Neuanfang durch Wiederaufbau
Transformation eines Einfamilienhauses in Slowenien von OFIS
Mit neuen Materialien und alten Proportionen bauten die Architekt*innen von OFIS ein Einfamilienhaus am Stadtrand von Ljubljana erst ab und dann wieder auf. Das Umbauprojekt verbindet luftige Räume mit Respekt für den Bestand.
Zwischen 1965 und 1982 entstand in Slowenien mit Naselje Murgle eines der größten architektonischen Experimente der Nachkriegszeit. Die nahezu autofreie Siedlung mit kleinen Einfamilienhäusern aus Holz proklamiert mit ihren praktischen Grundrissen einen einfachen Lebensstil. Sie ist so angeordnet, dass möglichst wenig Bäume in dem ehemaligen Sumpfgebiet gefällt werden mussten. Beeindruckt von skandinavischen Vorbildern, arbeiteten die Architekt*innen Ivan und Marta Ivanšek mit vorgefertigten Bauelementen und einer nordischen Ästhetik. Bis heute ist das Viertel ein beliebtes Wohngebiet. Doch wie lässt sich sein Charme aufrechterhalten, wenn Privatbesitzer*innen die in die Jahre gekommenen Häuser individuell an die Erfordernisse der Gegenwart anpassen wollen?
Radikal und zurückhaltend
Dieser Herausforderung stellte sich das Architekturbüro OFIS. Der Umbau eines am Rand der Siedlung stehenden Hauses mit Zugang zu einem Park sollte vor allem eins mit sich bringen: mehr Platz. Weil in der Fassadenverkleidung und den Dachziegeln Asbest verbaut war und auch die Holzkonstruktion nicht mehr heutigen Anforderungen entsprach, entschlossen sich die Planer*innen zu einem radikalen Schritt. Sie bauten das Haus ab, nur um es mithilfe von Brettsperrholz mit einem erweiterten Grundriss wieder aufzubauen. Die Proportionen und der charakteristische Minimalismus blieben dabei erhalten. „Die neue Struktur ist ökologisch, luftdicht und thermisch robust – aber ihre architektonische Präsenz bleibt bewusst zurückhaltend“, erklärt der Architekt Rok Oman, der OFIS vor 25 Jahren mit seiner Kollegin Špela Videčnik gegründet hat. „Das Ziel war nicht, Murgle neu zu gestalten, sondern einen Teil davon zu reparieren, ohne das Gesamtbild zu stören.“
Anbau mit Aussicht
Die Westseite des neuen House under the Poplars (zu Deutsch: Haus unter den Pappeln) öffnet sich zu einem Park mit einer Konstruktion, die an ein Gewächshaus erinnert. Rok Oman spricht von einem „Raum aus Holz und Glas unter einem lang gestreckten Dach, der Alt und Neu zu einer einzigen Silhouette verbindet“. Eingefasst wird die Glasfassade von zwei Säulen aus Ziegeln, die die Verbindung zum ursprünglichen Bau herstellen. Der auf diese Weise erweiterte Wohnraum dient als Pufferzone zwischen Innen- und Außenbereich. Eine direkt davor stehende Birke konnte erhalten werden, indem das Fundament Platz für ihre Wurzeln lässt. Damit folgt das Team von OFIS der Murgle-Philosophie eines „Designs mit Bäumen“.
Offenheit und Rückzug
Der große Wohnraum erhält durch die mit Holz verkleidete Decke eine warme Atmosphäre und unterstreicht die skandinavischen Einflüsse. Ein großer Kamin spendet Wärme. Der in den Boden eingelassene Weinkeller ist durch eine transparente Scheibe mit dem Raum verbunden. Mit dem offenen Grundriss werden die Architekt*innen dem Bedürfnis der Bauherr*innen nach Gemeinschaft gerecht. Zwei Schlafzimmer mit Bad sowie ein kleines Arbeitszimmer bilden die Rückzugsbereiche des Hauses.
Trotz des Umbaus hat das House unter the Poplars seinen Charme nicht eingebüßt. Eine „kollektive Lowtech-Intelligenz“ und der „Murgle-Archetyp“ dienten als konsequente Richtschnur für den Umbau von OFIS. Das Haus entspricht nun hohen zeitgenössischen Standards und bewahrt gleichzeitig die Bescheidenheit, Klarheit und menschliche Dimension, die die Siedlung ausmachen.
FOTOGRAFIE Tomaz Gregoric
Tomaz Gregoric
| Architektur Original | Ivan und Marta Ivanšek |
| Umbau | OFIS arhitekti |
| Team | Rok Oman, Špela Videčnik, Janez Martinčič, Andrej Gregorič, Matej Krajnc, Borut Bernik, Rok Dolinšek, Giulia Sgro |
| Fertigstellung | 2025 |
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