Wohnen zwischen den Klimazonen
Apartments für Studierende von EMI Architekt*innen in Regensdorf
In Regensdorf nahe Zürich haben EMI Architekt*innen Teile eines Bürobaus aus den Achtzigerjahren in Apartments für Studierende umgewandelt. Eingestellte Küchen-, Bad- und WC-Elemente dienen als skulpturale Heizkörper und erzeugen eine offene Wohnlandschaft mit unterschiedlich temperierten Bereichen.
Das Homeoffice hat sich seit der Coronapandemie in der Breite durchgesetzt. Das gilt auch für die Schweiz – mit entsprechenden Folgen: So stehen im Raum Zürich etwa 400.000 Quadratmeter Bürofläche leer. Ein Lösungsvorschlag besteht in der Umwandlung der ehemaligen Offices in Wohnungen und mittlerweile gibt es erste Projekte, die diese Idee umsetzen. Ein Beispiel ist Das wohltemperierte Haus von EMI Architekt*innen in Regensdorf nahe Zürich. Dort haben die Planerinnen und Planer das 4. Geschoss eines Bürobaus in eine Wohnlandschaft für Studierende transformiert.
Vom Bürobau zum studentischen Wohnhaus
Das Projekt ist Teil einer Quartierskonversion: Auf einem ehemaligen Industrieareal beim Bahnhof Regensdorf-Watt soll ein neuer durchmischter Stadtteil entstehen. Zum Bestand zählt der sogenannte Winkelbau, ein u-förmiges Bürohaus aus den Achtzigerjahren. Die Transformation des Gebäudes in Apartments für Studierende ist zunächst als Zwischennutzung gedacht und soll neue Konzepte erproben. Das betrifft nicht nur die Umnutzung als solche, sondern auch die bauliche Umsetzung: So wurden beispielsweise die Wohnungen im 3. Geschoss vom baubüro in situ im Sinne der Kreislaufwirtschaft geplant. EMI Architekt*innen verfolgten im 4. Geschoss einen Lowtech-Ansatz mit einem emissionsfreien Heizsystem, wie der Architekt Ramin Mosayebi erklärt: „Mit dem Wohltemperierten Haus wollten wir nicht nur möglichst viel Bestand erhalten, sondern auch das Konzept des gleichmäßig temperierten Innenraums von 21 Grad hinterfragen.“
Bewahrung des Bestands
Das Ergebnis ist eine fließende Wohnlandschaft mit unterschiedlichen Temperaturzonen. Bei den insgesamt 18 Apartments mit einer Größe zwischen circa 36 und 56 Quadratmetern handelt es sich um Zellen, die über einen Flur entlang der Fassade erschlossen werden. Er dient als thermische Pufferzone und weitet sich an vier Stellen zu Gemeinschaftsküchen und Arbeitsbereichen aus. Die Bestandsfassade blieb in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten, ebenso wie Tragstruktur, Treppenhäuser, Lifte und zwei bestehende Sanitärkerne. EMI Architekt*innen beschränkten sich auf eine räumliche Neuorganisation mit unverputzten Vollgipsplattenwänden in Kombination mit einem reversiblen Innenausbau. Zudem wurden die abgehängten Decken entfernt und die Betondecken des Bestands hellgrau gestrichen.
Ein Bad als Heizkörper
Die Apartments werden über die großzügigen Bandfenster der Bestandsfassade belichtet. Da diese energetisch nicht ertüchtigt wurde, setzen sich die einzelnen Wohnzellen aus wärmenden und kühlenden Bereichen zusammen. Konkret funktioniert das Ganze über Küchen-, Bad- und WC-Elemente, die als skulpturale Körper in die Apartments gestellt sind. Sie zonieren den Raum und schaffen durch ihre Kreisgeometrie fließende Übergänge. Aufgrund ihrer Konstruktion funktionieren sie aber auch wie Kachelöfen. Dabei verfügt jedes Apartment mit einem WC- und einem Duschelement über mindestens zwei dieser Heizkörper. Die größeren Zellen sind mit einem zusätzlichen Küchenelement ausgestattet.
Modell für die Zukunft?
Die Strahlungsenergie der einzelnen Körper erzeugt Wärmeinseln, die den offenen Raum gliedern. Durch aluminiumbeschichtete Vorhänge lässt sich die Strahlungswärme regulieren und das Apartment zusätzlich zonieren. Konstruktiv handelt es sich bei den eingestellten Elementen um vorfabrizierte Stahlmöbel, die mehrschichtig beplankt wurden. Die Metallwände wurden zunächst mit einer Dämmschicht aus Schafwolle versehen. Darauf ist ein Gitter aus Rippenstreckmetall angebracht, an dem man die Heizschlangen befestigt hat. Zudem sind die Wasser-, Heiz- und Elektroleitungen daran angeschlossen. Im nächsten Schritt wurde schichtweise ein vier Zentimeter starker Lehmunterputz auf die Konstruktion aufgetragen. Er dient als Speichermasse, kann aber auch die Luftfeuchtigkeit aufnehmen. Als abschließende Schicht verwendete man einen Lehmdeckputz in der Farbe Sienarot, der den Rotton des Linoleumbodens aufgreift.
Obwohl die Elemente reversibel geplant wurden und aufgrund ihres Eigengewichts keine zusätzliche Verankerung benötigen, verschmelzen sie gestalterisch mit dem Bodenbelag. Die skulpturale Erdung der Körper als Räume im Raum kontrastiert mit der sichtbar belassenen Haustechnik. Deren filigrane Rohre und Schienen erzeugen ein grafisches Bild an Wand und Decke. Gleichzeitig lassen sie sich ohne großen Aufwand reparieren und rückbauen. Das Projekt zeigt deshalb nicht nur auf, wie eine klimatisch sinnvolle Architektur funktionieren kann, sondern lotet auch ihre gestalterischen Möglichkeiten aus. Ob das Modell zukunftstauglich ist, entscheidet eine begleitende Studie an der ETH Zürich unter der Leitung von Elli Mosayebi und Arno Schlüter. Dann wird sich zeigen, welche Möglichkeiten es für zukünftige Umnutzungsprojekte gibt.
FOTOGRAFIE Roland Bernath Roland Bernath
| Projektname: | Das wohltemperierte Haus |
| Entwurf: | EMI Architekt*innen |
| Bauherr: | Anlagestiftung Turidomus, Pensimo Management AG, Zürich |
| Typologie: | Wohnungsbau |
| Projektart: | Studentenwohnen, Umbau und Forschungsprojekt |
| Standort: | Zwhatt Areal, Regensdorf |
| Konstruktion: | Massivbau |
| Fläche: | 1.353 Quadratmeter |
| Fertigstellung: | 2025 |
| Planungs-und Bauzeit: | 2021–2025 |
| Metallbauer: | FMT Metallbau AG |
| Heizung: | Hans Brun AG |
| Gipser: | Reinhardt AG |
| Bauingenieur: | Baertschi Partner Bauingenieure AG, Ehrendingen |
| HLS-Planung: | Gruenberg+Partner Planer und Ingenieure AG, Zürich |
| Elektroplanung: | Elprom Partner AG, Dübendorf |
| Bauphysik: | Anex Ingenieure AG, Zürich |
| Beratung | Prof. Dr. Arno Schlüter, ETH Zürich |
| Gesamtkosten BKP 1–9: | 1.982.200 SFr. |
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