Projekte

Massagen und Juwelen

von Norman Kietzmann, 15.01.2008

Inmitten der Mailänder Innenstadt hat Antonio Citterio ein unscheinbares Gebäude aus den 1950er Jahren in die luxuriöseste Adresse der Stadt verwandelt: das Bulgari-Hotel in der Via Gabba. Für einen bleibenden Eindruck sorgt dabei nicht nur die unaufdringliche Eleganz des Interieurs, sondern auch der idyllische Garten, der abgeschirmt vom hektischen Straßenlärm zu einer Insel der Ruhe wird. Es ist vor allem auch das Spa im Untergeschoss des Hotels, das sich zu einer festen Anlaufstation der Mailänder Gesellschaft entwickelt und den guten Ruf des Hauses maßgeblich beeinflusst hat.
Waren es früher noch Parfum-, Kosmetik- oder diverse Accessoire-Kollektionen, mit denen die Luxusmarken der Masse auch für sie erschwingliche Produkte boten, steht nun ein ganz neues Terrain auf dem Programm: Designhotels mit angeschlossenem Wellnessbereich. Als erster Juwelierhersteller hatte das römische Traditionshaus Bulgari die Gunst der Stunde erkannt und einen exklusiven Hotelableger ins Leben gerufen, der nach dem Auftakt in Mailand im Jahr 2004 gleich zwei Jahre später eine zweite Dependance auf Bali eröffnete. Was auf den ersten Blick ein wenig ungewöhnlich für einen Juwelier erscheint, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als ein überaus kluger Schachzug von Bulgaris Marketingstrategen. Denn auch wer viel Geld besitzt, kauft sich nicht jede Woche ein teures Schmuckstück in einem der weltweit 194 Shops des Unternehmens. Mit dem Hotel in der Via Gabba ist es Bulgari jedoch gelungen, sich zumindest in Mailand in das soziale Leben der Stadt auf wohl kalkulierte Weise zu verankern. Schließlich bietet ein Hotel nicht nur Zimmer zum Übernachten, sondern ebenso ein Restaurant, eine Bar, ein Café und nicht zu vergessen ein luxuriöses Spa, in dem man sich regelmäßig verwöhnen lassen kann. Für viele Geschäftsleute ist das Bulgari bereits jetzt zur ersten Adresse für wichtige Businessmeetings geworden und auch die Mailänder Jeunesse dorée schwört längst darauf, den Abend mit einem „aperitivo“ im Garten des Hotels einzuläuten.
Mondänes Refugium
Der Erfolg des Hauses ist dabei aber nicht nur allein dem bekannten Namen seines Betreibers zu verdanken, sondern ebenso dem stilsicheren Gespür von Antonio Citterio. Der Mailänder Architekt und Designer hat dem Hotel die richtige Mischung aus mondäner Bühne und privatem Refugium verliehen, um selbst bei den verwöhnten Milanesi einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Das Interieur mit seinen warmen erdigen Ockertönen wirkt einladend und durch den Kontrast mit Schwarz spannungsvoll akzentuiert. Es kommen fast ausschließlich natürliche