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MUJI - Weniger ist mehr

von Katrin Schamun, 24.05.2007

Sobald man ein Geschäft von Muji betritt, ist es zu spät. Alles muss berührt, angefasst und probiert werden, weil es einfach so schön und schlicht ist. Mit seiner klaren Formensprache hat das japanische Unternehmen längst Kultstatus erreicht. Das Design ist pur, elegant und zeitlos, seine Produkte zweckmäßig und dabei sogar erschwinglich.
Muji ist die Kurzform von Mujirushi Ryohin, was übersetzt soviel bedeutet wie: „Keine Marke, gute Produkte“. Gegründet wurde Muji 1980 in Japan als Hausmarke der riesigen Warenhauskette Seiyu. Die preiswerte und qualitativ hochwertige neue Produktlinie war eine Antwort auf die Label-Manie der Japaner. Das Konzept ging auf. Bereits vier Jahre später expandierte das Muji Netzwerk, das bis heute auf eine stolze Anzahl von 305 Läden angewachsen ist. 1991 kam Muji nach Europa und eröffnete in London seine erste Filiale. Auch bei den Europäern funktioniert das Minimalismus-Konzept prächtig. Zu den aktuell 34 Niederlassungen in Frankreich, Italien, Schweden, Irland, England und Deutschland, sollen in der nächsten Zeit weitere hinzu kommen.
Was ist so reizvoll an Muji?
Filialen von Muji gibt es überall auf der Welt. Meist findet man sie in den Innenstädten großer Metropolen, doch springen ihre Läden dem Vorbeigehenden nicht direkt ins Auge. Entweder man entdeckt sie eher zufällig oder man weiß genau, wo sie zu finden sind. Zurückhaltung und Funktionalität bestimmen auch die Ladenpräsentation, die hell, übersichtlich und aufgeräumt ist und die Aufmerksamkeit auf das Produkt lenkt. Der Kunde behält dabei den Überblick. An den weiß gestrichenen Wänden stehen Stahlregale, mal gefüllt mit exakt ausgerichteten Aktenordnern aus brauner, ungefärbter Presspappe, mal mit aufgereihten weißen Tassen in eleganter Form, oder anthrazitfarbenen Handtüchern, die ordentlich übereinander gestapelt sind. Alle Produkte sind ohne jegliches Dekor, ohne Schnörkel oder Muster. Über 7.000 Produkte für fast jeden Lebensbereich von Haushalt, Kleidung über Kosmetika und Möbel, bis hin zu Schreibwaren und Elektronikartikel sind im Angebot.
Was haben Jasper Morrison, Sam Hecht, Naoto Fukasawa und Konstantin Grcic gemeinsam?
Namhafte Designer arbeiten für das japanische Unternehmen, allerdings anonym, so dass bei jedem Produkt unklar bleibt, wer es entworfen hat. Lediglich das pure, schöne Design und die Nützlichkeit sollen den Kunden überzeugen, nicht dagegen bekannte Namen. Bei Muji geht es um das konkrete Produkt. Die eigentliche Idee des Designs ist das Weglassen, die Reduzierung auf das Wesentliche. „Laute“ Vorbilder liefert der Markt genug, bei Muji werden sie auf einfache Formen gebracht und das Farbspektrum stark reduziert.
Zum Konzept des Unternehmens gehört aber auch, dass jedes Erzeugnis ökologisch und Ressourcen schonend hergestellt wird und die verwendeten Materialien in ihrer Natürlichkeit belassen bleiben. Beispielsweise sind sämtliche Büro- und Schreibwarenartikel aus ungebleichtem Papier hergestellt, das seinen natürlichen Farbton und seine Struktur behält. Dasselbe gilt auch für Kleidung, die aus naturnahen Stoffen produziert werden. Auf Kolorierung wird nahezu verzichtet, das Material spricht für sich. Umweltbewusst zeigt sich Muji auch in der Verpackung seiner Produkte, die meist in transparentes Zellophan gehüllt im Laden liegen und lediglich mit Produktinformationen und Preisschild versehen sind. Gekauftes wird in simple, mit dem roten Logo bedruckte Tüten aus Recycling-Papier verpackt.
Ein Produkt steht für Muji
Ein typischer und sehr erfolgreicher Artikel ist der lichtgraue, an der Wand zu montierte Wall Mounted CD-Player, eine Reminiszenz an das japanische Transistorradio der 1960er ist. Das von Naoto Fukasawa entworfene Abspielgerät steht mit seiner Einfachheit im starken Kontrast zu denen der Elektronikindustrie, die mit diversen Funktionen ausgestattet nur über eine Unzahl von Knöpfen zu regeln sind. Er ist wie fast alle audivisioellen Geräte von Muji mit Designpreisen ausgezeichnet und erhielt beispielsweise 2002 den Gold-Award vom Industrie Forum Design in Hannover. Und im Museum auf Modern Art in New York oder im Londoner Victoria & Albert Museum werden sie nicht nur verkauft, sondern auch ausgestellt.
Muji ist Kult
Muji zu kaufen, gilt längst nicht mehr nur als Kult, sondern als ein Statement. Wer sich für das minimalistische ohnehin unverwechselbare Design entscheidet, trifft eine Aussage darüber, dass er nicht nach Mode und Marke, sondern nach Gestaltungsprinzipien und Funktionalität wählt. Die Strategie die exklusive japanisch-minimalistische Ästhetik in universelles Produktdesign umzusetzen, hat mit großem Erfolg weltweit funktioniert. So gut, dass Muji, die Nichtmarke, mittlerweile selbst zum Label avanciert ist.
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