Projekte

Der Koloss von Chicago

Der neue Firmensitz von Motorola im einst größten Gebäude der Welt

von Norman Kietzmann, 15.10.2014

Schluss mit Überstunden in der Provinz. In Chicago hat der Mobiltelefon-Hersteller Motorola seine Zentrale aus dem Umland in die Mitte der Stadt verlagert – und dafür eine Architekturikone neu belebt: den 1930 erbauten Großmarkt Merchandise Mart, der einst als größtes Gebäude der Welt für Schlagzeilen sorgte.

Erfolge geraten nirgendwo schneller in Vergessenheit als in der Technologiebranche. Das musste auch Motorola erfahren. 1973 präsentierte das Unternehmen das weltweit erste Mobiltelefon DynaTAC. Stolze 3.995 Dollar kostete der wuchtige Knochen, mit dem allein in den ersten zwölf Monaten nach seiner Markteinführung 1984 300.000 Menschen telefonieren wollten. Der Startschuss für eine neue Branche war damit gefallen, in der Motorola seine Vorreiterrolle erst verteidigen konnte und später aufgeben musste. Doch im Geschäft ist es wie im Sport: Selbst wer nicht die Goldmedaille erringen kann, braucht deswegen noch lange nicht aufzugeben.

Räumliche Verführung
Und so baut Motorola auch weiterhin Mobiltelefone, obwohl sich auf dem Siegertreppchen längst ein apfelessender Gegner eingerichtet hat. Übersetzt in tagtägliche Aufgaben bedeutet das: Das Unternehmen muss sich nicht nur Mühe geben, begabte Mitarbeiter bei der Stange zu halten. Es muss auch Wege finden, um neue kreative Köpfe anzuziehen. Und die sind heute ganz schön anspruchsvoll geworden. Längst ist es nicht mehr nur die Höhe des Gehaltsschecks, die darüber entscheidet, wo potenzielle Mitarbeiter ihre Unterschrift setzen. Auch das Umfeld muss stimmen, um als künftiger Arbeitgeber überzeugen zu können.

Aus der Vorstadt ins Zentrum
Die neue Firmenzentrale, die Motorola kürzlich in Chicago eröffnet hat, wirkt wie die Raum gewordene Verführung für neue Kandidaten. Anstatt wie bislang im beschaulichen Vorort Libertyville zu logieren, zog das Unternehmen mit 2400 Mitarbeitern nicht nur mitten in die Innenstadt. Es hat sich zudem in einem architektonischen Juwel niedergelassen, das zu seiner Eröffnung im Jahr 1930 als größtes Bauwerk der Welt galt: der Merchandise Mart. Die Dimensionen des früheren Großhandelsmarkts sind derart gewaltig, dass das Haus bis 2008 sogar eine eigene Postleitzahl besaß. Auch eine Station der Chicagoer Hochbahn befindet sich im Bauch des achtzehngeschossigen Gebäudes, dessen Nutzfläche von 372.000 Quadratmetern rund 52 Fussballfeldern entspricht.

Begehbare Visitenkarte
Der Hauptteil des Kolosses wird heute als Einkaufs- und Messezentrum genutzt. Doch auch die Redaktion der Chicago Sun Times sowie der Campus des Illinois Institute of Art haben dort ihren Sitz. Auf 56.200 Quadratmetern – rund einem Sechstel der Gesamtfläche – hat Motorola nun eine begehbare Visitenkarte geschaffen. Deren Gestaltung hat die Chicagoer Dependance des Architekturbüros Gensler übernommen. Die Architekten haben den rauen Charme des Art-Déco-Baus verschont. Die originalen Wände, Säulen und Deckenbalken aus Sichtbeton sind ebenso erhalten geblieben wie der Terrazzo-Fußboden, auf dem einst die Händler ihre Frischwaren feilboten. Gemeinsam bilden sie den atmosphärischen Hintergrund für die räumliche Verwandlung, bei der auf vier Etagen eine kleine Stadt in der Stadt erschaffen wurde – ganz so, wie einst die Architekten Graham, Anderson, Probst & White den Merchandise Mart geplant hatten. 

