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Labyrinth der Leichtigkeit

von Katharina Horstmann, 30.01.2013

 
Nichts existiert ohne Vorgänger. Auch das von Martín Lejarraga entworfene Kreuzfahrtterminal in Cartagena. Es lässt seinen Formengeber sofort erkennen – eine Inspirationsquelle, die schon viele Architekten zuvor wählten und die für den Ort naheliegend ist: das Meer. Doch was zunächst wie ein dekoratives Labyrinth aus Wellen und Stäben erscheint, erweist sich bei näherer Betrachtung als funktionale Anlage, die ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten folgt.

 
 
Eine Kreuzfahrt ist für viele ein Traum. Wochenlang auf einem Dampfer über die sieben Meere schippern, einen Hafen nach dem anderen ansteuern und das Umland erkunden. Ein beliebter Mittelmeerhafen liegt in Cartagena. Schon bei der Einfahrt bietet die spanische Stadt einen imposanten Anblick mit der über ihr thronenden Burg und der schönen, zeitgenössisch gestalteten Hafenpromenade, die im Kontrast zu dem antiken Bauwerk steht. Je mehr sich ein Schiff der Anlegestelle nähert, desto genauer lassen sich auch die einzelnen Neubauten erkennen: von Guillermo Vázquez-Consuegras Museum für Unterwasserarchäologie bis zum Konferenzzentrum El Batel vom Architekturbüro Selgascano.
 
Wind und Wellen
 
Ein neuer Blickfang bildet das Kreuzfahrtschiffterminal. Entworfen von Martín Lejarraga, besteht es aus einer mit bunten Mosaiken gestalteten Plateaulandschaft, die mit ihren konvexen und konkaven Linien die Bewegungen von Wind und Wellen widerspiegelt und den grau asphaltierten Boden des Hafengeländes unterbricht. Bei der Landung enthüllen die Dächer aus Sichtbeton eine Vielzahl an schmalen Metallpfählen, die an Rilkes Panther und die tausend Stäbe ohne Welt dahinter denken lassen. Bei näherer Betrachtung, oder vielmehr Begehung, lässt sich jedoch schnell entdecken, dass die Anordnung nicht beliebig erfolgte, sondern geometrische Gesetzmäßigkeiten erfüllt. Ein wichtiger Aspekt der Planung war neben der Platzierung des Empfangsbereiches für die Passagiere der Kreuzfahrtschiffe die Einrichtung von Tourismusbüro, Hafenverwaltung und Hafenpolizei sowie die Unterbringung von Aussichts- und Aufenthaltsplattformen.
 
Undurchdringliche Dichte
 
Der Architekt Martín Lejarraga hat in einer scheinbar unregelmäßigen Abfolge kleine Rondelle angeordnet, die von eben jenen Metallpfählen begrenzt werden und zusammen eine L-Form ergeben. Dank der Überlagerung der Stäbe entsteht eine von Weitem undurchdringlich erscheinende Dichte. Sie lässt die unschöne Abgrenzung zu einem Teil der Marina verschwinden, anstatt mit wenigen Trägerelementen den Blick auf diese freizugeben. Von Nahem löst sich diese Dichte auf zugunsten eines Eindrucks von Leichtigkeit auf.
 
Die Rondelle, die Informations- und Verwaltungseinrichtungen sowie den Empfangsbereich für die Kreuzfahrtpassagiere beherbergen, sind die einzigen geschlossenen Räume. Sie sind mit blau getöntem Glas ummantelt und dank einer blauen, die runde Form aufgreifende Erhöhung auf dem Dach auch von Weitem leicht zu erkennen. Die anderen Rondelle sind ganz offen gehalten oder teilweise mit aquamarinfarbenen und mit Fischen verzierten Glaswänden umschlossen, so dass sie bei windigem oder regnerischem Wetter Unterschlupf bieten. Bei Sonnenschein entstehen in den Zwischenräumen schöne Licht- und Schattenspiele. Sie untermalen nicht nur die Leichtigkeit des Labyrinths, sondern auch die Anmutung einer Aquarienwelt.
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Links

Projektarchitekt

Martín Lejarraga

www.lejarraga.com

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