Der Sonne entgegen
Nachhaltiges Einfamilienhaus in Holzrahmenbauweise in Alt Empordà an der Costa Brava von Clara Crous Arquitectura
In Vilamacolum, nur wenige Kilometer von der spanischen Mittelmeerküste entfernt, realisierte das Architektenpaar einen eingeschossigen Neubau mit 210 Quadratmetern Wohnfläche. Vorfertigung, regionale Materialien und eine klare modulare Struktur prägen Entwurf und Atmosphäre.
Gerade einmal 400 Einwohner*innen hat das kleine Dorf Vilamacolum, das nur fünf Kilometer von der katalanischen Mittelmeerküste entfernt an der Grenze zu Frankreich liegt. Die Architektin Clara Crous Fort und ihr Partner Carles Torracabota Bosch hatten Glück und konnten dort ein rund 1.000 Quadratmeter großes Grundstück erwerben, auf dem sie ein einstöckiges Gebäude errichteten.
Holzrahmenbau mit digitaler Fertigung
Die Alt Empordà genannte Region ist von der Landwirtschaft geprägt. Dort wuchs der Lebensgefährte der Architektin auf und dort gründete sie 2017 ihr eigenes Planungsbüro. Da Carles Torracabota Bosch im Bereich der digitalen Fertigung mit Holz und Kunststoff tätig ist und durch seine Herkunft aus einer Familie von Landwirt*innen auch Zugang zu Maschinen für die Verarbeitung großformatiger Materialien hatte, konnte das Haus zu großen Teilen in Eigenregie errichtet werden. Weil die Bauherr*innen auf Arbeitskräfte aus der Gegend zurückgreifen wollten, richteten sie die Bauarbeiten an den Erntezeiten vor Ort aus. Doch die enge Verknüpfung mit den lokalen Gegebenheiten reicht noch weiter bei dem Casa al Pradet genannten Projekt.
Umgebung als gestalterisches Leitbild
Das rund 210 Quadratmeter große Haus basiert auf einer leichten Holzrahmenkonstruktion, die in einer Werkstatt vorgefertigt wurde, was Zeit und Aufwand sparte. Das Gebäude wird durch eine Abfolge von Modulen unterschiedlicher Formen und Höhen rhythmisiert, wobei es die örtlichen Bautraditionen zitiert: Es erinnert an die Nebengebäude katalanischer Herrenhäuser.
Regionale Materialien: Holz, Kork, Kalkmörtel und Keramik
Auch die verwendeten, weitgehend natürlichen Materialien – darunter Holz, Kork, Kalkmörtel, Lehmziegel, hydraulische Fliesen und handgefertigte Keramik – stammen aus der Region. Da die Casa al Pradet an der tiefsten Stelle des Dorfes steht und dort Regenwasser in einen Fluss abfließt, wurde die Konstruktion um 1,20 Meter angehoben und so ausgerichtet, dass das Haus auch vor den starken Tramontana-Winden geschützt ist.
Offener Wohnbereich mit doppelter Raumhöhe
Der Grundriss ist durch einen zentralen Floating Space geprägt, der die Bereiche Kochen, Essen und Wohnen zusammenfasst. Dort öffnet sich der Raum über die doppelte Höhe. Fenster aus Kiefernholz sorgen für natürlichen Lichteinfall. Drei Schlafzimmer und zwei mit Zellige-Fliesen ausgekleidete Bäder ergänzen die zentrale Wohnzone.
Das Interiordesign wirkt lässig und warm, was vor allem an der großflächigen Verwendung von Holz liegt, wobei eine offene Balkenkonstruktion beziehungsweise Holzdecken die Räume prägen. Dazu gesellen sich maßgefertigte Einbauelemente wie Küchenschränke und Regale sowie frei stehende Möbel, die ebenfalls aus Holz bestehen. Der Fußboden aus poliertem Gussbeton wird mit abgepassten Teppichen zoniert, während die Möbel und Leuchten von Herstellern wie Carl Hansen & Søn, Ferm Living, Vergés Design und Marset stammen.
Der großzügige Außenraum besteht aus Wiesen, Hecken und einer überdachten Terrasse, die mit Terrakotta-Platten gefliest ist. Ein kompakter Outdoor-Pool sorgt für Erfrischung an heißen katalanischen Sommertagen.
FOTOGRAFIE Montse Capdevila Montse Capdevila
Clara Crous Arquitectura
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