Salbeigrün in Florenz
Sanierung einer historischen Villa in Florenz von bucci quentin
Für die Neugestaltung des Wohntrakts einer Villa in Florenz verknüpfte bucci quentin alte und neue Zeitschichten. Das Ergebnis ist eine zurückhaltende Architektur, die gleichzeitig charaktervolle Räume erzeugt und den Garten als selbstverständliche Erweiterung des Wohnraums begreift.
Am Stadtrand von Florenz hat das junge Architekturbüro bucci quentin den 150 Quadratmeter umfassenden Wohnflügel einer historischen Villa renoviert. Die Nachbarschaft zeichnet sich durch großzügige Wohnhäuser, verwunschene alte Gärten und die umgebende Hügellandschaft aus. Zudem prägen das nahe Stibbert Museum mit seiner großen Parkanlage sowie der Garten der Villa Fabbricotti die historische Grünstruktur des Orts. Auch das Grundstück der Villa hat mit einem rund 500 Quadratmeter großen Garten einen parkartigen Charakter. Gleichzeitig ist die Innenstadt mit ihrer dichten urbanen Bebauung nicht weit entfernt. Entsprechend ließen sich die beiden Architektinnen Sara Bucci und Costanza Quentin vom Wechselspiel aus Natur und gebauter Umgebung inspirieren. „Unser Ziel ist es, Räume zu entwerfen, die Geschichten erzählen. Deshalb haben wir uns sehr stark mit dem Vorhandenen beschäftigt, sei es das Licht, die alten Bäume oder die historische Bausubstanz“, sagen sie über das Projekt.
Räumliche Erzählung
Aufgrund der Hanglage thront das Haus über dem von hohen Mauern eingefassten Garten. Es wird vom Nordwesten aus erschlossen. Neben dem Eingang befindet sich eine kleine Orangerie, die ebenfalls von bucci quentin saniert wurde. So strich man etwa die Stahlprofile in einem sanften Salbeigrün, was dem kleinen Bau einen leichten und spielerischen Charakter verleiht. Der Grundriss des Wohntrakts weist eine L-förmige Struktur auf. Betreten wird er über die Wohnküche. Von dort führen skulpturale Stufen aus geschliffenem Beton, dessen Körnung sichtbar bleibt, auf eine eingeschobene Plattform als Entree für den leicht erhöhten Wohn- und Essbereich. Er dient als Verteiler zu den Schlaf- und Badezimmern, die in zwei separaten Flügeln untergebracht sind. Zudem öffnet er sich über hohe Flügeltüren zur 45 Quadratmeter großen Terrasse mit Blick auf den Garten. Weitere Räume wie ein Studio, ein Gästezimmer und eine Waschküche ergänzen das Raumprogramm.
Luftig und lichtdurchflutet
Bei der Sanierung verknüpften die beiden Architektinnen alte und neue Zeitschichten. Der Charakter des Hauses ist immer noch spürbar, zum Beispiel in Form der sichtbaren Holzbalkendecken. Allerdings wurden sie weiß gestrichen, was den Räumen eine luftige und lichtdurchflutete Atmosphäre verleiht. Die Bauherr*innen, ein Paar mit kleiner Tochter, wünschten sich eine ruhige Inneneinrichtung, die den Bestand nicht überlagert. Natürliche Materialien, präzise Details und maßgefertigte Einbauten prägen die zurückhaltende Atmosphäre der Räume. Ein Beispiel ist das durchlaufende Fischgrätparkett aus Eichenholz, das im 90-Grad-Muster verlegt wurde und die Räume optisch miteinander verbindet. Es sorgt überall für eine warme Erdung – als Kontrast zu den weißen Decken und Wänden. Gleichzeitig entsteht so ein fließendes Raumkontinuum.
Subtile Farben und Texturen
Teile des Mobiliars wurden von bucci quentin entworfen und von Handwerker*innen in Florenz und Fiesole gefertigt. Dazu zählt die in Schrankelemente integrierte Klimaanlage im Wohn- und Essbereich oder die maßgeschneiderte Küche aus Eichenholz. Als Kontrast dient ein vier Zentimeter starker Carrara-Canaloni-Marmor, der für die Arbeitsfläche der Küchenzeile und die runde Platte des Küchentischs verwendet wurde. Auch beim Farbkonzept setzten die Architektinnen auf subtile Gegensätze: So sind etwa die Nemea-Stühle von Pedrali für den Küchentisch grün lackiert. Damit greift bucci quentin die Farbgebung des umgebenden Gartens auf und sorgt so für ein Wechselspiel von Innen und Außen.
Dieselbe Farbe verwendete man im Badezimmer. Dort bringt eine grün gestrichene Wand im Duschbereich zusätzliche Frische in den Raum. Zudem sind die Badezimmerschränke mit Eichenholzinterior und der Rahmen des Spiegels grün lackiert. Letzterer wurde mit der kugelförmigen Dioscuri-Leuchte von Artemide bestückt, die sich in allen Bädern wiederfindet. Zudem erzeugen Terrazzo- und Marmorplatten als Ablageflächen subtile Texturen. Die grünen Einbauten, der Terrazzo und die hellen Steinflächen führen die Materiallogik der Wohnräume in kleinerem Maßstab fort. „Das Projekt zeigt, dass die Sanierung eines historischen Hauses weder einen Pastiche noch einen Bruch mit der Geschichte zur Folge haben muss“, erklären die beiden Architektinnen. „Der neue Wohnbereich ist auf eine ruhige Weise zeitgemäß und fügt sich so harmonisch in seine Umgebung ein.“
FOTOGRAFIE Federico Villa Studio Federico Villa Studio
| Projektname: | Arcipressi |
| Entwurf: | bucci quentin |
| Bauherr: | Privat |
| Typologie: | Wohnungsbau |
| Standort: | Florenz |
| Fläche: | 150 Quadratmeter |
| Fertigstellung: | 2026 |
| Sofa: | Pixel von Saba |
| Bücherregal: | K2 von Kriptonite |
| Stühle: | Nemea von Pedrali |
| Leuchten: | Dioscuri von Artemide, In Vitro Wall von Flos, Fortyeight von Targetti |
| Bett: | Eden Soft von Bolzan |
| Sessel: | Panama von Talenti |
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