Geheilter Bestand
Umbau und Erweiterung eines Fuhrwerkerhauses in Düsseldorf von Nidus
Schicht für Schicht legte das Architektur- und Entwicklungsbüro Nidus den Charme eines verbauten Fuhrwerkerhauses in Düsseldorf frei. In Kombination mit einem Holzneubau entstand ein Wohnensemble zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Annelen und Ana Vollenbroich lernten sich im Studium der Immobilienökonomie in Frankfurt kennen. Später gründeten die Architektin und die Anwältin zusammen Nidus, lateinisch für „Nest“. Das Düsseldorfer Architektur- und Entwicklungsbüro ist spezialisiert auf Bestandsbauten. Mit einem asiatisch inspirierten Doppelhaus entstand 2024 der erste Neubau.
Altbau trifft Neubau
In der ältesten Gegend Düsseldorfs, dem Stadtteil Kaiserswerth, erwarb das Team mit dem Kreuzberghof ein Fuhrwerkerhaus aus den 1920er-Jahren. Es steht am Ende einer mit alten Bäumen gesäumten Landstraße in einer Gegend, die von jeher durch Höfe geprägt ist. Die Architekt*innen erweiterten das historische Gebäude um ein vis-à-vis gelegenes, zurückgesetztes Hofhaus aus Holz und schufen damit ein neues Ensemble. Den Bestand bauten sie so um, dass er optimal mit dem Neubau korrespondiert. Was einfach klingt, war ein aufwendiger Prozess: „Das Fuhrwerkerhaus war überformt, verbaut, in Schichten erstarrt. Statt es zu ersetzen, wurde es geheilt“, sagen die Planer*innen. Die gewachsene Architektur, ein Flickwerk aus Jahrzehnten des Umbaus und der Anpassung, galt es zu entwirren und zu ordnen, ohne die Spuren der Zeit zu verbergen. So wird am Klinker die Veränderung subtil ablesbar: Der Altbau zeigt ein lebendiges, unregelmäßiges Mauerwerk, während die neu hinzugefügten Teile durch ein strenger gerastertes, modernes Fugenbild als Eingriffe von heute erkennbar sind.
Offenheit nach innen und außen
Wirkt der Bau mit seiner hell geschlämmten Klinkerfassade an der Seite zur Straße ruhig und geschlossen, öffnet sich das Haus zum Hof. Der Grundriss blieb im Wesentlichen bestehen, wurde jedoch neu inszeniert. Inspiriert von Josef Franks Essay Das Haus als Weg und Platz, führt vom straßenseitigen Eingang mit der aufgearbeiteten Originaltür ein Gang geradewegs in Richtung Hof. Er leitet vorbei an einer dunkel mit Räuchereiche ausgekleideten Garderobe, die den Hintergrund für eine Skulptur von Gunde Rietkötter bildet.
Das Esszimmer ist durch hohe Fenster mit dem efeuumrankten Innenhof verbunden, der im Sommer ein eigenes Mikroklima erzeugt. Das wahre Zentrum des Hauses ist aber die Küche, ein doppelgeschossiger Raum, der sich – durch das Entfernen einer Decke – über eine Galerie zum Wohnbereich öffnet. Das Licht fällt gezielt von oben auf braune Tonfliesen am Boden, die Räuchereiche der Küchenfronten und die Arbeitsplatten aus Edelstahl. Es sind authentische Materialien, die einander in ihrer Natürlichkeit ergänzen, ohne laut zu wirken.
In Verbindung
Die Treppe in den ersten Stock trennt die Küche räumlich vom Esszimmer. Das Obergeschoss wird durch den offenen Wohnbereich zoniert, der als gemeinsamer „Dorfplatz“ im Haus konzipiert wurde. Am Ende eines verbindenden Flurs liegt eines der Schlafzimmer, mit frei stehender Badewanne vor dem Fenster. Wie in der Küche wurde auch in der Ankleide für die maßgefertigten Einbauten Räuchereiche verwendet. Eine weitere Treppe führt zur großzügig verglasten Dachterrasse. Kunst spielt im Innen- und im Außenraum eine wichtige Rolle. Ein großes Gemälde von Laura Sachs prägt das Wohnzimmer, während kleinere, einheitlich gerahmte Gemälde das Sideboard säumen.
Gegensätze und Gemeinsamkeiten
Im Garten zeugt eine Skulptur von Anja Schubert in den dicht bepflanzten Beeten von der Kunstaffinität der Bauherrschaft. Eine geschwungene Betonterrasse verbindet das einstige Fuhrwerkerhaus mit dem gepflasterten Hof. Diesen teilen die Bewohner*innen mit den Nachbar*innen aus dem Hofhaus, einem Holzbau im Stil einer Scheune. Seitliche Eingänge erschließen die beiden Wohneinheiten. Während das Haupthaus mit seiner hellen Fassade einen Kontrast bildet zu den braunen Fenstern, ist es beim Holzbau umgekehrt: Die hell eingefassten Fenster heben sich von der dunkel lasierten Hülle ab.
Mit dem Kreuzberghof ist Nidus ein Projekt gelungen, das Alt und Neu auf gelungene Weise verbindet. Die behutsame Renovierung betont die Stärken des Bestands. Vintage-Möbel wurden geschickt mit zeitgenössischen Einbauten kombiniert. Der Holzneubau ergänzt das alte Fuhrwerkerhaus und schafft Wohnraum nach heutigen Standards.
FOTOGRAFIE Volker Conradus Volker Conradus
| Projektname | Kreuzberghof |
| Entwurf | Nidus |
| Gebäudetyp | Wohnhaus |
| Bauvorhaben | Umbau und Erweiterung |
| Baujahr | 1920 |
| Standort | Düsseldorf |
| Fläche | 330 Quadratmeter |
| Fertigstellung | 2025 |
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