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Faltbarer Transformer

Ein ländliches Wochenendhaus in Argentinien von Valentín Brügger

Im Herzen der Sierras de Córdoba hat der Architekt Valentín Brügger ein Wochenendhaus geschaffen, das die regionale Bautradition der argentinischen Bergregionen neu interpretiert. Zyklopenbeton, Wellblech und Glas verbinden sich zu einem Monolithen, der sich flexibel zur Landschaft öffnet oder einen hermetischen Schutzraum bildet.

von Tanja Pabelick, 29.09.2025

Die Sierras de Córdoba liegen im Herzen Argentiniens, westlich der zweitgrößten Stadt Córdoba. Die bis zu 2.800 Meter hohen Gipfel des Mittelgebirges machen die Region zu einem beliebten Ziel für Städter*innen, die eine Auszeit in der Natur suchen. Das Bergklima hatte auch Einfluss auf die traditionelle lokale Bauweise: Die Räume der Wohnhäuser sollten im Sommer kühl und im Winter gut isoliert sein. Daher errichtete man dicke Wände, lagerte Veranden – die sogenannten Galerías – als Schattenspender vor und hielt die Fenster möglichst klein. Die Satteldächer dieser ortstypischen Gebäude sind leicht konstruiert und bestehen aus Metallblechen und Stangen.

Als der in Córdoba arbeitende Architekt Valentín Brügger beauftragt wurde, ein Wochenendhaus am Fuße der Berge zu planen, entschied er sich für eine Hommage an die traditionelle Baukultur sowie für eine flexible Konstruktion, die einen optionalen Anschluss an die Natur ermöglicht.

Findlinge im Zyklopenbeton
Das Grundstück ist mit einer Länge von dreißig Metern und einer Breite von zehn Metern eine mittelgroße Streifenparzelle. Der Grundriss der Casa Lelis nimmt diese Geometrie auf und übersetzt sie in ein System gerasterter Bänder. Diese strukturieren im Erdgeschoss das Wohnzimmer, die Küche und Bäder sowie die Terrasse. Das Obergeschoss, das eine Hälfte des Dachs einnimmt, besteht aus zwei kleinen Räumen, in denen sich die Schlafzimmer befinden. Dabei ist nicht nur die Organisation des Hauses ein Patchwork, sondern auch die Materialwahl. Holz trifft auf Wellblech und Beton auf Glas. Neben der grauen Zementbasis wurden alle weiteren Elemente monochrom weiß lackiert und bilden so einen Block. Das konstruktive Herz des Hauses ist jedoch ein Baukörper aus Zyklopenbeton. Diese Bauweise ist typisch für die Region. Sie verwendet lokale Natursteine und Findlinge, die in den Beton eingebracht werden und sich in der Masse verklammern. Dadurch wird weniger Zement benötigt und gleichzeitig eine einzigartige Ästhetik erzeugt, bei der die Steine in den Wandflächen sichtbar sind.

Treffpunkt Salamandra
Auch im Inneren des Betonkörpers setzt der Architekt auf eine massive Ästhetik: Regale, Küchenblock und Tresen bestehen aus demselben Material. Sie sind in die Wände integriert und gehen fließend in den Boden über. Der „Salamandra”, ein traditioneller argentinischer Holzofen aus Gusseisen, wurde ebenfalls als festes Element eingeplant und bildet den zentralen Treffpunkt im Haus. Neben den wandhohen Glaselementen, die die innenliegende Terrasse vom Wohnbereich trennen, hat Brügger zwei weitere Öffnungen in die Fassade integriert, die über die Funktion des Lichteinfalls hinausgehen. Die zwei facettenförmigen Öffnungen wurden im Treppenhaus und neben der Küche positioniert und erwecken den Eindruck, als wären zuvor eingegossene Steine herausgebrochen. Das Fenster im Durchgangsbereich macht aus der Zwischenetage eine halboffene Terrasse, die zum Garten zeigt. Die Luke neben der Küche wurde durch vorgesetztes Spiegelglas zum Fenster, das als Element der Fassade die Berglandschaft reflektiert.

Zwischen Offenheit und Rückzug
Die Casa Lelis ist ein naturverbundenes Wohnhaus. Fast die Hälfte des Erdgeschosses wird von einem Patio eingenommen, der als Teil des Hauses formuliert ist. Flexible Wandmodule ermöglichen die komplette Öffnung zum Vor- und Hintergarten und machen das Gebäude zu ihrem verbindenden Element. Werden die beweglichen Module abends geschlossen, sind die gesamten Innenräume vor Blicken, Zugang und Witterung geschützt. Die massive Ästhetik kombiniert Brügger immer wieder mit Details, die Leichtigkeit kommunizieren, wie dem Eingangstürgriff, der aus vier Micosa-Steinen besteht, oder einer Feldstein-Stufe, die über der Terrasse zu schweben scheint. Da die Casa Lelis als Wochenendhaus genutzt wird, kann sie bei Abwesenheit zu einem festungsartigen Gebäudemonolithen werden. Dann fügt sie sich mit ihrem formal reduzierten Auftreten zurückhaltend in die Landschaft ein. „Durch die differenzierte Öffnung hin zur Berglandschaft, die das Haus in die Umgebung integriert, sowie durch die Überlagerung verschiedener Bautechniken wird ein Dialog zwischen dem Wesentlichen, dem Dauerhaften und dem Flüchtigen hergestellt“, beschreibt Valentín Brügger sein Projekt.

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Projektinfos
Projektname Casa Lelis
Entwurf Valentín Brügger / Vbrügg
Standort Los Reartes, Córdoba
Fläche 128 Quadratmeter
Fertigstellung 2024
Links

Entwurf

Valentín Brügger / Vbrügg

Vbrugg

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