Menschen

Stefan Diez

Der Münchner Gestalter und Juryvorsitzende von Innovations@Domotex 2016 über Design auf dem Boden.

von Jörg Zimmermann, 17.11.2015

Die Innovationen am Boden kommen nicht als Revolution über uns. Bei den Bodenbelägen bahnen Neuerungen sich langsam ihren Weg, wie die Einreichungen zum Ausstellungsformat Innovations@Domotex zeigen. Die von einer Fachjury ausgewählten Innovationen in den Feldern „Textile und elastische Bodenbeläge“, „Moderne handgeknüpfte Teppiche“ und „Hartböden und Anwendungstechniken“ werden im Januar während der Domotex 2016 auf drei besonders gestalteten Ausstellungsflächen präsentiert. Ein Gespräch mit dem Designer und Juryvorsitzenden Stefan Diez über gestalterische Trends und neuartige Konzepte für den Boden.

Vor einigen Tagen im Hamburg auf dem Podium, davor zur Design Week in Tokio, vorgestern nun in Frankfurt als Juryvorsitzender für das Format Innovations@Domotex – Stefan, hast du überhaupt noch Zeit fürs Design?
Jetzt bin ich wieder in München im Büro angekommen. In den nächsten Wochen kann ich mich nun wieder ganz auf das Design und die laufenden Projekte konzentrieren. Aber ich mag die Reisen und die Arbeit in der Jury, weil diese Begegnungen mir Inspiration und auch Know-how bringen.

Wie läuft die Arbeit der Jury für Innovations@Domotex denn ab?
Die Jury ist ja mit echten Experten aus dem Bereich Flooring besetzt, das sorgt für eine gute fachliche Atmosphäre. In diesem Jahr kam die positive räumliche Situation dazu, wir waren zu Gast im Showroom von e15. Und die Arbeit für die Jury war diesmal besonders spannend, da wir zum ersten Mal echte Muster der eingereichten Innovationen hatten, die wir anschauen, anfassen und ausprobieren konnten. Aus dem direkten Umgang mit den Einreichungen ergaben sich interessante Diskussionen, bei denen ich auch viel Neues gelernt habe.

Gefragt waren Innovationen. Erlebt der Boden als gestaltbarer Bereich ein Revival?
Im Raum ist der Boden eigentlich eine wichtige Fläche, bleibt aber meistens im Hintergrund. Er ist oft einfach nur Mittel zum Zweck. Dabei gibt es eine riesige Palette an Gestaltungsmöglichkeiten und eine große Vielfalt bei den Materialien. Allerdings sind darunter auch viele generische Konzepte. Für Innovationen scheint noch viel Raum zu sein. Differenzierungen sind sicher möglich, bedeuten aber auch Investitionen.

Beim Stichwort Innovationen liegt der Gedanke an Materialien nahe. Ein Thema, das für viele auch mit Umweltschutz verbunden ist.
Umfassender Umweltschutz sollte heute eigentlich Standard sein, aber in vielen Bereichen und Produkten ist noch längst nicht alles grün. Bei den Laminaten und bei den „Designbelägen“ zum Beispiel. Wenn es um einen niedrigen Preis geht, kommt leider oft die Chemie ins Spiel. Dass es auch anders geht, zeigt beispielsweise ein eingereichter – und ausgewählter – Bodenbelag auf Wasser- und Quarzsandbasis, der mit Anteilen von Recycling-Materialien produziert wird und lösungsmittelfrei sowie wiederverwertbar ist.

Gibt es einen generellen Trend im Flooring?
In der Jury haben wir über Fragen nach authentischen Oberflächen bei Designböden, aber auch bei Teppichböden gesprochen. Das „Problem“ ergibt sich aus dem Anspruch der Hersteller auf Perfektion. Aus gestalterischer Sicht kann eine absolut perfekte Oberfläche jedoch ganz schnell eine sehr langweilige Angelegenheit werden. Die Nachfrage geht in Richtung lebhafter Oberflächen, die durch Unregelmäßigkeiten entstehen. Zum Beispiel dadurch, dass der Flor eines Teppichbodens nicht immer die gleiche Höhe hat, sondern leichte Abweichungen aufweist, wie von Hand gemacht.

Bei den textilen Bodenbelägen scheinen in der jüngeren Vergangenheit Teppichfliesen wieder mehr Beachtung zu finden. Was ist der Grund?
Das scheint mir ganz praktische Gründe zu haben. Teppichböden wurden und werden vornehmlich auf Rolle produziert. Dieses Format ist aber schwierig bei der Handhabung und Lieferung. Teppichfliesen sind da viel leichter zu handhaben. Hinzu kommt, dass die Teppichfliesen technologisch von Herstellungs- und Verlegeverfahren aus dem Parkettbereich profitieren. Beispielsweise sind sie mit einem harten Untergrund ausgestattet und müssen nicht mehr verklebt werden. Dadurch wird auch das Verlegen günstiger.

Wie sieht im Bereich Flooring denn die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Designern aus?
Im Rahmen und auf Initiative der Domotex hat sich in der Branche schon einiges in Richtung Design bewegt. Ein erster und wichtiger Impuls war dabei vielleicht auch das von mir betreute Projekt Flooring Deluxe im Jahr 2013, bei dem ausgewählte Designer sehr eng, aber auch sehr frei mit Herstellern zusammen gearbeitet haben. Die Ergebnisse wurden dann mit einer Ausstellung auf der Messe gezeigt. Dieses Projekt war ein klarer Anstoß für Unternehmen, sich mehr mit dem Thema Design zu beschäftigen. Mein Eindruck ist aber, dass da noch Luft für weitere Entwicklungen ist. Um Design und Ästhetik werden wir uns auch in der Jury in Zukunft noch mehr kümmern müssen.

Ist Flooring denn ein interessanter Bereich für Designer?
Ich finde schon. Auf der einen Seite müssen die Designer sich umfangreiches Wissen zu möglichen Herstellungsverfahren und Materialanwendungen aneignen, um in diesem Bereich arbeiten zu können. Andererseits geht dieses Wissen auch bei vielen Unternehmen verloren, und das Design-Know-how ist begrenzt. Aus dieser Konstellation könnten interessante Projekte und Kooperationen entstehen, denn der Flooring-Markt bietet noch Raum für Design-Innovationen.

Vielen Dank für das Gespräch.

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Links

Domotex 2016

16. bis 19. Januar 2016, Messegelände Hannover

www.domotex.de

Stefan Diez

www.stefan-diez.com

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