Stories

Designers’ Saturday: Unternehmen für alle Sinne

von Stephan Burkoff, 14.11.2012


Der Designers Saturday im schweizerischen 10.000-Seelen-Ort Langenthal hat aufs Neue sein stimmiges Konzept bewiesen. 77 Aussteller aus der internationalen Architektur- und Designszene haben im Langenthaler Mühlenhof und den Produktionshallen der Gastgeberfirmen Création Baumann, Girsberger, Glas Trösch, Hector Egger Holzbau und Ruckstuhl ihre kunstvollen Inszenierungen präsentiert. Mit mehr als 17.000 Besuchern darf sich das Festival damit weiterhin zu den interessantesten Branchentreffs des Jahres zählen.


Alle zwei Jahre, an einem Wochenende im November, wird das Schweizer Örtchen Langenthal, etwa eine Autostunde von Zürich und Bern entfernt, zur Pilgerstätte für Designinteressierte und Professionals. An den Standorten fünf lokaler Unternehmen und im örtlichen Designzentrum zeigten sich etablierte Firmen, Designer und Institutionen sowie kleine und unbekanntere Hersteller und sogenannte Cartes Blanches mit Inszenierungen ihrer Produkte und Ideen. Bei der Auswahl der Aussteller beschäftigten den Kurator Sergio Cavero und sein Team nach eigener Aussage vor allem die Frage, welche Projekte dem Besucher noch in vielen Jahren in Erinnerung bleiben würden.

Und tatsächlich, die Installationen der 14.Ausgabe des Designers’ Saturday, haben das Potenzial, in Erinnerung zu bleiben. Insgesamt waren es dabei aber nicht die lauteren Töne, die überzeugten. Erwähnt werden sollten die Gewinner der vier Designers’ Saturday Awards, die am zweiten Tag der Messe gekürt wurden: Sky-Frame, inszeniert von Studio Hannes Wettstein (Gold), der Heizkörperhersteller Runtal und die luftige Präsentation von Anaïde Davoudlarian + Gregory Brunisholz (Silber) und Bronze für eine Installation von Jörg Boner für Schätti Leuchten. Die poetische Installation von Horgenglarus, bei der hängenden hölzernen Sitzflächen durch Spieluhren eine ganz neue Betrachtungsweise bekamen, gehörte ebenso zu den Besonderheiten wie die kaleidoskopisch-grafische Inszenierung der Teppiche von Ruckstuhl.

Gut gewippt ist halb gestrickt


Besonders hervorzuheben sind auch die intelligenten und unterhaltsamen Beiträge aus dem universitären Umfeld, die in Langenthal zu sehen waren. So die Arbeiten der Accademia die Architettura USI im Mühlenhof, wo unter anderem eine Installation von Holzrahmen zu sehen war, in denen sich durch Fäden angetriebene, filigrane Visualisierungen der thermischen Eigenschaften von Wolken bewegten. Oder Arbeiten von Studenten der École cantonal d’art de Lausanne, darunter ein Schaukelstuhl, der bei jedem Wippen an einer über der Sitzfläche schwebenden Strickliesel eine Masche auslöst, so dass beim Schaukeln nebenbei eine Strickmütze entsteht. Nicht minder interessant: eine Vielzahl interessanter Interpretationen eines Schaukelstuhls von Studenten der Züricher Hochschule der Künste.

Erfrischend dabei, wie annähernd gleichwertig das Niveau der ausgestellten Exponate und deren Einbettung in das jeweilige Gestaltungskonzept der Ausstellungsorte war. Nur wenige Ausreißer trübten das Vergnügen. Vor allem die bekannten Hersteller und Marken fielen eher durch Einfallslosigkeit und die Wiederverwertung abgenutzter Inszenierungen auf. Es würde dem Designers’ Saturday gut zu Gesicht stehen, wenn sich auch die ganz Großen, als Wertschätzung für die Aufnahme in die Ausstellerliste, etwas kreativer zeigen würden.

Relevant und interessant


Die gastgebenden Unternehmen wiederum traten zuweilen sehr in den Hintergrund und überließen den Inszenierungen der Gäste ganz die Bühne. Dabei zeigte sich, dass Marketingkommunikation eben zunehmend über das Erzählen von Geschichten funktioniert. Ob in Form der vorwiegend hängenden und schwebenden Objekte bei Création Baumann, der illuminierten Szenerien bei Girsberger oder der abwechslungsreichen Settings bei Glas Trösch. Insofern liegt der Designers’ Saturday mit seinem Konzept mehr denn je auf der Höhe der Zeit. Zum einen, weil er auf charmante Weise die Welt einer kuratierten Messe mit intelligenter Marketingkommunikation zusammenführt, zum anderen, weil es ihm dabei gelingt, ein Format zu schaffen, dass fast durchgehend relevant und interessant ist.

Beeindruckend auch die hervorragende Organisation und das Engagement der gastgebenden Unternehmen. Schließlich wurden ganze Produktionshallen, Lager und Nebenflächen in eine gigantische Ausstellung verwandelt. Nicht zu vergessen, dass auch die Maschinen in den Werkshallen größtenteils still standen und somit ein nicht geringer Produktionsausfall zu Buche schlagen dürfte. Wobei dies sicherlich eine Investition ist, die sich lohnt. Denn die Unternehmen und Organisatoren konnten sich über mehr als 17.000 Besucher freuen. Was für die Firmen bedeutet, 17.000 Menschen vor Ort, quasi persönlich, mit dem eigenen Unternehmen bekannt gemacht zu haben. Zu Stoßzeiten überfüllte Busse waren dabei zu verschmerzen.

Zumal dafür neben den inspirierenden Eindrücken der eigentlichen Schau des Designers´ Saturday auch interessante Einblicke in die jeweiligen Produktionsprozesse und Lager der unterschiedlichen gastgebenden Firmen geboten werden. Ob ratternde Webstühle bei Création Baumann, überdimensionale Glasverarbeitungsanlagen bei Glas Trösch, eine endlose Vielfalt an Stoffen und Garnen bei Ruckstuhl, die beeindruckend großen freitragenden, hölzerne Produktionshalle bei Hector Egger oder die atmosphärischen Räume bei Girsberger – Unternehmen für alle Sinne. Das Erfolgsrezept des Designers’ Saturday ist somit schnell erklärt. Es ist ein so einfaches wie einzigartiges Zusammenspiel von fünf Unternehmen, die nicht nur den Standort teilen, sondern auch einen gemeinsamen Nenner finden, wenn es um Qualität, Ästhetik und Anspruch geht. Auf ein Wiedersehen in Langenthal. In zwei Jahren.
Information

Designers´ Saturday

www.designerssaturday.ch

Mehr Stories

Textilien, Teppiche und Tapeten

Wohnratgeber über schnelle Raumverwandler

Die Kunst der Isolation

Mikroarchitekturen als Orte der Inspiration

Stiefkind mit Potential

Warum wird der Durchschnittsbalkon von Designern vernachlässigt?