folgen
Zu ihrer, in Zeiten hoher Immobilienpreise immer mehr gefragten Spezialisierung kam Paola Bagna eher durch Zufall. „Eine Freundin hatte sich 2011 eine kleine Wohnung in Neukölln gekauft“, erzählt die zierliche Frau mit den dunklen Haaren. „Sie bat mich, die Wohnung so auszubauen, dass der wenige Platz ideal ausgenutzt wird.“ Das fertige Projekt erschien auf mehreren Architekturportalen. Es folgten weitere Aufträge für kleine Apartments, aber auch Umbauten etwas größerer Wohnungen. Für eine Neuköllner Familie beispielsweise schuf sie mit einer maßgefertigten Mischung aus Schrank, Bett und Spielecke einen Raum im Raum für den kleinen Sohn. In Abidjan an der Elfenbeinküste richtete sie in einer alten Villa ein Boutique Hotel ein. Für eine Berliner Weinbar entwarf sie sowohl das Interior-Konzept als auch die Möbel.

Hohe Räume optimal nutzen
Auch in ihrem kürzlich fertig gestellten Projekt, einer 29-Quadratmeter-Wohnung in Berlin-Schöneberg, arbeiteten Paola Bagna und ihr Kollege John Paul Coss mit millimetergenau gefertigten Einbauten. Gleich neben der Eingangstür ist hinter kaschmirgrau beschichteten Holztüren aus der PerfectSense Serie von Egger Platz für die Waschmaschine, daneben ein passendes Fach fürs Waschmittel und darüber die Garderobe. Die offene Küche hat Fronten aus dem gleichen Material. Um möglichst viel Tageslicht hineinzulassen, ist die Arbeitsfläche zum Fenster hin etwas abgesenkt. Eine Metalltreppe führt auf die Hochebene hinauf. Durch ein Fenster ins Bad gelangt auch dort Tageslicht hin. „Die großzügige Deckenhöhe von Berliner Altbauten lässt sich gut nutzen, zum Beispiel als Stauraum oder für eine Hochebene zum Schlafen“, sagt Paola Bagna. „Es ist wichtig, nicht nur in Quadratmetern, sondern auch in Volumen zu denken, wenn man kleine Wohnungen gestaltet.“

Alte Materialien treffen auf neue
Die an der Escola Tècnica Superior d’Arquitectura in Barcelona und an der Technischen Universität Berlin ausgebildete Architektin hat keine One-fits-all-Lösung für kleine Räume parat. Sie passt ihre Entwürfe immer an die Bedingungen an, die sie in einer Wohnung vorfindet und arbeitet gerne mit alten Materialien. So ließ sie in der Schöneberger Einzimmerwohnung teilweise die alten Ziegelsteinwände freilegen und setzt sie mit LED-Leuchten in Szene. Zusammen mit den abgezogenen Dielen bilden diese rohen Materialien einen warmen Kontrast zu den gradlinigen Einbauten mit glatten Oberflächen. Um die Deckenhöhe von 3,60 Meter auch optisch zur Geltung kommen zu lassen, wurden im Wohnzimmer mit der offenen Küche zylinderförmige, bewegliche Strahler an der Decke installiert.

Viel los auf wenig Platz
Eine große Herausforderung beim Ausbau kleiner Wohnungen ist für Paola Bagna, dass viele Details von Anfang an mitgedacht werden müssen. „Auf jedem Quadratmeter passiert so viel, dass Umbauten kleiner Flächen oft teurer im Ausbau sind als viele Bauherrn denken“, sagt sie. Zugleich sind die kleinen Projekte für Handwerker eher uninteressant, sodass sich schon mancher Ausbau um Monate verschob, weil die Planung zwar stand, sich aber kein ausführendes Unternehmen fand.