Farbliche Klammer
Das Zentrum der Stadt birgt gut gehütete Geheimnisse. In acht Laboratorien, die zusammen rund  7.400 Quadratmeter bespielen, wird an der Entwicklung neuer Produkte gearbeitet. Die übrigen Flächen sind weit weniger vorbestimmten Nutzungen gewidmet. Im Open Space treffen Arbeitstische, Lounges, Miniküchen, Sportflächen oder gar ein Zen-Garten aufeinander und können nach Belieben in Beschlag genommen werden. Als gestalterische Klammer dient der Einsatz von Farbe

So wurden die Treppenaufgänge im Inneren der Firmenzentrale von einem Graffitikünstler akzentuiert, während ein langer Korridor von einer Textilgestalterin in stoffliche Farbigkeit gehüllt wurde. Auch bei der Möblierung wurden neutrale Töne vermieden. So können sich Mitarbeiter und Besucher auf einer mäandernden Sitzlandschaft in poppigem Orange und Gelb niederlassen. Zum Einsatz kam dafür das Sitzmöbel Scope, das vom Frankfurter Designer Uwe Fischer für Cor entworfen wurde und sich zu Sitzgruppen, Denkerzellen und Raum-im-Raum-Lösungen kombiniert lässt. 

Urbaner Weitblick
Frische Ideen bringt zweifelsohne auch der Gang auf die große Dachterrasse des Merchandise Mart, wo Meetings auf feuerroten Barhockern aus der Stool One-Familie von Konstantin Grcic stattfinden – mit eindrucksvollem Ausblick über die Hochhauskulisse der Stadt. Und wer weiß: Vielleicht bringen die neuen Räume die Mitarbeiter tatsächlich auf derart gute Ideen, dass an den Triumph von 1973 angeknüpft werden kann. Damals hatte Motorola-Chefentwickler Martin Cooper den weltweit ersten Handy-Anruf treffsicher kalkuliert. Er wählte die Nummer seines Konkurrenten Joel Engel von Bell Labs – der unbestätigten Quellen zufolge ganz grün geworden sein soll.

Facebook Twitter Pinterest LinkedIn Mail
Links

COR

Damit ein Möbel aber all diese Qualitäten erfüllen kann, müssen vorab sehr viele Menschen vieles sehr richtig gemacht haben. Sie müssen, zum Beispiel, die besten Materialien ausgewählt haben. Sie müssen diese nach höchsten handwerklichen Standards verarbeitet und geprüft haben. Und vor alledem steht der kluge Entwurf eines Designers, der all das vorwegnimmt, was das Sitzen, Entspannen und Wohnen über Jahre hinweg zu einem Vergnügen macht. Diese Art von Möbeln fertigen wir bei COR.

