Wohnen in der Beletage
Umbau einer Altbauwohnung in Charlottenburg von Batek Architekten
In Berlin-Charlottenburg haben Batek Architekten eine 170 Quadratmeter große Altbauwohnung für ein Paar umgebaut und auf seine Bedürfnisse zugeschnitten. Das Gestaltungskonzept verbindet subtile Farb- und Materialkombinationen mit maßgefertigten Einbaumöbeln und einer ausgeklügelten Lichtplanung.
Ursprünglich in der Südpfalz ansässig, sind die Bauherr*innen vor einiger Zeit nach Berlin gezogen. Nachdem sie die meiste Zeit ihres Lebens in einem Einfamilienhaus auf dem Land verbracht hatten, wünschten sie sich für ihren Ruhestand mehr Nähe zu Kunst, Kultur und Cafés. „Ich wollte in Schlappen aus dem Haus direkt zum Bäcker gehen“, erzählt Peter Berlin schmunzelnd, als wir ihn in seiner Wohnung besuchen, die er seit knapp zwei Jahren gemeinsam mit seiner Frau Gisela bewohnt.
Bühne für Klassiker
Die Eigentumswohnung befindet sich in der Beletage eines grau verputzten Altbaus in der Niebuhrstraße in Charlottenburg. Sie hätte sich bei der ersten Besichtigung sofort in die Räumlichkeiten verliebt, erzählt Gisela Berlin – und das, obwohl das Objekt ziemlich heruntergekommen war. Da es ihrem Ehemann genauso erging, war die Entscheidung schnell getroffen: Diese Immobilie sollte es sein und keine andere.
Auch die Entscheidung für Batek Architekten fiel schnell: Den Berlins gefielen die Projekte des ortsansässigen Architekturbüros und persönlich passte es ebenfalls. Man sei sich gleich sympathisch gewesen, sagt Gisela Berlin über das erste Treffen mit Patrick Batek. Bei der Gestaltung ließen Gisela und Peter Berlin den Architekt*innen weitgehend freie Hand. Ihr Wunsch: ein minimalistisches Interior, das die Bühne bereiten sollte für bereits vorhandene Möbelklassiker von Le Corbusier und Gerrit Rietveld sowie Kunstwerke und andere Sammler- und Erinnerungsstücke.
Im Jetzt verankert
Nach über einem Jahr Planungs- und Bauzeit ist die 170 Quadratmeter große Wohnung kaum wiederzuerkennen. Sie wirkt nun licht und weit. Zwar wurden so viele originale Altbauelemente wie möglich erhalten und überarbeitet – darunter Holztüren und -fenster, Parkett sowie Stuckaturen – doch die von Batek Architekten aufeinander abgestimmten, neuen Gestaltungselemente schaffen ein Interior, das im Jetzt verankert ist.
Die Veränderung des Grundrisses, die neu eingesetzten Wände mit Schattenfugen sowie die maßgefertigten Möbeleinbauten sorgen dafür, dass die Räume neben einer zeitgenössischen Ästhetik auch eine hohe Funktionalität aufweisen. Wohnlichkeit schaffen die von den Bauherr*innen mitgebrachten Möbel, Leuchten und Accessoires, die sich zu den Einbauten gesellen. Das Ehepaar hatte zwar vor dem Umzug vieles aussortiert, doch von den wichtigsten persönlichen Gegenständen habe man sich nicht trennen wollen, erzählt Peter Berlin.
Neuorganisation des Grundrisses
Der ursprüngliche Grundriss war typisch für eine Berliner Wohnung aus der Zeit um 1907: Die Küche sowie zwei mit einer Flügeltür verbundene Räume im Vorderhaus waren durch das sogenannte Berliner Zimmer mit dem Seitenflügel verzahnt, wo sich ein schmaler Flur, ein Schlafzimmer und ein Bad befanden. Und auch wenn das Berliner Zimmer über einen gewissen Charme verfügt, hat es doch einen entscheidenden Nachteil: Durch die Anordnung des Fensters in der Ecke des Raums sind die Lichtverhältnisse ziemlich herausfordernd. Deshalb haben Batek Architekten das besagte Zimmer zum vorderen Flur hin geöffnet und den Grundriss neu organisiert. In der ehemaligen Küche befinden sich nun ein Gäste- und Arbeitszimmer sowie ein angrenzendes Duschbad, das von zwei Seiten erschlossen wird.
