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„Wandlungsfähig zu sein ist Teil unserer DNA“

Ein Gespräch mit Michael Ress, CEO von Schönbuch

Der Möbelbau liegt Michael Ress im Blut. In sechster Generation leitet er die Ress Möbelwerkstätten im unterfränkischen Bad Königshofen. Seit 176 Jahren produzieren sie Holzmöbel für Partner wie Rolf Benz, Walter Knoll, Wilkhahn, Zoom by Mobimex oder Classicon. Vor 16 Jahren übernahm Ress zudem die Traditionsmarke Schönbuch. Mit baunetz id sprach er über Kommunikation in Pandemiezeiten, knappen Holzleim und europäische Handwerkskunst.

von Judith Jenner, 14.07.2021

Seit den Sechzigern hatte sich Schönbuch mit progressiven Entwürfen wie der Garderobenkachel Quatro von Jürgen Lange einen Namen gemacht hatte. Mit seiner Frau, der Kreativdirektorin Carolin Sangha, initiierte CEO Michal Ress einen Relaunch, engagierte namhafte Designer*innen und verhalf dem Möbellabel zu internationaler Anerkennung. Unter dem Slogan „simply beautiful“ entstehen heute Einrichtungsgegenstände, die nicht nur praktisch sind, sondern die man einfach gerne haben möchte.

Welche Vision hatten Sie für Schönbuch, als Sie das Unternehmen 2005 übernahmen?
Unser Ziel war es, Schönbuch zur führenden Marke im Entréebereich zu machen. Inzwischen gehen wir über diese Produktpalette hinaus. Wir sagen: Entrée ist Schönbuch, aber Schönbuch ist mehr als Entrée. Diese Idee entstand aus der Erfahrung heraus, dass Kunden unsere Produkte nicht nur im Flur, sondern auch im Schlaf- oder Wohnzimmer, und im Office einsetzen. Inzwischen haben wir ein Vertriebsnetz in ganz Europa, Russland, den USA und im kleinen Rahmen auch in Asien und Australien aufgebaut.

Wie stellen Sie Ihre Kollektion zusammen?
Zum einen definieren wir Themen, entweder vertriebsseitig, weil ich merke, dass uns in der Kollektion etwas fehlt wie eine kleine gepolsterte Sitzgelegenheit. Oder Carolin schlägt ein Produkt vor, zum Beispiel einen Barwagen, weil sie der Überzeugung ist, dass das Thema Barkultur wieder mehr an Bedeutung in der privaten Umgebung gewinnt. Daraus entstehen Briefings, über die wir mit Designern sprechen. Durch die Markenbekanntheit bekommen wir inzwischen aber auch ungefragt viele Entwürfe zugesandt, über die wir uns sehr freuen. Manchmal entscheiden wir dann ganz spontan: Das gefällt uns, das wollen wir machen. Wir haben auch schon tolle Produkte auf dem Salone Satellite in Mailand entdeckt, die wir dann in unsere Kollektion aufgenommen haben.

Wo produzieren Sie?
Unsere Holzprodukte entstehen in den Ress Möbelwerkstätten, in Bad Königshofen, ganz im Norden von Bayern. Handmade in Bavaria, sozusagen. Für Metall, Glas und Keramik haben wir ein Netzwerk an Partnern im Inland und im europäischen Ausland. Darunter sind zum Beispiel tschechische Glasbläser oder portugiesische Keramiker.


Wie finden Sie diese Spezialisten?
Oft lernen wir sie auf Messen kennen oder erhalten Empfehlungen, zum Beispiel von Designern. Dann starten wir mit einem kleinen Produkt. Wenn sich die Zusammenarbeit bewährt, folgen weitere Aufträge. Die meisten Partnerschaften sind gewachsen und bestehen bereits seit vielen Jahren.

Welchen Einfluss hat die Entwicklung der Rohstoffpreise auf Ihre Arbeit?
Das beeinflusst unsere Arbeit sehr, und zwar nicht nur die Preise, sondern auch die Verfügbarkeit. Die gesamten Lieferketten sind durch Corona enorm durcheinander geraten. Es gab zum Beispiel Wochen, in denen ganz simpler Holzleim nicht verfügbar war. Viele Endverbraucher wissen das nicht und verstehen deshalb auch nicht, weshalb Produkte nicht in der gewohnten Lieferzeit verfügbar sind und die Preise steigen. Besonders Holz, Platten, Metall und Lacke ziehen im Moment enorm an.