Zum Showroom

Projektarchitekten

Gensler

www.gensler.com

Mehr Projekte

Von hyperlokal bis hyperdigital

Arbeiten im Berliner Denizen House

Arbeiten im Berliner Denizen House

Das Bauhaus-Büro

Umbau einer Londoner Lagerhalle von Henley Halebrown

Umbau einer Londoner Lagerhalle von Henley Halebrown

Die Brückenbauer

Le Monde Headquarter in Paris von Snøhetta

Le Monde Headquarter in Paris von Snøhetta

Von der Brot- zur Denkfabrik

Flexibler Co-Working-Space in Wien

Flexibler Co-Working-Space in Wien

Im rechten Licht

Sieben Beispiele der Verschattung in der Architektur

Sieben Beispiele der Verschattung in der Architektur

Multifunktionales Penthouse

Loft in München von allmannwappner

Loft in München von allmannwappner

Architekturatelier mit Galerie

Studio In D-Tale gestaltet Büro für einen Kunstliebhaber

Studio In D-Tale gestaltet Büro für einen Kunstliebhaber

Polychrome Praxis

12:43 Architekten gestalten Behandlungsräume in Le Corbusier-Farben

12:43 Architekten gestalten Behandlungsräume in Le Corbusier-Farben

Die Schaufenster-Agentur

Flexible Büroflächen in Stuttgart von Seebald

Flexible Büroflächen in Stuttgart von Seebald

Arbeiten im Kraftwerk

Studio Perspektiv verwandelt Industriedenkmal in Co-Working-Space

Studio Perspektiv verwandelt Industriedenkmal in Co-Working-Space

Marktplatz für gute Ideen

Kommunikativer Büroumbau von Saguez & Partners in Paris

Kommunikativer Büroumbau von Saguez & Partners in Paris

Zahn-Spa mit Grünzone

Naturnahe Praxisräume von i29 in Amsterdam

Naturnahe Praxisräume von i29 in Amsterdam

Ein Büro als Formwandler

Club-Galerie-Office von ŠA Atelier für die litauische Architekturstiftung

Club-Galerie-Office von ŠA Atelier für die litauische Architekturstiftung

Ätherische Höhle

Das Interior von Beyond Space beamt ein Büro in eine Unterwasserblase

Das Interior von Beyond Space beamt ein Büro in eine Unterwasserblase

Weinbar mit Whiteboard

Ein Stockholmer Büro mit Tresen von Note Design Studio

Ein Stockholmer Büro mit Tresen von Note Design Studio

Arbeiten im Minka-Haus

DDAA macht ein japanisches Wohngebäude zum Büro

DDAA macht ein japanisches Wohngebäude zum Büro

Mehr Platz für Kreativität

Büroerweiterung in Berlin von Kemmler Kemmler

Büroerweiterung in Berlin von Kemmler Kemmler

Die Büro-WG

Office mit Retailfläche in Madrid von Plutarco

Office mit Retailfläche in Madrid von Plutarco

Monochrom und multifunktional

Isern Serra renoviert ein Kreativstudio in Barcelona

Isern Serra renoviert ein Kreativstudio in Barcelona

Hygge auf Tasmanisch

Ein hölzernes Büronest von Cumulus Studio

Ein hölzernes Büronest von Cumulus Studio

Zuhause im Architekturbüro

Wohnliches Office in Sydney von Alexander &CO.

Wohnliches Office in Sydney von Alexander &CO.

Naturnah arbeiten

Nachhaltiger Büroneubau von haascookzemmrich STUDIO2050

Nachhaltiger Büroneubau von haascookzemmrich STUDIO2050

Alter Bestand, neue Arbeitswelt

De Winder Architekten bauen Hamburger Verlagshaus aus

De Winder Architekten bauen Hamburger Verlagshaus aus

Ein Ort für die Magie des Zufalls

Co-Working im Londoner Design District

Co-Working im Londoner Design District

Herz aus Beton

Philipp von Matt gestaltet ein Künstlerhaus in Berlin

Philipp von Matt gestaltet ein Künstlerhaus in Berlin

Über den Dächern Berlins

Büroausbau für eine agile Arbeitsumgebung von buerohauser

Büroausbau für eine agile Arbeitsumgebung von buerohauser

Eidgenossen in Chicago

Das Schweizer Konsulat von HHF und Kwong Von Glinow

Das Schweizer Konsulat von HHF und Kwong Von Glinow

Schillerndes Vorzeigebüro

Co-Working-Space von Ivy Studio in Montreal

Co-Working-Space von Ivy Studio in Montreal

Makeover à la Marcelis

Umgestaltung eines Forschungszentrums in Rotterdam mit USM-Möbeln

Umgestaltung eines Forschungszentrums in Rotterdam mit USM-Möbeln

Luft nach oben

Umbau einer Lagerhalle in Buenos Aires zur Bürolobby

Umbau einer Lagerhalle in Buenos Aires zur Bürolobby