Auch der Seitenflügel wurde neu zoniert, sodass das Raumprogramm jetzt einen Master Bedroom, ein Ankleidezimmer, ein Wannenbad und einen praktischen Hauswirtschaftsraum umfasst. Die Küche wurde in das Berliner Zimmer verlegt, was dem Raum eine echte Aufenthaltsqualität verleiht. Der Koch- und Essbereich funktioniert als kommunikatives Zentrum der Wohnung, in dem sich am abgerundeten Esstisch – ebenfalls ein Entwurf von Patrick Batek – auch größere Runden versammeln können. Alle neuen Elemente setzen sich klar erkennbar vom Bestand ab – durch Schattenfugen, Farben und Materialien.
Subtiles Farb- und Materialkonzept
Dass die Wohnung trotz der Eingriffe in die ursprüngliche Bausubstanz wie aus einem Guss erscheint, hat vor allem mit dem einheitlichen Farb- und Materialkonzept zu tun. Dabei gab die objektbasierte Lichtplanung von PSLab, die sowohl funktionales als auch Ambiente-Licht umfasst, den farblichen Grundton vor. Decken und Wände sind in sämtlichen Zimmern in einem Schlammton gehalten, der sich von den metallenen Oberflächen der Leuchten ableitet. Hinzu kommen ein original erhaltenes Parkett, das dunkelbraun gebeizt wurde, sowie neu verlegte Eichenholzdielen. Der hintere Bereich des Seitenflügels mit Schlaf- und Ankleidezimmer wurde kontrastierend mit einem weichen Veloursteppich in hellem Beige ausgelegt – so wie es sich die Bewohner*innen gewünscht hatten. Er sei eine Referenz an ihr altes Haus in der Pfalz, das vollständig mit Teppichboden ausgestattet gewesen sei, erzählt Peter Berlin.
Während der von Batek Architekten entworfene Einbauschrank im Ankleidezimmer mit einer Oberfläche aus Tischlinoleum in einem überraschenden Ockerton versehen wurde, sind alle anderen Möbeleinbauten aus lackiertem MDF. Die maßgefertigten Küchenschränke in kühlem Hellblau wirken dabei ebenso elegant wie die Arbeitsfläche und die Rückwand aus mattem Carrara-Marmor. Der edle Naturstein taucht in Form von 60 mal 120 Zentimeter großen Platten auch in beiden Badezimmern auf, wobei das Masterbad mit tiefroten Tischlermöbeln auf sich aufmerksam macht. Auf eine Badewanne haben die Bauherr*innen bewusst verzichtet und sich für eine Regendusche entschieden. So bleibt auch genügend Platz, um dem Badezimmer einen wohnlichen Touch zu geben: mit dem Sessel LC2 von Le Corbusier und einem abgepassten Teppich.
Altbau-Grandezza
Batek Architekten lassen ähnliche gestalterische Elemente an verschiedenen Stellen in der Wohnung auftauchen und sorgen damit für ein visuell einheitliches Bild – sei es mit Farben und Materialien oder geometrischen Formen. Der Bogen beispielsweise ist ein wiederkehrendes Motiv in der Charlottenburger Wohnung. So sind Wände und Tür des Duschbads geschwungen – „um den Übergang zum Berliner Zimmer zu öffnen und eine fließende Bewegung zu erzeugen“, wie Patrick Batek sagt. Dabei handelt es sich um eine aufwendige, aber sehr wirkungsvolle gestalterische Lösung. Das Motiv des Bogens taucht auch in einer Wandnische im Entree auf – und als nachträglich eingefügtes Tonnengewölbe im Ankleideraum, was dem Ensemble eine gewisse Grandezza verleiht.
