Melange aus Form und Farbe
Neugestaltung einer Dreißigerjahre-Villa bei Wien von Martina Hausel
Bei der Gestaltung der Innenräume einer Villa aus den Dreißigerjahren in der Nähe von Wien kombinierte die Interiordesignerin Martina Hausel Vintage-Möbel, moderne Designstücke und ausgewählte Kunstobjekte. Abgegrenzte Raumzonen und farblich abgestimmte Ensembles gliedern den offenen Grundriss.
Nach der Kernsanierung ihres in die Jahre gekommenen Elternhauses – eine Altbauvilla südlich von Wien – hatte die Bauherrin das Gebäude der Interiordesignerin Martina Hausel wie eine leere Leinwand anvertraut. Mit großer gestalterischer Freiheit und dank ihres sensiblen Umgangs mit dem Bestand gelang es der Designerin, einzelne Bereiche zu schaffen, die eine eigene Identität haben und sich zugleich als Gesamtkonzept zu erkennen geben.
Gliederung statt Weitläufigkeit
Wie formt man separate Räume mit klarer Zuordnung, ohne trennende Wände zu setzen? Das Erdgeschoss empfand die Bauherrin nach der Sanierung als zu offen und wenig wohnlich. Statt der Weitläufigkeit der ineinander übergehenden Flächen, sollten einzelne Raumzonen mit eigener Funktion und Atmosphäre gestaltet werden. Diese Zonierung ist aus der Mitte heraus entstanden statt nur über den gebauten Rahmen aus Boden, Wänden und Decke. Martina Hausel hat Möbel, Beleuchtung, Teppiche und Kunstwerke gruppiert und damit aufeinander abgestimmte Szenen des Wohnens geschaffen, die mal gemeinschaftliches Beisammensein, mal Ruhe und Rückzug ermöglichen.
Belebende Farbkontraste
Im Rahmen der Kernsanierung hatten die Architekt*innen vom Büro junger_beer die bauzeittypisch eher geschlossene Villa mit einem wintergartenähnlichen Anbau ergänzt, der Ausblicke in die umgebende Landschaft und die Ausläufer des Wienerwalds bietet. Die Fassade dieser Erweiterung – wenngleich großteils verglast – war als dunkelgrüne Holzverschalung vorgesehen. Auf Bestreben der Bauherrin hin wurde die vertikale Boden-Deckel-Schalung nicht einfarbig ausgeführt, sondern in Kombination mit einem zarten Rosé. Diese lebendige und facettenreiche Wahl stand Vorbild für das Farbkonzept der Innenräume. Grün-, Rosé- und Violetttöne sind im Vordergrund bei Möbeln, Stoffen und Dekor – vom Einbauschrank bis zur Sitznische, vom Teppich bis zum Barhocker. Auch die eigens für das Projekt erworbenen Kunstwerke, wie das Stiefelgemälde im Wohnbereich, wurden von Martina Hausel kuratiert und fügen sich in das Gestaltungskonzept ein.
Materialien im Gegensatz
Neben kontrastierende Farben setzt das Interior auch unterschiedliche Materialoberflächen und Texturen in einen spannungsreichen Zusammenhang. Die Art-déco-Sessel von Jindřich Halabala mit geschwungenen Holzarmlehnen erhielten einen neuen, stark strukturierten Bezug in Bordeauxrot. Sie ergänzen ein Ensemble aus Sofa mit feinem Leinenbezug sowie Tischen aus Glas und glattem Naturstein. Das von der Designerin selbst entworfene Sideboard fügt filigrane Strukturen aus Wiener Geflecht hinzu. Zeitgenössische Möbel, Vintage-Stücke und Maßanfertigungen verbindet sie zu einem persönlichen und nicht alltäglichen Ganzen, das dem alten Haus wie auch dem Wunsch der Bauherrin nach „ein bissl Schrägem“ gerecht wird.
Opulenz vor neutraler Kulisse
Martina Hausel hat die leere Leinwand in ein farblich und haptisch anregendes Wohnerlebnis verwandelt. Die opulente Vielfalt aus Material und Farbe ist aufgrund des neutralen Hintergrunds besonders effektvoll: Die kühlen, reduzierten Architekturflächen aus weißen Wänden und Küchenfronten, poliertem Estrichboden und schwarz lackierter Stahlstütze, Kaminumrandung und Fensterprofilen bilden den idealen Kontext für das ungezwungene Zusammenspiel aus alt und neu, glatt und rau, hell und dunkel.
FOTOGRAFIE Tomo Yarmush Tomo Yarmush
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