Stille Monumentalität
Wohnhaus mit Meerblick auf Formentera von Marià Castelló
Dieses Haus sieht so aus, wie man sich ein Wohnhaus auf einer Insel vorstellt: in Alleinlage und mit frontalem Blick auf das Mittelmeer. Marià Castelló hat auf Formentera ein kubisches Gebäude ganz in Weiß entworfen, das den örtlichen Traditionen huldigt und zudem ressourcenschonend gebaut ist.
Formentera ist die weniger bekannte Schwesterinsel von Ibiza, von wo man mit der Fähre anreist. Lange Strände, Dünen und Pinienwälder prägen die Landschaft, das Leben ist meist noch beschaulich. Vor über zwanzig Jahren gründete Marià Castelló hier sein eigenes Büro. Er setzt Projekte um, die Architektur und Landschaft miteinander verzahnen. Der Reichtum der Natur und das bauliche Erbe der Baleareninsel seien essenziell für seine Arbeit, sagt Castelló.
Licht und Schatten
Das Haus befindet sich im Südosten von Formentera auf einer Landenge, deren Topographie durch ein bewegtes Wechselspiel von Erhebungen und Vertiefungen geprägt ist. Zwischen Pinienwäldern und landwirtschaftlichen Flächen in Ses Clotades gelegen, wirkt das weiß getünchte Haus zugleich schlicht und monumental. Insgesamt drei Baukörper ruhen auf einem massivem Betonsockel, der auch als ästhetisches Element dient: zwei unterschiedlich hohe Volumen, in denen sich die Wohnbereiche befinden, sowie ein dritter Baukörper, der sich in die Erde einfügt und dort zum Wasserreservoir wird. Mehrere Innenhöfe lockern den Entwurf auf und schaffen ein Spiel aus Licht und Schatten.
Kuben, Höfe & Terrassen
Der höchste Baukörper fungiert als eigenständige Einheit, deren Erdgeschoss als Open Space gestaltet ist. Er birgt Küche, Wohn- und Esszimmer, die sparsam möbliert sind. Verschiedene Terrassen schaffen eine Verbindung zum Außenraum, der im Süden Europas traditionell eine wichtige Rolle im Alltag spielt. Das Obergeschoss ist dem Master Bedroom vorbehalten, einem privaten Rückzugsort mit eigenem Ankleide- und Badezimmer. Highlight des Gebäudes ist aber zweifellos das Sonnendeck auf dem Dach, das als Aussichtspunkt gestaltet wurde und von dem man bis nach Ibiza blicken kann.
Zur großen Wohneinheit gesellt sich ein zweiter Kubus, der kompakter gehalten und unabhängig vom Haupthaus ist, sodass er gut Gäste beherbergen kann. Dort sind jeweils drei Schlafzimmer samt eigenem Bad sowie ein Gäste-WC untergebracht.Beide Baukörper werden durch eine einstöckige Halle verbunden, die als multifunktionaler Raum gedacht ist und gleichzeitig als Eingangsbereich dient. Eine großflächige Verglasung lässt viel Licht hinein, sodass der Raum je nach Jahreszeit immer wieder anders wirkt. Während sich neben dem kleineren Baukörper eine unauffällig in das Erdreich eingelassene Garage und eine Zisterne befinden, verfügt das Haupthaus über einen rechteckigen Swimmingpool, der die Geradlinigkeit der Architektur widerspiegelt, ebenso wie die mit Holz beplankte Terrasse.
Ressourcen schonen
Historisch gesehen war der Umgang mit natürlichen Ressourcen auf der Baleareninsel seit jeher eine Herausforderung. Das betrifft vor allem den Umgang mit Wasser, das auf Formentera ein rares Gut ist. Die Architekt*innen haben deshalb eine Zisterne installiert, in die das Wasser geleitet wird, das zuvor durch Auffangsysteme auf sämtlichen Dachterrassen gesammelt wurde. Damit wird eine autonome Wasserversorgung des Hauses gewährleistet.Auf dem Dach des niedrigeren Baukörpers wurde zudem eine Photovoltaikanlage installiert, während die Verbindungshalle im Winter als solarer Wärmekollektor nach dem Prinzip eines Gewächshauses funktioniert, der die gewonnene Wärme an die übrigen Bereiche des Hauses weitergibt. Im Sommer wird aus dem Flachbau bei geöffneten Schiebetüren eine gut durchlüftete Veranda. Auch die Gebäudehülle wurde nach energieeffizienten Kriterien konzipiert: So ermöglichen eine aufgespritzte natürliche Korkdämmung und ein Kalkbindemittel eine optimale Atmungsaktivität der Konstruktion und sorgen zugleich für einen geringen ökologischen Fußabdruck.
Strenge Architektur versus warmes Interior
Die Innenräume des Hauses sind reduziert gehalten – in Weißtönen und mit wenigen natürlichen Materialien wie Holz oder Naturstein. Maßgefertigte Möbeleinbauten sorgen für ein ruhiges, aufgeräumtes Erscheinungsbild. Das Interieur ist in Zusammenarbeit mit der ortsansässigen Künstlerin Elena Vinyàrskaya entstanden. Sie hat durch eigene Kunstwerke, Textilien und Accessoires wie Keramikobjekte viel Wärme ins Haus gebracht, was einen reizvollen Kontrast zur strengen Architektur ergibt und mit der umgebenden Landschaft korrespondiert. Auch einige Möbelstücke aus der von Marià Castelló für den spanischen Hersteller Diabla entwickelten Kollektion D12 finden sich in den Wohnräumen. Hinzu kommen ikonische Leuchten von Santa & Cole und Gubi, die einen Vintage-Touch schaffen.
FOTOGRAFIE Marià Castelló
Marià Castelló
| Projektname | Ses Clotades |
| Entwurf | Marià Castelló & Lorena Ruzafa |
| Designteam | Lorena Ruzafa, Marga Ferrer & Natàlia Castellà |
| Ort | Ses Clotades, Formentera |
| Fläche | 295 Quadratmeter |
| Fertigstellung | 2025 |
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