| Projektname | NIE10 |
| Typologie | Sanierung/Umbau Altbauwohnung |
| Bauherr*in | Gisela und Peter Berlin |
| Entwurf | Batek Architekten, Berlin |
| Team | Nina Jungmann, Holger Duwe, Patrick Batek |
| Projektbeteiligte | PSLab, Berlin (Lichtplanung); Schreierei Metz, Bad Kissingen (Möbeleinbauten); Biofarben, Berlin (Parkettverleger); Unique Factory, Berlin (Raumausstatter) |
| Fläche | 170 Quadratmeter |
| Standort | Berlin-Charlottenburg, Deutschland |
| Fertigstellung | 2024 |
| Materialien | Wand- und Deckenfarben/Möbellacke (Flamant), Parkett (Biofarben), Veloursteppich (Object Carpet), Tischlinoleum (DLW) |
| Ausstattung | Leuchten (PSLab), Sanitärobjekte (Laufen), Armaturen (Dornbracht), Türgriffe (FSB) |
Mehr Projekte
Grauzone mit Aussicht
Puristisches Rooftop-Apartment von unprofessional.studio in Taipeh
Generationswechsel im Siedlungshaus
atelier brum baut Kölner Reihenhaus in offenen Wohnbau um
Transluzenter Blockbau
Wohnturm aus Glas und Gitter von Studioninedots in Amsterdam
Skulpturaler Unterschlupf
Nachhaltige Holzhütte in den Pyrenäen
Helix aus Stahl
Architettura Tommasi gestaltet Loft in historischem Adelspalast in Padua
Glutroter Kokon
Reihenhaus-Modernisierung von Pablo Sanchez Lopez in London
Beton und Behaglichkeit
BekArch transformiert eine Prager Backstube in ein helles Studio-Apartment
Urbaner Lückenfüller
Zwei Wohnbauten von Pend in Edinburgh
Fifty Shades of Marble
Mistovia verwandelt einen Krakauer Rohbau in ein Zuhause mit Atelier
Haus der Gegensätze
Architektura baut in der Nähe von Prag ein ungewöhnliches Familiendomizil im Wald
Holz in Bewegung
Wohnhaus im Tessin mit außergewöhnlichem Parkett
Brücke zum Meer
Wochenendhaus von Omer Arbel in Kanada
Ziegel im Zentrum
Umbau eines Siedlerhauses in der Uckermark von Klöpfel Zeimer Architekten
Zwischen Erhalt und Erneuerung
Umbau eines Fischerhauses von Bea Portabella und Jordi Pagès in Cadaqueés
Licht im Laub
Wohnhaus mit Anbau von ConForm in London
Renaissance auf Mallorca
Umbau eines historischen Stadtpalais von Nøra Studio
Zeitlos in Valencia
Balzar Arquitectos gestalten eine Altbauwohnung mit Wabi-Sabi-Ästhetik
Präziser Eingriff im Bestand
Umbau eines Einfamilienhauses im St. Galler Rheintal von Studio Micha Gamper
Neue Freiheit
Umbau eines Madrider Wohnhauses von Extrarradio
Wohnen zwischen den Klimazonen
Apartments für Studierende von EMI Architekt*innen in Regensdorf
Blaues Herz
Umbau eines Weinguts in Portugal von Arquitectura-G
Der Sonne entgegen
Nachhaltiges Einfamilienhaus in Holzrahmenbauweise an der Costa Brava von Clara Crous Arquitectura
Glashaus mit vielen Gesichtern
Kresta Garden House von Lucas y Hernández-Gil bei Madrid
Gekonnt gegliedert
Wohnungsumbau von DG Estudio in Valencia
Platte mit Weitblick
Umbau im Berliner Hochhaus von Christopher Sitzler
Bewegung im Rohbau
Achtsamkeitsstudio ANTI im Brandlhuber-Haus in Berlin
Athener Essenz
Sensible Stadthaus-Modernisierung von Local Local
Domestic Dancefloor
Clubkultur in einem Berliner Apartment von Studio Karhard
Ein Haus aus Lehm und Landschaft
Wohnhaus in Weert von De Nieuwe Context
Ungezwungene Zeitreise
Umbau und Erweiterung eines Londoner Reihenhauses von TYPE