Five-to-nine-Wohnen
Wohnhaus mit Galerie in London von O’Sullivan Skoufoglou Architects
Tagsüber wird das Wohnhaus zur Galerie RAW Editions, abends verwandeln sich die Räume in einen privaten Rückzugsort. O’Sullivan Skoufoglou Architects modernisierten ein Londoner Reihenhaus und setzten dabei auf pastellige Nuancen sowie eine warme Materialpalette.
Das Viertel Clapham im Südwesten Londons wird von vielen seiner Bewohnerinnen und Bewohner innig geschätzt: für die schnelle Anbindung an die Innenstadt per U-Bahn, für die mit drei Teichen und rund 90 Hektar Grünfläche beinahe vorstädtisch anmutende Umgebung sowie für die viktorianischen Wohnsiedlungen, die eine zugleich bürgerliche und multikulturelle Bevölkerung anziehen.
Seit Jahren gehören dazu auch Tanya Grigoroglou und Rupert Worrall, die als Duo hinter der Londoner Galerie RAW Editions stehen. Das Paar lernte sich 2010 im Auktionshaus Bloomsbury kennen, teilt eine intensive Sammelleidenschaft und machte sich 2017 mit RAW Editions selbstständig. Als Grigoroglou und Worrall 2019 ein Haus in ihrem Lieblingsviertel und langjährigen Wohnort Clapham erwarben, sollte dort nicht nur ein funktionales Zuhause entstehen, sondern zugleich eine Kulisse für die Druckgrafiken und Editionskunstwerke der Galerie.
Bühne für die Kunst
Die vier Etagen versprachen räumliches Potenzial, wirkten bei der Übernahme aber vor allem dunkel und unzusammenhängend. Das Erd- und das Untergeschoss wurden von den Vorbesitzer*innen als Gewerbeflächen genutzt, der Wohnbereich lag darüber und war klar abgetrennt. Tanya Grigoroglou und Rupert Worrall wollten in ihrem Haus ebenfalls ihr Leben und ihr Unternehmen unter einem Dach zusammenbringen, aber die Grenzen zwischen dem Privaten und dem Öffentlichen sollten dabei fließend verlaufen. Das Interieur sollte zur Bühne für die Kunst und die Inszenierung zum Beispiel für das Leben mit den kuratierten Werken werden. Das Paar beauftragte deshalb das Londoner Büro O'Sullivan Skoufoglou Architects, das eine kollaborative und kooperative Arbeitsweise mit seinen Auftraggeber*innen und Handwerker*innen schätzt, aber auch pragmatische und fantasievolle Lösungen sucht.
Galerie im EG
Nach dem Betreten des Hauses gelangen Besucher*innen jetzt in einen offenen, hohen und lichtdurchfluteten Raum mit bodentiefen Fenstern zum Garten, der als sozialer Treffpunkt zwischen Innen und Außen genutzt wird. Weil gerahmte Kunstwerke die wichtigsten und häufigsten Elemente der Einrichtung sind, wurden in allen Räumen Präsentationsflächen, Ablagen, Regale und Displays integriert. So geht der Kamin im Wohnzimmer in eine Ablage aus rotem Terrazzo über und im Flur des Treppenhauses wird die Wand von einem hölzernen Regal eingenommen.
Als herausfordernd erwies sich für die Architekt*innen die Entwicklung der Farbpalette des Interieurs. Ganz bewusst sprachen sich die Auftraggebenden gegen eine White-Cube-Ästhetik aus – gerade weil man diese von einer Galerie erwarten würde. Stattdessen gibt es nun Farbe: Gedämpfte Rosénuancen, Vanilletöne und pudriges Grün treffen auf gezielt gesetzte kräftige Akzente, etwa in Form eines wasserblauen Esstischs, signalroter Armaturen oder grasgrüner Hocker.
Schleuse zur privaten Zone
Das Treppenhaus übernimmt die Funktion einer Schleuse zu den oberen Etagen und damit zum privaten Familienbereich, während das Erdgeschoss abends durch markant rote Fensterläden verschlossen und damit von der geöffneten Galerie zum Teil der privaten Zone wird.
Das Mobiliar – wie Stauraum, Küche, Sitznischen oder Arbeitstische – wurde auf Maß gefertigt und präzise in die Architektur integriert. Durch diese Reduktion entsteht eine formale Ruhe. Inszeniert wurden Materialien und Texturen. Die natürliche Maserung des Holzes tritt durch Leinölbeize sichtbar in Erscheinung, farbig furnierte Flächen verleihen den Einbauten Tiefe und in den Terrazzo-Boden eingelegte Betonfliesen zonieren die Küche. Die tonal sanfte und bewusst komponierte Materiallandschaft resoniert mit der wechselnden Präsentation der Galerie und wird zur Bühne für ein dynamisches Leben mit der Kunst.
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