Projekte

Trennscharfer Schnitt

Loft-Ausbau von Firm architects in Amsterdam

Keine Standardwohnung, keine Kompromisse – dafür ein einzigartiges, nachhaltiges, maskulines und auf Maß gefertigtes Zuhause wünschte sich der Bewohner des Amsterdamer Apartments. Eine spannungsvolle Materialkomposition und das Spiel mit Alt und Neu machen das Loft in De Pijp zum optischen Zweiteiler.

von Bettina Krause, 21.09.2021

Mit den Füßen in der Vergangenheit, mit dem Kopf in der Zukunft – so fühlt man sich im  Loft, das Firm architects in ihrer Heimatstadt Amsterdam gestalteten. Was früher ein unbewohnbarer Dachboden war, hatte nach der Anhebung des Daches um 50 Zentimeter das Potenzial, ein 94 Quadratmeter großer, extravaganter Wohnraum zu werden. Das Vergangene und das Neue stehen dabei konzeptionell im Mittelpunkt und sind räumlich aufgeteilt: Ein schmaler, horizontaler Schnitt auf 95 Zentimetern über dem Boden trennt das alte, rohe Mauerwerk unten – oder dessen Spiegelbild – von den neuen, glatten Materialien weiter oben. „Reflexionen der Vergangenheit“ nennen die Architekt*innen ihr Projekt, was in den kontrastreichen Materialien aus dunklen Spiegeln, unbearbeiteten Zinkblechen, Beton, Holz und rauen Ziegeln zum Ausdruck kommt.

Gestern und morgen
Oberhalb der Linie reflektieren die Zinkwände viel Licht in den Raum, die Reflexion selbst ist jedoch unscharf und verkörpert den ungewissen Blick in die Zukunft. Die dunklen Spiegel unterhalb der Linie hingegen spiegeln weniger Licht, zeigen aber ein scharfes Bild der rauen Backsteinwände gegenüber – die Vergangenheit. Die Höhe von 95 Zentimetern wählten die Architekt*innen für den Schnitt aus praktischen und konzeptionellen Gründen: Zum einen enden auf dieser Höhe die Treppengeländer und Türen der Küchenschränke, zum anderen markiert sie den zentralen Punkt des menschlichen Körpers. Das räumliche Konzept stellt damit den Bewohner in den Mittelpunkt. Es verwurzelt ihn gewissermaßen mit den Beinen in der Vergangenheit, während er sich mit dem Oberkörper im „Neuen“ befindet und in die Zukunft blickt.

Gläsern und minimalistisch
Betreten wird das Apartment über eine Treppe, die direkt ins Wohnzimmer führt. Zuerst fällt der Blick auf die raumbreite, rahmenlose Glasfassade, die komplett geöffnet werden kann. Diese Öffnung Richtung Süden sorgt für natürliche Wärme im Apartment und kann bei Bedarf mit einem großen Vorhang verdeckt werden. Wenn der Vorhang zur Seite geschoben wird, bleiben die Glasflächen dank gebogener Vorhangschienen komplett frei. Das Wohnzimmer ist als offener, heller Raum konzipiert, den die Architekt*innen auf Wunsch des Bewohners so groß wie möglich gestalteten. Deshalb sind Bad, Waschmaschine und Gästezimmer in einem reflektierenden Volumen verborgen.

Der Zugang ist hinter dem spiegelnden Material kaum sichtbar. Belichtet wird dieser Bereich von teilweise halbdurchsichtigen Glaswänden. Highlight im Badezimmer mit Terrazzoboden, schwarzen Armaturen und blau-grauen Wänden ist das Oberlicht über der Dusche, das den Blick auf den Himmel freigibt und den Raum mit Licht durchflutet. Glatte Oberflächen, roher Beton und gemasertes Holz prägen die Küche. Der spannungsvolle Mix aus haptischen, kühlen und warmen Materialien schafft eine ebenso anregende wie entspannende Atmosphäre. Hinter einer großen Schiebewand aus Holz befindet sich das Schlafzimmer.

Stairway to heaven
Zur natürlichen Belüftung des Wohnraums ließen sich die Gestalter*innen von der Architektur in tropischen Ländern inspirieren. Eine Dachluke über dem Eingang kann an heißen Tagen elektrisch geöffnet werden, sodass die wärmere Luft am höchsten Punkt des Raums entweicht, ein natürlicher Luftzug entsteht und das Loft angenehm kühl bleibt. Eine perforierte Zinktreppe unter der Luke hat – bis zur 95 Zentimeter-Linie – einen schwarzen Absatz und verbindet die Wohnung mit der Dachterrasse. Schon von unten kann man durch die Perforationen in den Himmel schauen. Die im Apartment verwendeten Materialien sollen ehrlich und qualitätvoll wirken. Firm architects haben den alten Dachboden für den Bewohner in einen Ort der eigenen Entfaltung verwandelt und dabei zugleich die Geschichte des Hauses bewahrt.

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Projektinfos
Projektname Loft 102d
Entwurf Firm architects, Amsterdam
Ort De Pijp, Amsterdam
Fläche 94 Quadratmeter
Fertigstellung April 2021
Links

Entwurf

Firm architects

firmarchitects.com

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