Platte mit Potenzial
Umbau eines Berliner Apartments durch Werck Workshop
Die verschachtelte Wohnung eines Ostberliner Plattenbaus verwandelten die Architekt*innen von Werck Workshop in ein helles Loft mit viel Beton, Fliesen und hölzernen Schiebetüren. Inspirationen für ihr Projekt namens „Oase“ fanden sie im Bestand – und in Brasilien.
Einst dienten sie als Bollwerk gegen den Kapitalismus, die Plattenbauten entlang der Leipziger Straße in Berlin-Mitte. Mit bis zu 25 Stockwerken überrundeten die Hochhäuser selbst Axel Springers Verlagsgebäude jenseits des Grenzstreifens und verdeckten Leuchtreklamen aus dem Westen. Die Wohnungen waren zu ihrer Entstehungszeit Mitte der Siebzigerjahre extrem beliebt, bedeuteten sie doch gegenüber Altbauten mit Kohleofen und Außentoilette deutlich mehr Komfort. Heute befinden sich darin unter anderem begehrte Eigentumswohnungen. Der weite Blick begeistert. Er war für Nora Noack und Samuel Barckhausen der Ausgangspunkt für den Umbau eines verschachtelten 75-Quadratmeter-Apartments zu einem großzügigen Loft, das den Projektnamen Oase völlig zurecht trägt.
Licht und Weite
Für den Umbau dachten die Architekt*innen vom Dresdner Büro Werck Workshop den Grundriss komplett neu. Sie befreiten die Dreizimmerwohnung von ihrer kleinteiligen Gliederung mit innenliegendem Flur und fensterloser Küche. Die Fenster vergrößerten sie zu bodentiefen Öffnungen hin zum schmalen Balkon, die nun die Räume mit Tageslicht fluten und einen einzigartigen Ausblick auf die Berliner Skyline bieten.
Die neue Aufteilung sieht ein geräumiges Wohnzimmer mit offener Küche sowie ein etwa halb so großes Schlafzimmer mit angeschlossenem Bad vor. Möglich wird dies durch einen funktionalen Kern, der neben den Küchenanschlüssen auch die Anbindung an den Bad-Heizkörper integriert. In der Höhe gestaffelte Einbauten gliedern den Eingangsbereich und schaffen Stauraum.
Architektonisches Erbe
Sehr genau befasste sich Werck Workshop mit der Geschichte des Plattenbaus. Die Architekt*innen studierten die Betonreliefs des Dresdner Künstlers Friedrich Kracht an der Fassade neben der Haustür. Als Antwort darauf entwarfen sie den Innenraum ihres Projekts Oase als Rundlauf, der sich durch Schiebetüren aus geölter Kirsche flexibel gliedern lässt. Die Wahl des Holzes orientiert sich an den bauzeitlichen Schränken, die an die innenliegende Wand verlegt wurden und auf Wunsch hinter Vorhängen verschwinden. Die geflieste Sitzbank im Wohnzimmer bildet einen Kontrast zu grauen Betonwänden und korrespondiert in ihren Pastellfarben mit der gegenüberliegenden mintgrünen Küche.
Tropisches Vorbild
Inspiration für das Berliner Projekt Oase zog das Team von Werck Workshop aus dem ikonischen Edifício Jaraguá in São Paulo. Erbaut in den Achtzigerjahren von Paulo Mendes da Rocha, zeichnen sich die Wohnungen in der modernistischen Ikone durch offene Grundrisse aus, die durch unterschiedliche Ebenen gegliedert sind. Großzügige Balkone stellen einen Bezug zur Umgebung her. Wer dort wohnt, hat einen weiten Blick über die Stadt und fühlt sich trotzdem nicht exponiert.
Dieses Lebensgefühl hat Werck Workshop nach Berlin exportiert. Der Umbau legt die Stärken des sozialistischen Bauerbes frei. Die Architekt*innen fanden robuste Tragstrukturen und großzügige Proportionen vor, die sich leicht an moderne Ansprüche anpassen und durch eine vielseitige Materialpalette aufwerten ließen. So haben sie der Platte von damals zu mehr Akzeptanz verholfen.
FOTOGRAFIE Till Schuster Till Schuster
| Projektname | Oase | |
| Entwurf | Werck Workshop mit Hauptstadt-Studio.Berlin (Lukas Beer) | |
| Bauherr | privat | |
| Ort | Leipziger Straße 48, Berlin | |
| Fläche | 75 Quadratmeter | |
| Fertigstellung | Januar 2026 | |
| Umbaukosten | 1.060 € / Quadratmeter (inklusive Fassade) | |
| Tischlerarbeiten | Eder Berlin | |
| Materialien | Aluminium, Linoleum, Amerikanische-Kirsche, Feinstein | |
| Produkte | Schalter: JUNG | |
| Fliesen: Villeroy & Boch | ||
| Leuchte: Sammode |
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