In nur einem Jahrzehnt hat sich Pauline Deltour einen festen Platz in der internationalen Designszene erarbeitet. Rund 180 Entwürfe umfasst ihr Werk – von schlichten Drahtkörben für Alessi über einen ultramobilen Hocker für den deutschen Hersteller COR bis hin zu technisch komplexen Projekten wie einem vernetzten Fahrrad. Die Ausstellung Eine scheinbare Einfachheit (Une apparente simplicité), die am 22. April im frisch renovierten Musée des Arts Décoratifs et du Design (MADD) in Bordeaux eröffnet, zeichnet den Werdegang einer Gestalterin nach, die die Designwelt bis zu ihrem frühen Tod vor fünf Jahren geprägt hat.
Archive als Denkraum
Im Zentrum der Schau stehen umfangreiche Archivbestände aus ihrem Studio: Zeichnungen, Fotografien und Modelle machen Entwurfsprozesse nachvollziehbar und geben Einblick in ihre methodische Arbeitsweise. Geprägt wurde diese unter anderem durch ihre Zeit bei Konstantin Grcic, in dessen Münchener Büro sie mehrere Jahre tätig war. Deltour verstand es, technische Einschränkungen produktiv zu nutzen und in gestalterische Qualitäten zu überführen. Diese Haltung zieht sich wie ein roter Faden durch ihre Projekte.
Globale Kooperationen
Die Ausstellung beleuchtet zudem die internationale Dimension ihres Schaffens. Kooperationen mit Herstellern und Handwerksbetrieben in Deutschland, Italien, Japan, Kolumbien oder den USA verdeutlichen den kulturellen und produktionstechnischen Kontext ihrer Entwürfe. Neben bekannten Arbeiten sind auch zahlreiche bislang unveröffentlichte Objekte sowie eigens für die Präsentation entwickelte Stücke zu sehen, die einen unmittelbaren Zugang zu ihren Denk- und Herstellungsprozessen ermöglichen.
Dass die Retrospektive in dieser Form realisiert werden kann, ist auch der engen Zusammenarbeit mit Unternehmen wie COR zu verdanken, die das Ausstellungsprojekt unterstützen. Die Partnerschaft mit dem ostwestfälischen Möbelhersteller begann 2016 im Rahmen des Projekts COR Lab. Pauline Deltour entwarf den Hocker Drop, die Kollektion Floater und die Sitzmöbel der Noto-Serie, die das kollaborative Arbeiten im Büro der neuen Zeit reflektierten und französische Eleganz mit deutschen Prinzipien guter Form vereinten. Die Produkte werden ebenfalls in Bordeaux gezeigt.
Publikation und Inszenierung
Begleitend erscheint eine monografische Publikation mit Beiträgen mehrerer Kurator*innen. Die Szenografie, entwickelt von Caroline Perret in Zusammenarbeit mit Konstantin Grcic, übersetzt Deltours klare Gestaltungshaltung in den Raum und schafft eine ruhige, atmosphärische Inszenierung. So entsteht ein vielschichtiges Porträt einer Designerin, deren scheinbare Einfachheit auf präziser Analyse und konsequenter Reduktion beruht.
Pauline Deltour, une apparente simplicité
22.04. bis 21.09.2026
MADD Bordeaux – Musée des Arts Décoratifs et du Design
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