Materialien wie Eiche, Teak, Marmor oder Granit zum Einsatz - sie ziehen sich durch das gesamte Interieur des Hauses. Citterio hat insbesondere auf die haptische Qualität der verwendeten Materialien großen Wert gelegt: Diese wirken nie glatt oder abweisend, sondern verleiten eher zum Berühren. Die eigentliche Attraktion des Hotels liegt auf der zur Straße abgewandten Seite, wo einer der schönsten privaten Parks von Mailand gelegen ist und der ein Stück Ruhe inmitten des belebten Zentrums rund um die Via Montenapoleone bietet.
Insel der Ruhe
Angelegt im Jahr 1774 für Studenten der Medizin und der Pharmazie, beherbergt der Garten auf 4.000 Quadratmetern noch heute zahlreiche exotische Pflanzen aus der Zeit Napoleons. Der gesamte öffentliche Bereich des Hotels im Erdgeschoss mit Restaurant, Bar und Café ist zur Parkseite hin orientiert und kann im Sommer großzügig geöffnet werden. Und auch von der Lobby fällt der Blick sofort in den Garten, sobald man die große Drehtür mit ihrem Bronze-Dach passiert hat. Citterio steigert die Wirkung noch, indem er das Erdgeschoss fast durchgängig mit schwarzem Granit und dunklem burmesischen Teakholz gestaltete. In seiner zurückgenommenen Farbigkeit bildet es einen eleganten Rahmen für das Grün des Rasens und der Bäume. In den Zimmern bestimmen vorwiegend warme Ockertöne das Bild und kontrastieren mit Möbeln aus schwarzer Eiche und schwarzen Teppichen. Auch in den Bädern wird das Farbkonzept durch die Kombination aus schwarzem Zimbabwe-Marmor und beigefarbenem Navona-Travertin fortgesetzt.
Schmuckstück in Ocker und Smaragdgrün
Konnten die öffentlichen Bereiche im Erdgeschoss sowie der Großteil der 52 Zimmer zum Garten geöffnet werden, musste Citterio für das Spa im Untergeschoss eine andere Lösung finden, da es gänzlich vom Tageslicht abgeschottet ist. Die Farbpalette wird hier um ein Smaragdgrün erweitert, das für raumhohe gläserne Paneele sowie für die Mosaiksteine am Grund des zentralen Schwimmbeckens verwendet wurde. In Kombination mit den ockerfarbenen Marmorwänden entsteht dadurch ein stimmiger und zugleich natürlicher Eindruck, der durch das indirekte Beleuchtungskonzept unterstützt wird. Die Treppenstufen, die in das zentrale Schwimmbecken hineinführen, sind mit goldenen Mosaiken von Trend-Vicenza verkleidet und erweisen damit auch den Ursprüngen der Marke Bulgari eine Referenz. Die zahlreich angebotenen Massagen sind vor allem auf Techniken aus dem Orient sowie aus Bali spezialisiert und nutzen unter anderem heiße Steine, die zuvor in Öl getaucht wurden. Ob dabei auch kostbare Edelsteine zum Einsatz kommen, wollte man uns gegenüber weder bestätigen noch dementieren.
Facebook Twitter Pinterest LinkedIn Mail
Links

