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Planungshandbuch für Konferenz- und Kommunikationsräume

von Cordula Vielhauer, 05.06.2008

High-Tech oder Horde? Zwischen diesen Polen bewegt sich unsere Kommunikationskompetenz: Einerseits haben wir in den letzten Jahren eine Vielzahl an elektronischen und digitalen Medien entwickelt, mit der wir uns in der globalisierten Welt austauschen. Andererseits haben wir uns in unseren Empfindungen und Sinneswahrnehmungen vom evolutionären Niveau des Steinzeitmenschen nicht wirklich entfernt. Das direkte Gespräch, die Face-to-Face-Begegnung, ist durch diesen Umstand und trotz rasanten technologischen Fortschritts noch stärker zur wichtigsten Form des Austauschs geworden. Im „Planungshandbuch für Konferenz- und Kommunikationsräume“ der Firma Wilkhahn werden 20 Jahre Erfahrung und Erforschung unterschiedlichster professioneller Kommunikationssituationen zusammengetragen und weiter gegeben. Für fast jede Art der Zusammenkunft – sei es das informelle Vier-Augen-Gespräch oder die öffentliche Konferenz – werden detaillierte Möblierungs- und Ausstattungsvorschläge gemacht.
Identität braucht einen festen Ort
Zu einer der wichtigsten Erkenntnisse im Rahmen der Forschung des Möbelherstellers gehört es, dass „bei aller Virtualisierung der Geschäftsprozesse das Bürogebäude der zentrale Bezugsrahmen von Unternehmen und Organisationen bleibt“. Gewandelt hat sich jedoch die Sinngebung des Gebäudes: Vorbei sind die Zeiten endlos scheinender Zellen innerhalb riesiger Großraumbüros, die den Charakter der tayloristischen „Bürofabrik“ prägten. Heutige Büroarbeit ist gesellschaftlich und funktional in der Wissensgesellschaft verortet, in der sich Ordnungen und soziale Beziehungen in differenzierten Räumen abbilden müssen. Die beiden Hauptparameter dieser Räume heißen Konzentration und Kommunikation. Wobei die Autoren davon ausgehen, dass Einzelarbeit auch – dank der elektronischen Medien - an wechselnden Orten stattfinden kann (was als Dauerzustand von Arbeitspsychologen allerdings kritisch gesehen wird), während Kommunikationsprozesse und Identitätsbildung in der Gemeinschaft feste Orte benötigen.
Das kooperative Gebäude
Dabei machen die Autoren vier Designperspektiven zukünftiger Arbeitswelten aus:
- der Gestaltung von Aufgaben, Inhalten und kognitiven Prozessen
- der Informationsperspektive mit der modernen Informations- und Kommunikationstechnik
- der sozialen Perspektive mit ihren Arbeits- und Organisationsformen
- der Architekturperspektive, die Strukturen, Räume und Bewirtschaftung umfasst
Vor diesem Hintergrund entwickeln sie das Konzept des „kooperativen Gebäudes“, das die Wechselwirkungen zwischen realem und virtuellem Raum, Individuum und Gruppe, lokalem und globalem Kontext reflektiert: „Ein kooperatives Gebäude fördert die Interaktionen zwischen den Menschen, indem es abgestimmt auf Kommunikations- und Kooperationsformen unterschiedliche Interaktionslandschaften anbietet.“ Der schlüssigen Integration neuer Medien in Raum- und Einrichtungskonzepte messen sie dabei eine zentrale Bedeutung bei der Unterstützung der Teamprozesse bei.
Planungsanalyse und -matrix
Am Anfang der Planung von Kommunikationsräumen steht daher die genaue Analyse: "Wer bespricht sich mit wem, wie häufig, worüber, aus welchem Anlass und mit welchen Hilfsmitteln?" Aus dieser Fragestellung heraus bieten die Autoren eine Matrix an, die die unterschiedlichen Kommunikationsziele, Organisationsformen, Interaktionen bzw. Medien, den Gesprächs-Charakter, die Anzahl der Teilnehmer die Nutzungshäufigkeit und den Einrichtungsstil abbildet. Je nach Kombination der Parameter ergeben sich verschiedene Einrichtungssituationen, für die sie passende Beispiele liefern. Dabei unterteilen sie die Räume in drei Kategorien:
- Spezifische Räume für Besprechung, Konferenz, Seminar und Workshop
- Integrierte Bereiche für Kommunikation und Kooperation
- Orte für Begegnungen
Flexible Möblierung
Der größte Teil des Fachbuchs ist der detaillierten Präsentation dieser Planungsbeispiele gewidmet. Akribisch haben die Autoren alle relevanten Daten von Arbeits- und Kommunikationsräumen sowie -plätzen zusammengetragen - vom optimalen Sitzabstand über die Ausdehnung unterschiedlichster Platzanordungen bis zur Stapelhöhe verschiedener Freischwinger aus dem Wilkhahn-Programm finden Planer hier eine Fülle von Basismaterial, auf das gezielt zurückgegriffen werden kann. Sämtliche Situationen sind auf über 250 Seiten sowohl zwei- als auch dreidimensional in anschaulichen schwarz-weißen Planungsgrafiken und ergänzt durch Farbfotos dargestellt. Dabei überzeugt nicht nur die enzyklopädischen Charakter annehmende Fülle an Material, die kaum noch Fragen offen lässt, sondern vor allem die absolut stringent, klar und nachvollziehbar gehaltenen Erläuterungen und Vorschläge. Anhand des üppigen Planungslexikons wird auch deutlich, warum die Flexibilität der Möblierung in diesem Planungssegment so eine große Rolle spielt: Nur so lassen sich die differenzierten Gesprächssituation auch räumlich perfekt abbilden bzw. gestalten. Dass die Wilkhahn-Möbel dennoch in keiner Situation einen temporären oder gar provisorischen Charakter aufkommen lassen, liegt an der hohen gestalterischen und Verarbeitungs-Qualität. Mit dieser Kombination aus Flexibilität und Werthaltigkeit setzt die Firma seit Jahren auf die in Bauhaus und Ulmer Hochschule vermittelten Grundsätze. Dass das vorliegende Planungshandbuch zwar von den Grundlagen und -daten her herstellerneutral, bei den Beispielen aber auf Wilkhahn-Produkte ausgerichtet ist, ist vermutlich das einzige, allerdings bei einer Herstellerpublikation systemimmanente Manko dieses Buches.
Planungshandbuch für Konferenz- und Kommunikationsräume
Guido Englich, Burkhard Renners
Birkhäuser Verlag, Basel 2008
304 Seiten, gebunden
59,90 EUR
ISBN-10: 3764386827
ISBN-13: 978-3764386825
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zum Herausgeber

Wilkhahn

www.wilkhahn.de

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