Projekte

Neue Freiheit

Umbau eines Madrider Wohnhauses von Extrarradio

Ein kleines Reihenhaus in Madrid wurde radikal neu gedacht. Das Studio Extrarradio baute den Bestand auf seine Grundmauern zurück und ließ dann nur das Notwendigste einziehen. Für den künftigen Bewohner waren das: zwei pistaziengrüne Raumkuben, eine Schreibtisch-Balustrade und ein Mini-Pool im Hof.

von Tanja Pabelick, 09.03.2026

Ein Haus ist mehr als ein Schutzraum, es spiegelt auch die Persönlichkeit seiner Bewohner*innen wider. In Grundriss, Möbeln, Material und Lichtinszenierung offenbaren sich Gewohnheiten, Interessen und Stil. Die Frage nach der besten räumlichen Antwort für ein kleines Reihenhaus im Madrider Stadtteil Carabanchel wurde dem Designstudio Extrarradio gestellt. Sie kam vom neuen Eigentümer, einem jungen Kreativen aus der Musikindustrie, der sich auf den zwei Etagen mit ihren gerade einmal 68 Quadratmetern viele Möglichkeiten für Gemeinschaft wünschte. Entstehen sollte ein Ort, der auf Treffen, Abendessen und Feste ausgerichtet ist und dennoch Raum für Rückzug und Plätze zum Arbeiten bietet.

Der Ist-Zustand sprach jedoch eine andere Sprache: Im Erdgeschoss befanden sich eine Küche, das Wohnzimmer und ein kleines Bad, im Layout des oberen Geschosses drängten sich drei beengte Schlafzimmer und ein schmaler Flur. Selbst der kleine Patio war verbaut. Aus Platzmangel hatten die Vorbesitzer*innen ihn mit transluzentem Polycarbonat überdacht und als Stellfläche umgenutzt. Offenheit und soziale Interaktionsräume? Der Bestand präsentierte sich als Antithese.

Radikaler Rückbau
Für das Gebäude aus den Vierzigerjahren galt daher: Alles muss raus. Der Architekt Antonio Antequera Reviriego, Gründer von Extrarradio Estudio, entfernte sämtliche nicht notwendigen Elemente und Wände der Innenstruktur und schuf so zunächst Platz für neue Perspektiven. Wie auf einer leeren Bühne wurden nach und nach die funktionalen Akteure des neuen Raumprogramms platziert. Dabei blieb die grundlegende Aufteilung – unten Wohnen, oben Schlafen – erhalten: Im Erdgeschoss entstanden entlang eines zickzackförmigen Pfads Bänke, Treppen, Kücheninsel und Stauräume sowie eine kleine Außenbadewanne und ein Gäste-WC, während das eigentliche Badezimmer unter das Dach verlegt wurde.

Um die Offenheit der beiden Etagen so radikal wie möglich zu bewahren und zugleich private Bereiche zu schaffen, wurden keine neuen Wände eingezogen, sondern funktionale Einheiten eingefügt. Im Obergeschoss beherbergen zwei autonome Volumen in Grün das neue Badezimmer und eine weitere Schlafmöglichkeit für Gäste. Diese Räume im Raum reichen jedoch nicht bis zur Decke. Sie fungieren als Übergangselemente zwischen dem Hauptschlafzimmer und dem Arbeitsbereich. Darüber bleibt ein Luftraum und es entstehen Podeste, die ebenfalls nutzbar sind – etwa als Abstellflächen.

Zwei Kuben, Küche, Bad
Ebenso wie die Kuben folgen auch die anderen neuen Raumelemente einem pistaziengrünen Farbcode. Das Treppenmodul mit integrierter Schrankfläche unter den Stufen, die lange Sitzbank im Erdgeschoss und die Wangen der Küchenzeile wurden farbig lackiert – und dieser Ton setzt sich auch im neu gestalteten Außenbereich fort. Zwei Türen öffnen sich von der Wohnküche zum Hof: Die eine führt auf eine kleine Terrasse, die andere zu einer Gartendusche mit halbkugelförmiger Badewanne in einem massiven Betonblock. Dazwischen wurde ein Erdstreifen angelegt, der künftig als Garten mit viel Potenzial für gesellige Dinnerpartys genutzt werden soll. Gleichzeitig ist der Patio mit seinem Wasserbecken vor allem an heißen Sommernachmittagen auch ein Fluchtraum vor den Temperaturen der spanischen Hauptstadt.

Offen für Interpretationen
Durch die offene Struktur lassen sich die Funktionsräume des Hauses immer wieder neu konfigurieren. Die Wohnküche kann tagsüber als temporäres Aufnahmestudio dienen und anschließend Schauplatz eines Dinners werden, das sich langsam in den Garten verlagert. Die Treppe wandelt sich zur Sitzgelegenheit, die Bank zum Sideboard, und die Flächen auf den Raumkuben können mit einer Matratze zu einem Hochbett für Gäste werden.

Extrarradio hat jeden Zentimeter sinnvoll genutzt, indem auf Flure verzichtet wurde und Einbauten so konzipiert wurden, dass sie ihr Potenzial maximieren. Die zur Sicherung der Treppe notwendige Balustrade etwa wurde als L-förmiger Tisch mit Stauraumbasis gestaltet und zeigt, wie hybride Lösungen den verfügbaren Raum optimal ausschöpfen. Auf gerade einmal 68 Quadratmetern hat Extrarradio ein klar strukturiertes und kreatives Konzept realisiert, das viel Freiheit für funktionale Interpretationen lässt und sich dem Leben seines Bewohners dynamisch anpasst.

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Projektinfos
Projektname TET
Entwurf Extrarradio
Typologie Umbau
Ort Carabanchel, Madrid
Fläche 68 Quadratmeter
Fertigstellung Juli 2025
Fotografie Germán Saiz

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