Ziegel im Zentrum
Umbau eines Siedlerhauses in der Uckermark von Klöpfel Zeimer Architekten
Klöpfel Zeimer Architekten verwandelten ein altes Siedlerhaus in der Uckermark in ein charakterstarkes Wochenendhaus. Herzstück des Umbaus ist ein skulpturaler Backstein-Einbau, der den offenen Wohnraum neu gliedert, das Licht lenkt und dem Bestand eine prägnante räumliche Ordnung gibt.
Ländlicher geht es kaum: Am Ortsrand einer abgelegenen Gemeinde im Nordosten der Uckermark hatten sich die Bauherr*innen ein altes Siedlerhaus gekauft. „Sie wünschten sich ein Wochenendhaus mit starker gestalterischer Aussage“, beschreibt Architekt Robert Zeimer das Briefing seiner Auftraggeber*innen. Was das bedeutet, wird schon beim Blick in das große offene Wohn- und Esszimmer des Projekts Battin 19 klar. Denn ein skulpturaler Einbau aus Backsteinen gliedert das Erdgeschoss und ersetzt die Unterteilung in mehrere Räume.
Mehr Platz durch weniger Wände
„Das Erdgeschoss war ursprünglich stark verschachtelt“, erklärt Robert Zeimer. Das bedeutete in diesem Fall: zwei Räume nach vorn, zwei nach hinten, ein dunkler Mittelflur und eine Treppe an der Gartenfassade, die eine ganze Wand einnahm und so die Verbindung zur Natur verhinderte. „Um den Kern zu errichten und das Treppenhaus in der Mitte des Gebäudes anzuordnen, mussten einige Innenwände abgerissen werden“, erklärt der Architekt. Lediglich die Trennwand zum Windfang blieb fast vollständig erhalten. Die Haustür wurde an die Seite verlegt. Im Obergeschoss liegt das offene Arbeits- und Schlafzimmer, von dem das Kinderzimmer durch eine Tür getrennt ist.
Einbau als Eyecatcher
Schon in der frühen Phase der Planung brachten die Architekt*innen handwerklich verarbeitete Ziegel aufs Tableau – als mögliches Material für den Innenausbau. Der massive Einbau für Treppenhaus und Kamin stellt Sehgewohnheiten auf den Kopf: Finden sich rohe Ziegel sonst vor allem im Außenbereich, gestalten sie hier den privatesten Bereich des Familiendomizils.
Pure Materialien
Von Umbausünden aus den Neunzigern wie Styropordecken verabschiedeten sich die Architekt*innen zugunsten natürlicher Materialien. „Generell ist das Materialkonzept sehr pur“, sagt Robert Zeimer. Sägeraue Fichtenholzschalung, geölt mit UV-Schutz, sowie Dielenboden im Obergeschoss und Sichtestrich im Erdgeschoss tragen ebenso zu einer natürlichen Wirkung bei wie der Lehmputz mit Strohbeimischung an den Wänden. Leicht und technisch wirkt die Küche aus Edelstahl. Dieses Zusammenspiel zeigt die Begeisterung für Rohheit und Haptik. „Lediglich die Decke im Erdgeschoss haben wir farbig lasiert, um die unterschiedlich alten Hölzer zu harmonisieren“, erzählt der Architekt. „Ansonsten haben wir größtenteils auf Anstriche im Innenraum verzichtet.“
Bewahren und erneuern
Die größte Herausforderung für die Architekt*innen war die schlechte Qualität der Bausubstanz. Die Decken- und Dachbalken konnten erhalten werden, während es im Erdgeschoss neue Böden samt Fußbodenheizung brauchte, dazu thermisch aktivierte Giebelwände. Von außen hat das Haus seinen ursprünglichen Charme behalten. Einige Fenster wurden vergrößert, um den Bezug zur weiten Landschaft herzustellen.
Durch ungewöhnliche Interventionen gelang es Klöpfel Zeimer Architekten, das Haus von seinem Ballast zu befreien und neu zu gliedern. Das Ergebnis ist ein flexibel nutzbares Refugium auf dem Land. Und was nehmen die Architekt*innen aus dem Projekt mit? „Ziel aller Projekte ist es, einzigartige Lösungen für eine Bauaufgabe zu finden“, sagt Robert Zeimer. „Haptik und Handwerklichkeit werden auch unsere weiteren Projekte prägen.“
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