Beton auf allen Ebenen
Brutalistischer Anbau von McLaren Excell in London
Mit einem brutalistischen Anbau ergänzte das Architekturbüro McLaren Excell ein georgianisches Einfamilienhaus im Londoner Stadtteil Islington. Die neue Betonstruktur scheint mit dem Boden und den Möbeln zu verschmelzen.
Wie lässt sich ein denkmalgeschütztes Reihenhaus an die Wohnbedürfnisse eines modernen Haushalts anpassen? Das Londoner Architekturbüro McLaren Excell hat Erfahrung damit, individuelle Antworten auf diese Frage zu liefern. Seit der Gründung ihres Studios im Jahr 2010 haben Luke McLaren und Robert Excell schon mehrfach historische Wohnhäuser umgebaut – mit viel Respekt vor dem Bestand. Im Fall ihres aktuellen Projekts im Stadtteil Islington im Norden der britischen Hauptstadt wünschten sich die Bauherr*innen mehr Platz und Licht. Ein Anbau auf einem Teil der schmalen Gartenfläche sollte den Wohnraum um eine offene Küche samt Esszimmer erweitern.
Aus einem Guss
Um den Anforderungen des Denkmalschutzes zu entsprechen, die bestehende Hierarchie der Räume und ihre Anordnung beizubehalten, teilten Luke McLaren und Robert Excell den Anbau in zwei Ebenen. Im oberen Teil befindet sich der Ess- und im unteren ein Küchenbereich, der sich im bestehenden Untergeschoss fortsetzt. Als gestalterische Klammer dieser Ebenen dient ein vor Ort gegossener Betonrahmen. „Einer der größten Erfolge dieses Projekts war, dass der innere Betonrahmen und die innere Betonhaut in einem Guss entstanden sind, ohne Ankerlöcher oder Fugen, eine perfekte, nahtlose Betonschale“, erzählen die Planer. Die architektonische Struktur scheint mit den Möbeln zu verschmelzen. So funktioniert der Split-Level-Grundriss ohne offensichtliche strukturelle Elemente. Der Raum wirkt offen und frei.
Exakter Einbau
An der Decke gehen Eichenholz- und Betonbalken ineinander über und lenken den Blick in den Raum oder Richtung Garten. Diese Konstruktion erforderte Millimeterarbeit: Für jeden der Balken, ob aus Holz oder Beton, erstellten die Architekten einen Hohlraumformer, den sie in die Schalung einfügten. So liegen die Balken mit einer perfekten Schattenfuge von fünf Millimetern auf dem Beton auf. Küchenfronten und Möbel wie der große Esstisch wurden ebenfalls aus Eiche gefertigt. Da sich die Holzverkleidung der Küche in den Einbauten des Untergeschosses fortsetzt, entsteht eine gestalterische Verbindung der beiden Räume.
Öffnung zum Garten
Eigens für das Projekt entwarf McLaren Excell riesige verglaste Holzschwenktüren. Die Sonderanfertigung war nötig, um die Türen nach dem Gießen der Innen- und Außenwände einbauen und dem Raum seine großzügige Atmosphäre geben zu können. Nach außen geöffnet, verschwimmen die Grenzen zum Garten. Diesen Eindruck verstärkt der Bodenbelag. Ziegel auf der Küchen- und Beton auf der Esszimmerebene setzen sich nach außen hin fort und schaffen eine Verbindung zwischen Indoor- und Outdoor-Bereich.
Ihr Islington House betrachten Luke McLaren und Robert Excell als Fallstudie, die zeigt, wie Grenzen zwischen Architektur und Möbeln verwischen können. Nahtlos geht der Beton von der Struktur in die Möbel und den Bodenbelag über und schafft so eine mühelose, kohärente Architektursprache.
FOTOGRAFIE Rory Gardiner
Rory Gardiner
| Projektname | Islington House |
| Entwurf | McLaren Excell |
| Ort | Islington, London, Großbritannien |
| Fertigstellung | 2020 |
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