Alles in Butter
Constanze Ladner kleidet eine Wohnung bei Wiesbaden in sanftes Gelb
Ein Altbauapartment am Wiesbadener Stadtwald wird zur fein austarierten Komposition aus Buttergelb, Spiegeln und textilem Layering. Constanze Ladner zeigt, wie elegant sich historische Substanz weiterschreiben lässt.
Altbauwohnungen erzählen oft von dem, was einmal war: von bürgerlichen Grundrissen, repräsentativen Raumfolgen und einer Zeit, in der selbst Durchgangszimmer großzügig gedacht wurden. Ein Apartment am Rand von Wiesbaden, direkt am Stadtwald gelegen, besaß all diese Qualitäten – und noch mehr. Stuckdecken, Fischgrätparkett, dunkle Türrahmen und originale Einbauten prägten die Räume. Statt den Bestand radikal zu verändern, arbeitete die Interiordesignerin Constanze Ladner mit seinen Eigenheiten weiter. Ihr Entwurf ergänzt Vorhandenes behutsam und entwickelt daraus eine überraschend sanfte, elegante Atmosphäre.
Besonders spürbar wird das in der Farbwelt. Warmes Buttergelb wird in allen Wohnräumen zum verbindenden Motiv. Es taucht in der Küche auf, in maßgefertigten Schränken, hinter Vorhängen und im Schlafzimmer. Die Farbe führt die unterschiedlichen Zimmer zusammen und nimmt den hohen Altbauräumen etwas von ihrer Strenge. Selbst große Einbauten erscheinen dadurch leicht und ruhig.
Stauraum als Teil des Entwurfs
Bestehende Möbelelemente aus einem Haus der 1960er-Jahre fanden ihren Platz in der Altbauwohnung und wurden an die bis zu 3,40 Meter hohen Räume angepasst. Einbauschränke mit einer Gesamtlänge von rund zehn Metern hat Ladner erhöht und mit neuen Fronten versehen. Nun dienen sie als Stauraum für eine Materialbibliothek, Kleidung, Vorräte und vieles mehr.
Das Entscheidende dabei: Das Apartment wirkt trotz der vielen Funktionen nicht überladen. Im Gegenteil. Die raumhohen Einbauten schaffen Ruhe und Ordnung, ohne wuchtig zu erscheinen. Und es bleibt genügend Luft für die wenigen, bewusst gesetzten Möbel. Ein Tulip-Tisch von Eero Saarinen trifft auf Ameisen-Stühle von Fritz Hansen. Dazu kommen dunkle antike Holzmöbel, die den Räumen Gewicht und Tiefe geben. Alte und neue Stücke treten nicht gegeneinander an, sondern ergänzen sich ganz selbstverständlich.
Küche mit Goldspiegel
In der Küche setzt sich dieser Entwurfsgedanke fort. Ausgangspunkt war eine bestehende Ikea-Küche, die Ladner neu interpretiert hat. Buttergelbe Fronten treffen auf eine farblich abgestimmte Arbeitsplatte und doppelt gesetzte Oberschränke. Ein goldfarbener Acrylspiegel fasst die Einbauten optisch zusammen und bringt zusätzlich Licht und Tiefe in den Raum.
Reflektierende Oberflächen und Vorhänge spielen in diesem Projekt eine zentrale Rolle. Raumhohe Spiegel verkleiden bestehende Schranksysteme, dazu kommen kleine verspiegelte Beistelltische von Minotti. Vorhänge verdecken Schränke, aber auch Wände. Sie bringen eine weiche, textile Atmosphäre in die klaren Grundrisse des Altbaus.
Speiseaufzug und Geheimtür
Die stärksten Momente entstehen dort, wo alte Details nicht versteckt, sondern weitergedacht werden. Einen ehemaligen Speiseaufzug hat Constanze Ladner zum Einbauschrank umgewandelt. Eine verdeckte Tür verschwindet in der angrenzenden Schrankfläche und führt ins Schlafzimmer. Solche Details verleihen der Wohnung etwas Spielerisches und leicht Geheimnisvolles.
Auch im kleinen Bad aus dem Jahr 1900 zeigt sich dieser sensible Umgang mit dem Bestand. Die originalen weißen Fliesen mit roten Rauten blieben erhalten. Ergänzt werden sie durch erdige Rottöne an Wänden und Decke, die dem Raum überraschend viel Tiefe geben. Ein angrenzender Flur mit einer Tapete im Colony-Stil und farblich abgestimmtem Teppich führt beide Bereiche visuell zusammen.
Farbe, Material und Atmosphäre
Dass die Interiordesignerin Constanze Ladner ursprünglich aus der Mode kommt, zeigt sich in ihrem feinen Gespür für Materialien, Farbtöne und textile Ebenen, die auch dieses Apartment prägen. Vor allem aber verdeutlicht das Projekt, wie selbstverständlich sich historische Substanz und zeitgenössisches Wohnen verbinden lassen. Der Altbau bleibt, wie er ist – mit all seinen Spuren, Unebenheiten und Eigenheiten. Doch jede Schwere scheint verschwunden. Stattdessen ist ein Zuhause entstanden, das weich, ruhig und erstaunlich leicht wirkt.
FOTOGRAFIE Robert Rieger
Robert Rieger
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