Projekte

Eintauchen in eine andere Zeit

von Katharina Horstmann, 27.04.2010

 
Die mexikanische Stadt Acapulco hat viele Geschichten zu erzählen. Schon im 16. Jahrhundert erkannte der Eroberer Hernán Cortés die Bedeutung des am Pazifik liegenden Naturhafens. Doch ihre wirkliche Blütezeit durch den Fremdenverkehr erlebte sie erst im letzten Jahrhundert – der Erfolg beruhte nicht unerheblich auf dem Ruf als Jet-Set-Destination und Spielplatz der Hollywood-Elite der 1950er Jahre. Die Glanzzeit des Seebads schien lange Zeit in Vergessenheit geraten zu sein – bis vor kurzem ein altes Juwel wieder eröffnete, das Boca Chica. Das Hotel, in dem der beliebte Cocktail Margarita erfunden wurde und das einst John Wayne und seine Kumpanen aus Hollywood beherbergte, liegt in der ruhigen Bucht von Caleta in einem Gebäude, das der Architekt Antonio Peláez entwarf. Es verbindet heute den ursprünglichen Charme der alten Welt mit zeitgenössischem Design, sei es in den schlichten, dennoch stilvollen Zimmern oder in dem von der traditionellen Volksmedizin inspirierten Spa.


Verantwortlich für die Renovierung zeichnen die jungen Architekten Frida Escobedo und José Rojas aus Mexiko-Stadt, die die in den 1950er Jahren entstandene, doch über die letzten Jahrzehnte vernachlässigte Anlage aufwändig saniert und um einen 1.000 Quadratmeter großen Spa-Bereich ergänzt haben. Sie ließen sich dabei von den zahlreichen Bungalows der Gegend inspirieren, die während der 1950er und 1960er Jahre entstanden und im Laufe der Jahre von ihren Bewohnern auf eine ganz spezielle Weise modifiziert wurden. Dabei war nämlich eine ganz eigene Gestaltungssprache entstanden: Sie benutzen Bilder und andere Elemente der 1960er Jahre und kombinieren sie mit modernen tropischen Handarbeiten und Designkonzepten. Und genau das versuchten Frida Escobedo und José Rojas bei der Neugestaltung der Architektur, Innenräume sowie Grafik aufzugreifen. Denn es galt, dem Originalentwurf so wenig wie möglich entgegenzuwirken.
 
Fließende Übergänge
 
So fließen die öffentlichen Bereiche im Erdgeschoss des Hotels mit den Außenräumen ineinander; Türen oder Fenster existieren nicht. Der Gast gelangt vom Eingangsportal her in eine mit einem Steinfußboden ausgelegte Lobby, die mit Teakmöbeln aus den 1950er Jahren eingerichtet ist. Links neben dem schlichten originalen Rezeptionstresen öffnet sich der Garten, rechts davon führt eine Treppe zu den 30 Zimmern in den drei oberen Etagen. Diese sind – wie das gesamte Hotel – primär in weißen und blassgrünen Farbabstufungen gehalten und mit einer Vielzahl von Möbeln aus der architektonischen Moderne eingerichtet. Große Jalousieklapptüren, die sich ganz öffnen lassen, führen auf die großzügigen Terrassen, die mit Hängematten ausgestattet sind und einen wundervollen Blick auf den Pazifik bieten.

Im Erdgeschoss befinden sich zusätzlich sechs Suiten. Diese haben eigene private Gärten und vermitteln ein wenig das Gefühl, in einem Baumhaus zu wohnen. Denn von hier kann der Gast unbemerkt dem Treiben der anderen Hotelgäste zuschauen, wie sie im Pool schwimmen oder unter dem großen Strohdach des Restaurants einen Cocktail trinken; oder sie können den Besitzern der Motorboote und Jachten zusehen, wenn diese vor Anker gehen, um in dem japanischem Restaurant des Hotels Sushi oder Sashimi abzuholen.
 
