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OLED - Die Beleuchtung von Morgen

von Katrin Schamun, 04.04.2007

Wir schreiben das Jahr 2030, es ist Herbst und draußen zeigt sich das Wetter von seiner trübsten Seite. Man möchte seine Wohnung heute gar nicht verlassen, sondern die Fenster lieber mit den hell leuchtenden Vorhängen zuziehen und diese so programmieren, das sie den Ausblick einer sonnigen Herbstlandschaft imitieren. In der Zukunft werden wir unsere eigenen vier Wände nach Lust und Laune erstrahlen lassen können, mit bunten Mustern oder Landschaftsbildern – je nach Anlass und Stimmung. Möglich machen dies Organische Leuchtdioden, so genannte OLEDs, die als zukunftsweisend in der Lichtbranche gelten. Laut Wissenschaftlern wird diese neue Lichttechnologie das Leuchten- und Wohndesign revolutionieren. Statt Leuchten, die von der Decke hängen, werden in Zukunft auch Tapeten unsere Räume erhellen. Mittels Fernbedienung können diese sogar ihre Farbe und Muster ändern und den Raum in unterschiedlichste Stimmungen versetzen.
Der Anfang der OLED
Als Mitte der 80er Jahre Forscher von Kodak erstmals eine OLED (abgekürzt für Organic Light Emitting Device) aus kleinen Molekülen fabrizierten, nahm deren Entwicklung einen zügigen Lauf. Nach den bescheidenen Anfängen gelang es schließlich OLEDs aus komplexeren langkettigen Molekülverbindungen herzustellen, den sogenannten Polymeren. Mittlerweile sind zahlreiche organische Materialien bekannt, die beim Anlegen einer Spannung leuchten. Ob grün, gelb, rot oder blau – alle Farben sind möglich. OLEDs haben mit herkömmlichen Leuchtkörpern nichts mehr gemeinsam, denn ihr Licht wird gleichmäßig über eine leuchtende Fläche abgegeben. Dieser Effekt ist durch folgendes Konstruktionsprinzip realisierbar: Eine circa 100 Nanometer dünne Schicht aus Indium-Zinn-Oxid wird als Anode auf ein Substrat aufgetragen und direkt darüber eine organische Leuchtschicht - das Kernstück des neuartigen Leuchtprinzip – die tausendmal dünner ist als menschliches Haar. Bei angelegter elektrischer Spannung entwickelt sie eine sehr hohe Leuchtkraft. Über diese Schichten wird eine Katode aus Metall gelegt und durch Verdampfung mittels eines Elektronenstrahls zu einem weniger als einen Millimeter dünnen Belag verschmolzen. Durch die geringe Stärke bleibt der Leuchtkörper selbst flexibel und sein gestreutes Licht blend und schattenfrei.
Anwendungsbereiche heute und morgen
OLEDs gehören seit langem in unserem Alltag: Als Display, eine Leuchtfläche, die in kleine, einzeln ansteuerbare Segmente gegliedert ist und in Mobiltelefonen, Digitalkameras oder Autoradios genutzt wird. Mit hoher Farbbrillanz und schnellen Schaltzeiten liefern sie ein klares und scharfes Bild. Wurde vor wenigen Jahren noch von einem flachen LCD-Fernseher geträumt, ist es heute der OLED-Bildschirm, der dünn wie Papier ist und sich wie ein Rollo handhaben lässt.
Doch die Wissenschaftler gehen noch viel weiter: Auf Grundlage der OLED-Technologie arbeiten sie an leuchtende Tapeten und Fensterscheiben, die sich nachts in flächige Lichtquellen verwandeln. Die unter Stromzufuhr leuchtenden Kunststoffe ermöglichen die Herstellung von Lichtelementen, die als dünne Schichten auf Wände und Glasschreiben angebracht werden können. Allein diese Technologie wird die Beleuchtung und Einrichtung von Wohnräumen grundlegend verändern.
Ein Blick in die Zukunft
Der Lichtkünstler Ingo Maurer verwendet in zwei seiner neuen Objekte die OLED-Technologie und zeigt damit, wie Innenbeleuchtung in der Zukunft aussehen könnte. So lässt er eine leuchtende Wolke aus OLEDs, die in Folie verpackt sind, wellenförmig von der Decke schweben. Die durchsichtige Folie macht die Leuchtzellen gut sichtbar und lässt ihre Ästhetik zur Geltung kommen. Die Transparenz des leuchtenden Kunststoffs und seine Beschaffenheit werden bei Maurers Installationen zum Thema. Das Material lässt er auch in dem Objekt „Coffee Table“ – eine transparente Tischplatte für sich sprechen. Zwischen zwei Glasscheiben liegen die organischen Leuchtdioden und bilden eine Fläche. Bei Anpassung des Raumlichtes verschwindet das Glas vollständig und eine leuchtende Fläche scheint frei im Raum zu schweben. Maurers Installationen zeigen das Wesen der OLED-Technologie: über große Flächen als Lichtquelle zu dienen, die im Gegensatz zur grellen Glühbirne für das menschliche Auge ein angenehmeres diffuses Licht aussendet. Ein weiterer Vorteil ist die Energieeffizienz: Denn OLEDs sparen Energie. Viermal effizienter als herkömmliche Glühlampen setzen sie die eingehende Energie in Licht um. Trotzdem werden sie nicht sofort die herkömmliche Glühbirne ersetzen, da diese im Moment in der Anschaffung viel preiswerter ist. Die Technologie entwächst gerade ihren Kinderschuhen. Bisher gibt es noch einige Hürden zu überwinden, wie die Empfindlichkeit gegenüber Sauerstoff und Wasser sowie ihre geringe Lebensdauer. Auf eine leuchtende Wohnzimmerwand, die sich durch Knopfdruck in eine blühende Landschaft verwandelt, wird man also noch ein paar Jahre warten müssen. Aber soviel ist sicher: Sie wird kommen.
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