Menschen

Timo Dilger

Im Interview berichtet der Leuchtengestalter über eine technologische Revolution.

von Nina C. Müller, 06.03.2015

Ausgebildet zum Schreiner, Industriedesigner und Bühnenbildner, bringt Timo Dilger die optimalen Vorraussetzungen für einen Lichtgestalter mit. Der Designmanager von Osram und Siteco sprach mit uns über das Licht im Vatikan, smarte Leuchten und die dritte Dimension des Designs.

Siteco/Osram kann zahlreiche Referenzen in der ganzen Welt vorweisen, darunter die Universität von Edinburgh, der Flughafen Barajas in Madrid, der Berliner Washingtonplatz, der Novartis Campus in Basel oder der Landtag in Vaduz. Wie kommt es, dass so viele Megaprojekte bei Ihnen realisiert werden?
Nicht zu vergessen die Ausleuchtung der Sixtinischen Kapelle im letzten Jahr! Das war für uns in mehrerlei Hinsicht ein Highlight. Zum einen durch die enorme architektonische Komplexität, zum anderen wegen der historischen und kulturellen Bedeutung. Zu solchen Großprojekten kommt es, da wir als ganzheitlicher Lösungsanbieter alle notwendigen Spezialisten, Tools und die dafür notwendigen Leuchten und Leuchten-Komponenten aus einer Hand anbieten können.

Das Produktportfolio Ihres Unternehmens ist vielfältig: Es reicht von Leuchten für Büro-, Industriegebäude und Einkaufszentren über Fluter für Flughäfen und Sportanlagen bis hin zur Ausleuchtung öffentlicher Plätze, Straßen und Tunnel. Was sind die verbindenden Elemente der Anwendungen aus ihrem Haus?
Zum einen geht es bei unseren Produkten natürlich um technologische und qualitative Anforderungen. Zum anderen dreht sich aber auch viel um eine neutrale, integrative Gestaltung. Architekten und Lichtplaner haben häufig den Anspruch, dass sich eine Leuchte möglichst dezent in die Raumarchitektur integriert, um das Licht zwar an die gewünschte Stelle zu bringen, aber nicht zum störenden Fremdkörper zu werden.

Gerade wurde Siteco/Osram für den neuen LED-Fluter Floodlight 20 micro LED mit dem iF design award ausgezeichnet. Außerdem gab es die Auszeichnung Special Mention für die Büroleuchte ARKTIKA-P LED und die Outdoor-Lösungen der CL LED-Familie beim diesjährigen German Design Award. Was hat die Jurys überzeugt?
Was alle Leuchten verbindet, ist eine reduzierte Formensprache und ein hoher Detaillierungsgrad. Je schlichter eine Leuchte ist, umso wichtiger ist die Qualität in den Einzelheiten. So verfügt zum Beispiel unsere ARKTIKA-Pendelleuchte über eine hochpräzise Wabenoptik, die nicht nur das kennzeichnende formalästhetische Merkmal ist. Durch die damit erzielte Lichtqualität erfüllt sie auch sämtliche Normen für die Beleuchtung eines Bildschirmarbeitsplatzes.

Stichwort Usability: Was macht eine Leuchte anwenderfreundlich?
Zu unseren Zielgruppen zählen Architekten, Lichtplaner und Elektroinstallateure, welche allesamt verschiedene Prioritäten und Bedürfnisse haben. Für Lichtplaner etwa bedeutet usability, dass sie unsere Leuchten mit so wenig Aufwand wie möglich in ihre Projekte einplanen können. Dafür versuchen wir bei unseren Leuchtenfamilien immer eine möglichst hohe Vielfalt und Flexibilität bei möglichst geringer Komplexität anzubieten. Für Elektroinstallateure hingegen sind Montagefreundlichkeit oder -dauer Kriterien, wonach sie eine Leuchte auswählen.

Sie sind seit mehr als vier Jahren bei Siteco/Osram tätig. Zuvor arbeiteten Sie im Möbeldesign und für einen Kristallleuchten-Hersteller. Was ist prägend für die Gestaltung mit Licht?
Licht ist ein sehr spezielles Thema, eine zusätzliche Dimension. Es geht um physiologische und psychologische Aspekte, um Lichtwirkung im Raum und um Emotion. Momentan ist der technologische Wandel hin zur LED die große Herausforderung. Vieles, was wir aus der traditionellen Lichtwelt kennen, ist obsolet. Das Schöne für mich ist, bei dieser technologischen Revolution dabei zu sein, denn nichts anderes ist der Wandel hin zur Leuchtdiode.

Wie hat sich das Produktdesign mit der LED-Technologie verändert?
Die Möglichkeiten, aber auch die Komplexität hat sich enorm gesteigert. Im Zeitalter der traditionellen Leuchtmittel wurde mehr oder weniger um eine punktuelle oder lineare Lichtquelle herum gestaltet. Heute ist die Lichtquelle integraler Bestandteil der Leuchte, was auf der einen Seite eine völlig neue Art der Gestaltung ermöglicht. Andererseits müssen Designer mehr funktionale Themen wie beispielsweise Thermomanagement beachten und gleich zu Beginn in die Gestaltung mit einfließen lassen. Durch die Langlebigkeit der LEDs kann das künstliche Licht noch weiter in den Kontext der Architektur integriert werden, ohne dass man sich über Service und Instandhaltung zu viele Gedanken machen müsste.

Weshalb greift Ihre Inhouse-Design-Abteilung dennoch immer wieder auf externe Kompetenzen zurück?
Durch die Zusammenarbeit mit renommierten Designern und Designbüros holen wir uns neue Impulse, da sie auch in anderen Bereichen der Gestaltung tätig sind und ihre dort gesammelten Erfahrungen ins Leuchtendesign transferieren können.

Siteco/Osram blickt auf eine 100-jährige Erfahrung in der Lichtbranche. Was glauben Sie, wie sich das Thema Licht weiterentwickeln wird?
Künstliches Licht in Kombination mit Tageslicht wird mehr und mehr integraler Bestandteil des Gebäudes, was sicherlich Planung und Bau zukünftiger Bauprojekte maßgeblich verändern wird. Durch die Digitalisierung und Miniaturisierung der Leuchtmittel können auch immer häufiger Einrichtungsgegenstände wie Möbel oder andere elektronische Geräte zumindest teilweise Beleuchtungsfunktionen übernehmen.  Außerdem rücken Themen wie Licht und Gesundheit oder Licht und Wohlbefinden stärker in den Fokus, denn längst ist klar, dass Licht eine biologische Wirkung auf den Menschen hat. Ebenso stark ist der Wunsch nach Flexibilität durch vernetzte, intelligente Beleuchtungssteuerung, sprich nach Licht, das über mobile Geräte konfiguriert und gesteuert wird. So bieten wir den Nutzern mit LIGHTIFY Pro heute die Möglichkeit, drahtlos per App auf Smartphone oder Tablet verschiedene Lichtstimmungen und Szenarien zu konfigurieren und abzurufen.

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