Persönlich findet Paola Bagna, dass kleine Wohnungen durchaus ihren Reiz haben. Sie lebt in einer Zwei-Zimmer-Wohnung auf 45 Quadratmetern. „Ich denke, dieser reduzierte Lebensstil, wie wir ihn aus Japan kennen, wird sich auch bei uns immer stärker durchsetzen“, sagt die Architektin. „Man häuft weniger Dinge an und beschränkt sich auf die, die einem wirklich etwas bedeuten.“

Facebook Twitter Pinterest LinkedIn Mail
Links

Paola Bagna

paolabagna.com

Mehr Menschen

Handwerk als Türöffner

Im Gespräch mit dem New Yorker Designer Stephen Burks

Im Gespräch mit dem New Yorker Designer Stephen Burks

Atmosphären des Alltags

Ein Gespräch mit dem Architekten Takero Shimazaki

Ein Gespräch mit dem Architekten Takero Shimazaki

Neue Entfaltungsräume

Interview mit Marc Frohn von FAR

Interview mit Marc Frohn von FAR

Der Charaktermöbel-Macher

2000-2020: Leo Lübke von COR im Gespräch

2000-2020: Leo Lübke von COR im Gespräch

Ein Kofferraum voll Möbel

Frisches Kulturkonfekt von der Designerin Eileen Krüger

Frisches Kulturkonfekt von der Designerin Eileen Krüger

Performative Möbel

Das Designerduo Alberto Biagetti und Laura Baldessari im Gespräch

Das Designerduo Alberto Biagetti und Laura Baldessari im Gespräch

Experimentator mit Weitsicht

Rising Star 2000: Werner Aisslinger

Rising Star 2000: Werner Aisslinger

Design als Geschichtenerzähler

Ein Gespräch mit Michele De Lucchi in Südtirol

Ein Gespräch mit Michele De Lucchi in Südtirol

Die Querdenkerin

Rising Star 2000: Jeannette Altherr

Rising Star 2000: Jeannette Altherr

20 Jahre Smart Home

Ein Rückblick mit Hans-Jörg Müller von Gira

Ein Rückblick mit Hans-Jörg Müller von Gira

Vom Designer zur Marke

Highflyer 2000: Philippe Starck

Highflyer 2000: Philippe Starck

Die Bescheidene

Rising Star 2000: Cecilie Manz

Rising Star 2000: Cecilie Manz

Der bescheidene Humanist

Highflyer 2000: Alfredo Häberli

Highflyer 2000: Alfredo Häberli

Der Designentdecker

2000-2020: Giulio Cappellini im Gespräch

2000-2020: Giulio Cappellini im Gespräch

Individualisierung durch Innenarchitektur

2000-2020: Jutta Blocher im Interview

2000-2020: Jutta Blocher im Interview

Captain Organic

Highflyer2000: Ross Lovegrove

Highflyer2000: Ross Lovegrove

Il grande maestro

Vico Magistretti zum 100. Geburtstag

Vico Magistretti zum 100. Geburtstag

Tom Dixon

„Wir dürfen nicht statisch bleiben.“

„Wir dürfen nicht statisch bleiben.“

Der Betonflüsterer

Omer Arbel im Gespräch

Omer Arbel im Gespräch

Reuber Henning

Bei dem Berliner Teppichlabel ist der Zufall Spielgefährte

Bei dem Berliner Teppichlabel ist der Zufall Spielgefährte

Studio Aberja

Räume ohne Dogma

Räume ohne Dogma

Thomas Kröger

Der Berliner Architekt über seine Leidenschaft für Innenräume

Der Berliner Architekt über seine Leidenschaft für Innenräume

Cristina Celestino

„Ein Interieur darf nicht wie ein Showroom aussehen.“

„Ein Interieur darf nicht wie ein Showroom aussehen.“

Gesa Hansen

Die in Paris lebende Designerin im Gespräch

Die in Paris lebende Designerin im Gespräch

Sabine Keggenhoff

„Ein guter Entwurf ist harte Arbeit.“

„Ein guter Entwurf ist harte Arbeit.“

Jonas Bjerre-Poulsen

Der Gründer von Norm Architects über Design als Evolution

Der Gründer von Norm Architects über Design als Evolution

Konstantin Grcic

Ein Gespräch über die vergangenen 20 Jahre

Ein Gespräch über die vergangenen 20 Jahre

llot llov

Ein Besuch im Studio von Ania Bauer und Jacob Brinck in Berlin

Ein Besuch im Studio von Ania Bauer und Jacob Brinck in Berlin

Camille Walala

Über die Gestaltung von Plätzen, Museen und Hotels

Über die Gestaltung von Plätzen, Museen und Hotels

David Löhr

Der Creative Director des Labels Loehr über Auswirkungen und Chancen der Coronakrise

Der Creative Director des Labels Loehr über Auswirkungen und Chancen der Coronakrise