Eine eigene Welt
Großzügiger Umbau eines schmalen, viktorianischen Reihenhauses in Sydney von Studio Carson Kelly
In Sydney haben Studio Carson Kelly ein weniger als vier Meter breites viktorianisches Reihenhaus in ein lichtdurchflutetes Refugium verwandelt. Dabei verfolgte das Architekturbüro einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem Raumkonzept und Gestaltung harmonisch ineinandergreifen.
Manche Projekte brauchen Zeit, um zu reifen. Das gilt auch für ein kleines viktorianisches Reihenhaus im Stadtzentrum von Sydney, das von Studio Carson Kelly saniert und neu strukturiert wurde. Das Besondere ist, dass Architekt Klaus Carson und Kreativdirektor Nicholas Carson Kelly nicht nur ihre eigenen Bauherren waren, sondern zunächst ein Jahr lang in dem Haus wohnten. Ihr Ziel war es, ein Gefühl für den Bestand zu bekommen: „Dadurch, dass wir das Haus im unrenovierten Zustand bewohnt haben, konnten wir ein Verständnis für das Gebäude entwickeln – und dafür wie man es an unsere Bedürfnisse anpassen kann“, erklären sie.
Das Büro ist in den Bereichen Architektur- und Innenarchitekur tätig und verfolgt damit einen ganzheitlichen Ansatz. Raum und Gestaltung sollen sich gegenseitig ergänzen – ein Gedanke, der sich auch in dem kleinen Reihenhaus wiederfindet.
Großzügige Lichtinszenierung
Der putzige, eineinhalbgeschossige Bau mit 90 Quadratmetern Wohnfläche steht auf einer weniger als vier Meter breiten Parzelle. Die außergewöhnlich schmale Grundstückssituation prägte den Entwurf maßgeblich. Hinter dem Haus befindet sich ein kleiner Garten, der an die Bruchsteinmauer des Nachbargrundstücks grenzt. Trotz der zentralen Lage hat die Nachbarschaft einen suburbanen Charakter, was sich nicht nur an der niedrigen Bebauung, sondern auch an der grünen Umgebung mit viel Baumbestand zeigt.
Aufgrund der beengten Verhältnisse drang nur wenig Tageslicht ins Innere, ein Umstand, der laut Klaus und Nicholas Carson Kelly zum entwurfsbestimmenden Parameter wurde: „Die Möglichkeiten Licht in das Gebäude zu bringen, waren sehr beschränkt. Deshalb haben wir das Dach mit verschiedenen Oberlichtern versehen, die das Tageslicht tief in den Raum hineinlassen. Es wird dadurch zum Gestaltungsmittel, das dem Inneren einen spezifischen Charakter verleiht.“ Die Belichtung prägt heute den Rhythmus des Hauses, da sie während des Tages durch die Räume wandert und verschiedene Stimmungen schafft.
Grafische Kontraste
Um mehr räumliche Großzügigkeit zu schaffen, versahen die Architekten den Bestand mit einem möglichst offenen Grundriss. Für die Zonierung sorgt eine zweiläufige Treppe im Zentrum des Hauses, die zugleich auf klassische Flure verzichtet und die Erschließung direkt in den Wohnraum integriert. Unter ihren Stufen ist zudem platzsparend die Waschküche untergebracht. Der Wohn- und Essbereich mit Kücheninsel öffnet sich im Erdgeschoss über große Fenstertüren zum Garten. Ziegelwände im Wohnbereich greifen die Farbigkeit der Bruchsteinmauer im Garten auf. Die länglichen Ziegelsteine dienen zugleich als Belag für den Außenbereich. An der Schwelle von Innen und Außen werden sie zu einer Sitzstufe, die nahtlose Übergänge erzeugt. Im Innern sorgt ein Boden aus mehrfarbigen, quadratischen Terrazzofliesen für einen grafischen Kontrast. Er verändert sich je nach Lichteinfall und trägt so zur lebendigen Atmosphäre der Räume bei.
Die Küche gestaltete Studio Carson Kelly mit Edelstahloberflächen, die einen kühlen Kontrast zur erdigen Ziegelwand bilden. Hinzu kommen verspiegelte Einbaumöbel, die den Raum größer wirken lassen. Die massive dunkle Steinplatte verbindet Kücheninsel und Esstisch zu einem skulpturalen Möbel, das zum Mittelpunkt des Hauses wird. In den Badezimmern im Erd- und im Obergeschoss setzt sich das Konzept der steinernen Hülle fort, das schon bei den Ziegelwänden im Wohnbereich zum Einsatz kommt. Im Bad des oberen Geschossses sorgt das Zusammenspiel aus einem großen Oberlicht und länglichen, vertikal angeordneten Mosaikfliesen in Grüntönen für eine fast sakrale Atmosphäre. Im zum Garten orientierten Schlafzimmer erzeugen Glasbausteine ein weiches Licht und bieten zugleich einen Sichtschutz gegenüber den Nachbarn. Gleichzeitig führen sie den introvertierten Charakter des Hauses fort, das trotz bescheidener Hülle eine vielschichtige Welt in seinem Innern offenbart.
FOTOGRAFIE Dina Grinberg
Dina Grinberg
| Projektname: | Little James |
| Entwurf: | Studio Carson Kelly |
| Bauherr: | Klaus und Nicholas Carson Kelly |
| Typologie: | Wohnungsbau |
| Standort: | Sydney |
| Fläche: | 90 Quadratmeter |
| Fertigstellung: | 2026 |
| Sessel Wohnzimmer: | Puffy von Hem |
| Nachttisch und Stauraum: | Componibili von Kartell, USM Haller von USM |
| Leuchten: | Tolomeo von Artemide, Lampadina von Flos |
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