Bulgari-Hotel Mailand

www.bulgarihotel.com

Antonio Citterio & Partners

www.antoniocitterioandpartners.it

Mehr Projekte

Rein in Stein

Die schönsten Natursteinbäder

Die schönsten Natursteinbäder

Showroom-Szenarien

Der neue Laufen Space in Berlin von Konstantin Grcic

Der neue Laufen Space in Berlin von Konstantin Grcic

Patina mit Twist

Luxussanierung einer Jugendstilvilla von Jan Leithäuser in Frankfurt

Luxussanierung einer Jugendstilvilla von Jan Leithäuser in Frankfurt

Tempel der Elemente

Jodschwefelbad von Matteo Thun in Bad Wiessee

Jodschwefelbad von Matteo Thun in Bad Wiessee

Galant in Bogenhausen

Ein zeitreisender Villenumbau von Arnold / Werner Architekten

Ein zeitreisender Villenumbau von Arnold / Werner Architekten

Bäder im Charme der Siebziger

Mit Bette auf Zeitreise im Standard Hotel London

Mit Bette auf Zeitreise im Standard Hotel London

Vom Unort zum Ort

Wie öffentliche Toiletten mit neuen Qualitäten punkten

Wie öffentliche Toiletten mit neuen Qualitäten punkten

Kuratiertes Interior

Erstes Stilwerk-Hotel in Hamburg

Erstes Stilwerk-Hotel in Hamburg

Gebrochene Schönheit

Beauty-Salon von balbek bureau in Kiew

Beauty-Salon von balbek bureau in Kiew

Bad mit Autobahncharme

Minimalistischer Umbau eines Apartments von DIALECT in Antwerpen

Minimalistischer Umbau eines Apartments von DIALECT in Antwerpen

Treppe wird Raum

Umbau eines Reihenhauses in London von Fraher & Findlay

Umbau eines Reihenhauses in London von Fraher & Findlay

Akzente im Bad

Reduziertes Gestaltungsprinzip mit farbigen Armaturen von Vola

Reduziertes Gestaltungsprinzip mit farbigen Armaturen von Vola

Waschen als Kinderspiel

Berliner Kita mit klaren Farben und Duschwannen von Bette

Berliner Kita mit klaren Farben und Duschwannen von Bette

Zeigt her Eure Bäder

Badobjekte von Bette als zentrales Element in Rothenburger Boutique-Hotel

Badobjekte von Bette als zentrales Element in Rothenburger Boutique-Hotel

Baden in Barcelona

Raúl Sanchez plant eine Wohnung mit dem Badezimmer als Zentrum

Raúl Sanchez plant eine Wohnung mit dem Badezimmer als Zentrum

Wiedergeburt einer Ikone

Poul Henningsens einstige Villa in Kopenhagen

Poul Henningsens einstige Villa in Kopenhagen

Bad mit Bowie

Zähne putzen mit Ziggy Stardust: Einfamilienhaus in Dublin.

Zähne putzen mit Ziggy Stardust: Einfamilienhaus in Dublin.

Finnische Wüstensauna

Finnische Tradition in der Wüste: Sauna im Black Rock Desert in Nevada.

Finnische Tradition in der Wüste: Sauna im Black Rock Desert in Nevada.

Abstrakte Raum-in-Raumlösung

In der Casa Duende Duratex von Nildo José bildet eine kompakte Funktionsbox den Mittelpunkt.

In der Casa Duende Duratex von Nildo José bildet eine kompakte Funktionsbox den Mittelpunkt.

Techno und Terrazzo

So lässig wie eine Bar: Zahnarztpraxis für Ästheten.

So lässig wie eine Bar: Zahnarztpraxis für Ästheten.

Swimming Wonderland

Märchenhafte Bade- und Sportoase: der Loong Swim Club in Suzhou des Shanghaier Studios X+Living.

Märchenhafte Bade- und Sportoase: der Loong Swim Club in Suzhou des Shanghaier Studios X+Living.

Monsieur Etienne: Loft in Paris

Fließende Raumstrukturen: Apartment von Atelier du Pont.

Fließende Raumstrukturen: Apartment von Atelier du Pont.

Modernes Badehaus

Boutique-Hotel von Neri & Hu als Hommage an die chinesische Badekultur

Boutique-Hotel von Neri & Hu als Hommage an die chinesische Badekultur

Poesie im Quadrat

Ein Wohnzimmer mit Badestelle von i29 in Vinkeveen

Ein Wohnzimmer mit Badestelle von i29 in Vinkeveen

Balanceakt aus Beton

Drei Gästehäuser von Mork-Ulnes im Norden Kaliforniens

Drei Gästehäuser von Mork-Ulnes im Norden Kaliforniens

Spieglein, Spieglein

In diesem japanischen Friseursalon hängen keine Spiegel an der Wand, und es geht auch nicht darum, wer am schönsten ist.

In diesem japanischen Friseursalon hängen keine Spiegel an der Wand, und es geht auch nicht darum, wer am schönsten ist.

Mit Farben lernen

Lënster Lycée von G+P Muller architectes

Lënster Lycée von G+P Muller architectes

Spaziergang mit Schildkröte

Das Luxushotel Tortue in Hamburg

Das Luxushotel Tortue in Hamburg

Tête-á-tête mit Baumkronen

The Fontany von Störmer, Murphy and Partners in Hamburg

The Fontany von Störmer, Murphy and Partners in Hamburg

Have a nice trip

Karim Rashids Designwelt in einem St. Pauli-Hotel

Karim Rashids Designwelt in einem St. Pauli-Hotel