Urbaner Lückenfüller
Zwei Wohnbauten von Pend in Edinburgh
Das Architekturbüro Pend Architects schloss eine Baulücke in Edinburgh durch Nachverdichtung mit zwei kompakten Stadthäusern, die sich an der Typologie der Mews orientieren. Anders als bei den historischen Stallhäusern bringen Höfe Tageslicht ins Innere, Detaillösungen heben die Wohnqualität und recycelte Ziegel sorgen für Nachhaltigkeit.
Die Bautypologie der Mews ist typisch für Großbritannien. In wohlhabenden Stadtteilen baute man im 18. und 19. Jahrhundert in zweiter Reihe einfache Stallgassen, in denen Pferde untergebracht waren, aber auch Bedienstete lebten. Mittlerweile wurden die pragmatischen Backsteinbauten in den immer enger werdenden urbanen Räumen zu Wohnhäusern umgebaut. Aufgrund ihrer ruhigen, charmanten und dabei zentralen Lage sind sie sehr begehrt – und oft besonders teuer.
Das Architekturbüro Pend hat sich an diesem Gebäudetyp orientiert, um eine brachliegende Baulücke im Edinburgher Stadtteil Canonmills zu schließen. Während Mews üblicherweise von innen Richtung Hinterhof expandieren oder aufgestockt werden, um Tageslicht ins Innere zu holen, hatten die Gestalter*innen beim Neubau die Gelegenheit, Höfe und Terrassen direkt mitzuplanen. Dabei ließ man sich von Tadao Ando inspirieren, der sein berühmtes Haus Azuma in Osaka aus dem Jahr 1979 zur Straße hin als komplett abgeschottete Box entwarf und im Inneren einen offenen Hof integrierte. Wer sich im Haus bewegt, kommt nicht umhin, ihn zu durchqueren – ungeachtet von Niederschlägen, Kälte oder durch die Sonne aufgeheizten Beton.
Häuserecken aus Bullnose-Ziegeln
Vom erzwungenen Weg durch die Witterung bleiben die Bewohner*innen im regnerischen Edinburgh verschont, der Hof allerdings ist Teil ihres Wohnerlebens. Auch die Integration der Garage in das Haus übernahmen die Architekt*innen von den Mews, wo die Pferdeboxen meist zu Abstellplätzen für Pferdestärken umgenutzt wurden. Mit der Referenz an die historischen Vorbilder fiel die Wahl beim Baumaterial nicht auf Beton, sondern auf rote Ziegel.
Das Team von Pend verwendete außerdem zirkuläre und aufbereitete Steine aus Abrissprojekten. Nachhaltigkeit, Langlebigkeit, Sorgfalt und ein hoher Anspruch an Ästhetik und Design prägen die Architektur, was besonders bei den Detaillösungen sichtbar wird. An den Türlaibungen und Häuserecken wurde mit abgerundeten Steinen, sogenannten Bullnose-Ziegeln, gemauert. Diese sollten früher die Kanten vor Abnutzung schützen, heute werden sie aber vor allem noch bei hochwertigem und detailreichem Mauerwerk eingesetzt.
Viele Fenster zum Hof
Die blockhafte Präsenz des Baukörpers wird beim Dach und den leicht zurückgesetzten Eingängen mit geometrischer Strenge und Materialstringenz fortgeführt. Die Schrägen des oberen Geschosses sind mit rotem Zink verkleidet, während Tür und Garage mit einer vertikal laufenden Holzlattung belegt sind. Durch die Fenster zu den Höfen, in denen sich alle Fassadenmaterialien treffen, wirken diese Baustoffe auch auf den Innenraum.Im Interieur setzten die Architekt*innen ihr klares Konzept mit hochwertigen Einbauten fort. Treppenstufen und Fensterrahmen sind aus Holz gefertigt und die Bäder mit großformatigen, lebendigen Feinsteinzeugfliesen in Graunuancen ausgestattet. Beide Häuser bringen in ihrem Layout Küche, Wohnbereich, drei Schlafzimmer und drei Bäder unter, sind aber individuell auf die leicht unterschiedlichen Grundstücksflächen angepasst. Eine Gemeinsamkeit beider Bauten ist die Aufgabe des Hofs: Er wurde zentral platziert, um Sichtverbindungen und -achsen zwischen den Räumen und Etagen zu schaffen.
Echo auf das Milieu
Das Planungsbüro Pend ist auf historische und denkmalpflegerische Architektur spezialisiert und sieht in der Nachverdichtung ein zentrales Thema für Städte. „Wir sind der Überzeugung, dass Architekten besonders gut in der Lage sind, das Potenzial eingeschränkter innerstädtischer Grundstücke zu erschließen“, so die Architekt*innen. Indem sie die kompakte und abgewinkelte Parzelle von innen heraus erschlossen und die Fassade an den urbanen Kontext anpassten, gelang ein Neubau mit funktionaler Wohnqualität und gestalterischer Sensibilität für das Milieu. „Das Projekt ist für unsere Arbeitspraxis wie eine Studie, die belegt, wie man maßgeschneiderte Wohnlösungen entwickeln kann. Gleichzeitig zeigt es eine Richtung, die wir in Zukunft gern weiterverfolgen möchten.“
FOTOGRAFIE Lorenzo Zandri Lorenzo Zandri
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