Spüren Sie den Fachkräftemangel in Deutschland?
Wir haben bei den Ress Möbelwerkstätten etwa 125 Mitarbeiter in der Produktion, die meisten über viele Jahre hinweg, die wir selbst ausgebildet haben. Im Ausbildungsbereich können wir uns nicht beklagen. Entgegen des aktuellen Trends haben wir sogar mehr Schreiner-Azubis als in den Vorjahren. Aber Sie haben Recht, am Markt neue Kollegen mit Erfahrung zu finden, ist nicht leicht. 

Mussten Sie die Produktion pandemiebedingt einschränken?
Wir kamen zum Glück ohne Lockdowns aus. Aber die operativen Herausforderungen waren mannigfaltig, die kommunikativen ebenso. Denn ein Produkt lebt davon, dass man es anfasst, öffnet, sich draufsetzt und die Dimension auf sich wirken lässt. Die Proportionen richtig einzuschätzen, fällt gerade Endverbrauchern unheimlich schwer.

Welche Präsentationsformen haben sich für Sie noch bewährt?
Zoom-Meetings in unserem Showroom in Bad Königshofen. Die sind zwar aufwendig, werden von den Kunden aber sehr geschätzt, weil wir individuell auf ihre Interessen eingehen können. Außerdem stellt unser Außendienst mit einem umgestalteten LKW Händlern unsere Neuheiten vor. Zwar können wir auf diesem Weg nur einen kleinen Teil der Kollektion zeigen, dafür haben aber auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Handelskunden die Chance, unsere Produkte kennenzulernen. Und wir haben uns mit Partnern wie Rolf Benz, Walter Knoll oder Wittmann und Zoom by Mobimex zusammengetan und unsere Neuheiten in deren Showrooms präsentiert – sowohl in Deutschland, im Rahmen der neu ins Leben gerufenen Designweek, als auch in der Schweiz, im Rahmen der Ausstellungsplattform Designground. Momentan bereiten wir uns auf den SuperSalone bzw. die Milan Design Week im September vor. In der Via Brera werden wir in einer schönen Galerie unsere Neuheiten 2021 den internationalen Kunden präsentieren. Mit der Berliner Designerin Hanne Willmann editieren wir hierfür wir eine kleine Glasschalen-Serie und werden eine Sonderedition eines unserer Bestseller, den Barwagen GRACE von Sebastian Herkner, vorstellen. Und dann wird es noch ein, zwei Überraschungen geben.

Sie fabrizieren mit den Ress Möbelwerkstätten auch Produkte für andere Hersteller. Gibt es da Interessenskonflikte?
Wir achten auf eine strenge Trennung von Schönbuch und den Ress Möbelwerkstätten. Durch unseren starken Designbezug sind wir sehr sensibel, was Urheberrechte betrifft. Der Nischenstatus von Schönbuch führt aber auch dazu, dass wir uns mit unseren Partnern nicht in die Quere kommen. Es ist eher so, dass die anderen Betriebspartner von unserem Know-how in der Oberflächen- oder Massivholzverarbeitung profitieren. Somit ist es eher ein gegenseitiges Befruchten als eine Konkurrenz. Im internationalen Kontext ist es sinnvoll, wenn sich kleine Labels zusammentun. Und das passiert immer öfters, wie man gerade am Beispiel der Designweek sehen kann.


Welche Rolle spielen Customized Products bei Schönbuch? 
Gerade im vergangenen Jahr hat dieses Thema noch einmal an Bedeutung gewonnen. Mit Cabin haben wir einen Einbauschrank entwickelt, der komplett auf Maß gearbeitet ist und idealerweise zwischen Boden und Decke eingepasst wird. Auch Spiegel fertigen wir im Wunschmaß. Sonderfarben und –furniere sind ebenfalls ein großes Thema. Es steckt in der DNA von Schönbuch, flexibel zu sein und individuell auf Kundenwünsche einzugehen.

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Schönbuch

Schönbuch – eine Marke, die auffällt – aufgrund ihres klaren Designs und der expressiven Farben. Neben Ästhetik spielen immer auch Funktionalität und hochwertige Qualität eine Rolle. Das gilt für die Stauraumsysteme mit schier unendlichen Variationsmöglichkeiten genauso wie für Einzelmöbel und Accessoires. Allesamt Besonderheiten, die einem Interior erst das gewisse Etwas verleihen. So verwundert es nicht, dass der Spezialist für den Entréebereich heute in allen Objekt- und Wohnräumen zu Hause ist.

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