Panorama-Kuren
 
Auch der neu angelegte Spa-Bereich im Hotel bietet wundervolle Ausblicke auf die Küste. Für die Gestaltung holten sich die Architekten Unterstützung von Tanya Hughes und Jason Harler, die schon dem Hotel The Standard in Miami Beach zu einer besonderen Wellness-Oase verholfen haben. Beim Boca Chica ließen sich die beiden Spezialisten von der traditionellen Volksmedizin inspirieren. Neben diversen Behandlungsräumen für die Gesichts- und Körperpflege, einem Hamam sowie Aroma-Dampfbädern in der zweiten und dritten Etage umfasst das Spa ein gut ausgestattetes Fitnesscenter im Erdgeschoss des Hotels. Aber auch auf der Poolterrasse kann der Gast sich verwöhnen und dabei die Seele baumeln lassen und von anderen Zeiten träumen, zum Beispiel bei einer Knetkur in den speziellen Massagehäuschen oder in aromatisierten Eisblöcken badend in einer der beheizten japanischen Furo-Wannen.
Links

Designhotels

www.designhotels.com

Frida Escobedo

www.fridaescobedo.net

Mehr Projekte

Treppe wird Raum

Umbau eines Reihenhauses in London von Fraher & Findlay

Akzente im Bad

Reduziertes Gestaltungsprinzip mit farbigen Armaturen von Vola

Waschen als Kinderspiel

Berliner Kita mit klaren Farben und Duschwannen von Bette

Bäder-Schau

Badobjekte von Bette als zentrales Element in Rothenburger Boutique-Hotel

Baden in Barcelona

Raúl Sanchez plant eine Wohnung mit dem Badezimmer als Zentrum

Wiedergeburt einer Ikone

Poul Henningsens einstige Villa in Kopenhagen

Bad mit Bowie

Zähne putzen mit Ziggy Stardust: Einfamilienhaus in Dublin.

Finnische Wüstensauna

Finnische Tradition in der Wüste: Sauna im Black Rock Desert in Nevada.

Abstrakte Raum-in-Raumlösung

In der Casa Duende Duratex von Nildo José bildet eine kompakte Funktionsbox den Mittelpunkt.

Techno und Terrazzo

So lässig wie eine Bar: Zahnarztpraxis für Ästheten.

Swimming Wonderland

Märchenhafte Bade- und Sportoase: der Loong Swim Club in Suzhou des Shanghaier Studios X+Living.

Monsieur Etienne: Loft in Paris

Fließende Raumstrukturen: Apartment von Atelier du Pont.

Modernes Badehaus

Hommage an die chinesische Badekultur: Boutique-Hotel von Neri & Hu.

Poesie im Quadrat

Ein Wohnzimmer mit Badestelle von i29 in Vinkeveen

Balanceakt aus Beton

Drei Gästehäuser von Mork-Ulnes im Norden Kaliforniens

Spieglein, Spieglein

In diesem japanischen Friseursalon hängen keine Spiegel an der Wand, und es geht auch nicht darum, wer am schönsten ist.

Mit Farben lernen

Lënster Lycée von G+P Muller architectes

Spaziergang mit Schildkröte

Das Luxushotel Tortue in Hamburg

Tête-á-tête mit Baumkronen

The Fontany von Störmer, Murphy and Partners in Hamburg

Have a nice trip

Karim Rashids Designwelt in einem St. Pauli-Hotel

Relax Underground

Diskret und bizarr: Lenka Míková hat ein Prager Kellergewölbe in ein mysteriöses Love Hotel verwandelt.

Poetisches Raster: Wohnhaus in Australien

Ein Haus aus drei Teilen, für Bewohner und Gast.

Leben auf allen Ebenen

Ein Wohnexperiment von Tato Architects

Kupfertupfer

Frederic Kielemoes gestaltet minimalistisches Interior in Gent

Schaumbad über den Dächern

Das InterContinental Ljubljana vom Münchner Büro Wrightassociates

Schaufenster in den Wald

Tiny House in New York von Bjarke Ingels

Berg, Bond und Beton: Alpine Spa in Bürgenstock

Der Anbau des exklusiven Schweizer Bürgenstock Resorts ist eine minimalistische Gebäudeskulptur, die den Bezug zur Landschaft sucht.

Viele Fliesen: Miniloft in Vilnius

Das Bad ist das neue Schlafzimmer: Die Architekten von YCL Studio nehmen es mit diesem Umbau wörtlich.

Alle guten Dinge

Apartmentumbau von Miriam Barrio in Barcelona

Cliffhanger am Fluss: Wochenendhaus in Japan

17 Meter oberhalb des Flusses: Dieses Wochenendhaus basiert auf einer beeindruckenden Betonkonstruktion.