Generationswechsel im Siedlungshaus
atelier brum baut Kölner Reihenhaus in offenen Wohnbau um
Beim Umbau eines rund 100 Jahre alten Siedlungshauses ist dem Kölner Büro atelier brum die Kombination von alter und neuer Bausubstanz gelungen. Basierend auf dem Wechselspiel von Materialien und deren spezifischen Oberflächen und Farben entstand eine einheitliche Innenraumgestaltung.
Das bestehende Reihenhaus aus dem frühen 20. Jahrhundert ist Teil der Siedlung Bickendorf I im Nordwesten von Köln, die die Architekten Caspar Maria Grod und Leo Kaminski unter dem Einfluss der Gartenstadtbewegung entworfen hatten. Mit dem Motto „Lich, Luff un Bäumcher“ wurde die Kleinwohnsiedlung zum ersten großen Wohnbauprojekt der im Jahr 1913 neu gegründeten Gemeinnützigen AG für Wohnungsbau (heute GAG Immobilien AG). Im Verlauf des Bauprojekts wurde damals der junge Wilhelm Riphahn verantwortlicher Projektleiter, der später für die Architekturentwicklung Kölns prägend werden sollte. Wenngleich die Krupp-Siedlung in Essen den Architekten Vorbild stand, erinnern die Parzellierung und Kubatur der kleinen Siedlungshäuser auch an die wenige Jahre zuvor von Bruno Taut in Berlin erbaute Gartenstadt Falkenberg, wegen ihrer unterschiedlichen farbigen Fassaden auch Tuschkastensiedlung genannt.
Rücksichtsvolles Weiterbauen
Der zweigeschossige Typenbau mit Satteldach befand sich bereits seit Generationen im Familienbesitz und verfügte im Vergleich zur Nachbarbebauung über einen außergewöhnlich hohen Anteil originaler Bausubstanz, wie Putzfaschen um die Fenster, verschiedene Bodenbeläge und eine alte Holztreppe. Diese Substanz galt es zu erhalten und zugleich ein Wohnhaus für eine junge Familie zu schaffen, das den räumlichen und energetischen Anforderungen der heutigen Zeit entspricht. Basierend auf dem Entwurfsmotiv des rücksichtsvollen Weiterbauens wurden vorhandene Strukturen und Oberflächen instand gesetzt und ergänzt.
Flächenoptimierung
Im Erdgeschoss gliedert ein neu eingefügter, kompakter Funktionskern mit Garderobe, Dusche und WC den Übergang vom Entree zum Wohnraum. Küche und Essbereich sind zum Garten hin angeordnet und wurden mithilfe eines Anbaus großzügig erweitert. Die geschosshohe Verglasung über die gesamte Breite des Gebäudes und ein zusätzliches Oberlicht versorgen den neuen Anbau mit reichlich Tageslicht. Im Obergeschoss bleibt die Aufteilung weitgehend unverändert. Das Wohnzimmer dient zusätzlich als Durchgangsraum zum ebenfalls erweiterten Dachgeschoss. Beidseitige Dachgauben erlauben die Anordnung von Schlafzimmer und Bad in der obersten Etage des Hauses.
Collage aus Material und Farbe
Wesentliche Materialien des Bestandsbaus blieben im Innenraum erhalten: Dielenböden und Treppe wurden geschliffen und geölt. Im Anbau setzt ein neuer Dielenboden die Materialität fort. Alle Einbauten in Garderobe, Küche und Schlafzimmer wurden wandflächig und mit schmalem Fugenbild gestaltet, sodass ein ruhiger Raumeindruck entsteht, der vom Zusammenspiel einzelner Materialflächen geprägt ist. Besonders gelungen ist der Kontrast zwischen altem Klinkerboden, Holzflächen und dem schwarzen Küchenblock, der wie ein Monolith wirkt und frei im Raum platziert den Übergang vom Bestandsbau zum Anbau markiert.
Das kontrastreiche Zusammenspiel aus Materialien und Farben zeigt sich auch in der neuen Fassadengestaltung: Rotorange, Olivgrün und Anthrazit erzeugen ein dominantes Gebäude, das sich auffällig zwischen seinen Nachbarn präsentiert. Auch die deutlich vergrößerte Dachgaube trägt dazu bei, dass der Bau „aus der Reihe tanzt“. Was im Innenraum durch die Materialfarbigkeit als selbstverständliche Collage sehr gut gelingt, wirkt in der Fassade etwas zu abrupt, macht die Assoziation zur Gartenstadt Falkenberg aber umso plausibler.
FOTOGRAFIE Niklas Rausch
Niklas Rausch
| Bauherr | privat |
| Planung | 2022-25 |
| Leistung | LPH 1 - 8 |
| Größe | 90 m² |
| Ort: | Bickendorf, Köln |
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