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Nester mit Laptop Anschluss

von Norman Kietzmann und May-Britt Frank, 30.10.2006


Man kann schon von einer neuen Gemütlichkeit sprechen, die ab sofort unsere Arbeitswelt bestimmen wird. Wohin man sich auf der Messe auch wendete, dominierte Holz das Geschehen, das überwiegend als hochwertiges Oberflächenmaterial präsentiert wurde, gemixt mit Accessoires aus dunklem Leder. Gesetzt wurde damit eine deutliche Zäsur zu den hellen weißen Büros der vergangenen Jahre, die vor allem in den Geschäftsräumen der New Economy sehr beliebt waren. Die Branche setzt damit wieder auf bleibende Werte und scheut sich auch nicht vor dunklen, schweren Eichenmöbeln. Auch Tropenhölzer wie Teak sind zurück und rufen unweigerlich manche Erinnerung an die 70er Jahre wach.
Rustikales „Plug and Play“
Dennoch, der mitunter rustikale Schein trügt. Hinter der Natur belassenen Holzoberfläche verbirgt sich allerhand Hightech, das allerdings nur dann zum Vorschein kommt, wenn es wirklich gebraucht wird. Beamer beispielsweise werden beim süddeutschen Unternehmen Holzmedia in nahezu unsichtbaren, leicht zugänglichen Medienleisten platziert. Die notwendigen Kabelschächte verlaufen in Kanälen in und unterhalb der Konferenztische. Während der Präsentation klappt eine bündig in die Tischplatte eingelassene Klappe nach oben. Über ein Spiegelsystem wirft der integrierte Beamer Projektionen an die Videowand. Zahlreiche Hersteller präsentierten auch Flachbildschirme, die komplett in das Konferenz- oder Tischsystem abgesenkt werden können sowie ausfahrbare Konsolen mit Anschlüssen für Internet und Stromversorgung. Das Bremer Unternehmen Raumplus integrierte einen hauchdünnen LCD-Bildschirm sogar in eine verspiegelte Schiebetüre eines Trennwandsystems. Ist das Gerät abgeschaltet, bleibt es unsichtbar.
Die Integration der Hightech-Geräte in klassisch gestaltete Möbel wirkt besonders unerwartet und weckt Erinnerungen an manchen alten James Bond Film, wo Bösewichte wie Goldfinger oder Dr. No ihre kleinen technischen Spielzeuge aus Omas alter Kommode hervorzaubern konnten.
Altes Design im Holzgewand
Auffällig ist zudem, dass einige Hersteller ältere Produktlinien, durch Holzeditionen „aufgefrischt“ haben. Das italienische Unternehmen Unifor stellte beispielsweise eine weitere Variante der Tischserie „Less“ von Jean Nouvel vor. Ursprünglich ganz aus Aluminium gefertigt, erhielt die neue Edition eine eingelassene Tischplatte aus Holz. Und auch Hadi Teheranis Hightech-Stuhl „Silver“ von Interstuhl ist ab sofort in einer Version aus verschiedenen Holzfurnieren erhältlich.
Arbeitswelt Wohnen – Wohnwelt Arbeit
Zwei weitere Themen spielten auf der Orgatec ebenfalls eine große Rolle: Die Verbesserung der Kommunikation im offen gestalteten Büro und die Möglichkeit sich darin zurückzuziehen. Das Büro entwickelt sich zunehmend zu einem Ort des Austausches, in dem ein Team zusammenarbeitet und Synergien bündelt. Gleichzeitig benötigen die einzelnen Mitarbeiter für bestimmte Aufgaben viel Ruhe und Konzentration. Die Bürosysteme sind daher einerseits offen gehalten und bauen keine räumliche Trennung unter den Mitarbeitern auf. Andererseits schaffen gemütliche Sitzecken und kleine Raum-im-Raum Konstellationen Möglichkeiten für weniger formelle Gespräche oder ruhigere Arbeitsplätze. Das Sofa „Alcove“ der Brüder Bouroullec für Vitra filtert mit seiner überlangen Rückenlehne, die auch beide Seiten abdeckt, die Geräusche im Office ab und schafft gleichzeitig eine visuelle Trennung. Stellt man zwei Sofas gegenüber, ergibt sich sogar ein kleiner privater Raum mit Loungecharakter. Ein weiterer Bürostuhlentwurf der Boroullecs, wirkt absolut schallschluckend, wenn man den Kopf nach hinten in die Kopfmuschel senkt. Richtet man seine Sitzposition nach vorne auf, ist man wieder mitten im Geschehen. Die Art und Weise das Produkt zu benutzen, bestimmt hier darüber, ob es kommunikativ oder isolierend sein soll.
Wie sieht also die Zukunft des Büros aus? Aus Sicht des Designs führt der Weg erst einmal zurück in die Vergangenheit, in eine Zeit vor Ikea und Co., als solide Holzmöbel bleibende Werte schufen. Neben gesicherten Umsätzen aus den Reihen des konservativen Klientel, ist es gerade die jüngere Generation, die wieder gefallen an den vergangenen Symbolen finden könnte anstatt in eine Zukunft zu blicken, die heute so unsicher und Angst einflößend skizziert wird. Da kommen kuschelige Nester doch gerade wie gerufen.

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