Goldener Schnitt
Einfamilienhaus von Raúl Sánchez Architects bei Barcelona
Von der Straße aus hermetisch verschlossen, öffnet sich das Einfamilienhaus am Steilhang zum Tal hin. Raúl Sánchez Architects haben bei Barcelona ein Zusammenspiel von Architektur und Interiordesign geschaffen, das die umgebende Landschaft einbezieht.
Das 175 Quadratmeter große Einfamilienhaus befindet sich in der katalanischen Kleinstadt Sant Cugat del Vallès – rund 17 Kilometer entfernt von Barcelona. Auf einem steilen Hanggrundstück gelegen, hat man von dort aus einen Weitblick über das Tal und die Berge.
Steilhang als Herausforderung
Das Gebäude wurde von Raúl Sánchez Architects so geschickt an die herausfordernde Topographie angepasst, dass die umgebende Landschaft weitgehend erhalten blieb. Größere Aushubarbeiten im Schiefergestein konnten vermieden werden und der alte Baumbestand steht noch immer an Ort und Stelle – nur zwei Bäume mussten weichen. Das kubische Haus berührt den Boden kaum, denn es wird von Betonwänden getragen, die als strukturelle Elemente dienen. So entsteht ein Baukörper, der zu schweben scheint. Auch die in Erdtönen gehaltene Fassade trägt zum harmonischen Gesamtbild bei.
Sorgfältige Choreografie
Während das Äußere der Casa Magarola von der Straße aus gesehen wie ein hermetisch abgeriegelter Kubus wirkt, öffnet sich das Haus mit den großen Fensterbändern zur Rückseite hin. Das Volumen wirkt geradlinig, wobei drei der Fassaden – die zum Eingang und zu den Nachbargebäuden – sorgfältig platzierte, zurückhaltende Öffnungen aufweisen. Einige davon sind mit Gitterblenden versehen, um das Sonnenlicht zu regulieren. Der Eingang zum Haus wurde von den Architekt*innen mittels einer raffinierten architektonischen Szenografie gestaltet: Eine freitragende Treppe führt vom Parkplatz hinunter zu einer Terrasse, die in eine geräumige Wohnküche übergeht. Dort schaffen große Schiebefenster einen beinahe nahtlosen Übergang zwischen Innen- und Außenbereich – ein Dialog, der an vielen Stellen des Hauses weitergeführt wird.
Lichtdurchfluteter Floating Space
Luftig, weit und klar wirkt auch das Innere. Das liegt zum einen am Floating Space im Hauptgeschoss, der verschiedene Funktionen wie Kochen, Essen und Wohnen zusammenfasst und ein großzügiges Raumgefühl entstehen lässt. Ein veritabler Eyecatcher in der Küche ist ein großer maßgefertigter Esstisch aus Ortbeton und Ceppo-di-Gré-Gestein, der von einer raumhohen Küchenzeile umgeben ist. Während Wände, Böden und Decken im Wohnbereich in neutralen Weißtönen gehalten sind, setzen Möbel, Leuchten und Kunstwerke teils farbstarke Akzente – darunter Entwürfe aus den Sechzigerjahren von Vico Magistretti (Cassina), Osvaldo Borsani (Tecno), Federico Correa & Alfonso Milá (Gres) und Joan Antoni Blanc (Tramo), aber auch zeitgenössische Stücke von Herstellern wie Vitra und Nanimarquina.
Dialog zwischen Innen und Außen
Skulpturale Qualitäten besitzt die dunkelrote Metallwendeltreppe, die den zentralen Wohnbereich mit den beiden anderen Stockwerken verbindet, wobei der Grundriss des Hauses dem Goldenen Schnitt folgt. Das Obergeschoss ist dem privaten Wohnen vorbehalten. Dort befinden sich drei Schlafzimmer mit zwei Bädern. Der Master Bedroom ist mit einem En-Suite-Badezimmer und einem begehbaren Kleiderschrank ausgestattet. Zwei in die Fassade eingeschnittene Terrassen, die an einen zentralen Verteilerraum angrenzen, schaffen einen ständigen Dialog zwischen Innen und Außen, wie er charakteristisch ist für das gesamte Haus.
FOTOGRAFIE José Hevia José Hevia
| Projektname | Casa Magarola |
| Entwurf | Raúl Sánchez |
| Team | Paolo Burattini, Flavia Thalisa Gütermann, Dimitris Louizos, Carlos Montes |
| Fläche | 175 Quadratmeter |
| Ort | Sant Cugat del Vallés, Barcelona |
| Fertigstellung | 2024 |
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