Projekte

Fifty Shades of Marble

Mistovia verwandelt einen Krakauer Rohbau in ein Zuhause mit Atelier

Drei Kreative, eine lange Freundschaft und eine gemeinsame ästhetische Sprache verwandelten einen Krakauer Rohbau in ein Zuhause inklusive Büro und Atelier. Marcin Czopek vom Designstudio Mistovia hat für das Grafikduo Bisoñ eine neue Wohnung mit lauteren und leiseren Gestaltungsmomenten entworfen.

von Tanja Pabelick, 21.04.2026

Die erste Begegnung der drei Köpfe hinter diesem unkonventionellen Wohnprojekt in Krakau ergab sich auf einer Designmesse in Łódź. Dort traf Marcin Czopek, Gründer des Designbüros Mistovia, auf die Gründer*innen des Grafikstudios Bisoñ, Agata Łobaczuk-Bizoń und Przemek Bizoń. Damals standen alle noch am Anfang ihrer Karrieren. Sie begannen, sich gegenseitig kreativ zu unterstützen. Das Bisoñ-Duo gestaltete das Logo und die gesamte visuelle Identität des Interiordesignstudios Mistovia und traf damit die unverwechselbare ästhetische Sprache von Marcin, der ein Meister der eklektischen Material-, Farb- und Texturkombinationen ist.

Aus der Zufallsbegegnung wurde eine enge Freundschaft. Eines Tages meldete sich das Paar bei Marcin: Sie hatten gerade ein Haus im Rohbauzustand am Krakauer Stadtrand gekauft und suchten einen Designer für die Planung von Ausbau und Interieur. Marcin sagte sofort zu. „Für Freunde zu gestalten, ist immer mit mehr Emotionen verbunden, bringt aber auch mehr Zufriedenheit“, erzählt er. „Es ist schön, etwas in das Leben von Menschen einzubringen, die mir am Herzen liegen.“

Ein Block für alle Wohnzonen
Zuvor hatte das Paar im Zentrum von Krakau gewohnt und Büroräume in der Nähe angemietet. Im neuen Haus sollte stattdessen ein Homeoffice auf den 125 Quadratmetern Grundfläche integriert werden. Es ist damit nicht nur ein Zuhause für Agata und Przemek, sondern auch die Visitenkarte ihres Grafikstudios. Marcin hatte daher die Aufgabe, Wärme und Gemütlichkeit mit einem starken gestalterischen Ausdruck zu verbinden.

Im Erdgeschoss hielt er das Layout so offen wie möglich. Die Funktionsbereiche sind nun um den Kamin angeordnet, der von einem hölzernen Einbaumöbel umschlossen und versteckt wird. Diele, Küche, Essbereich und Wohnzimmer fließen ineinander. Der zentrale Block wirkt wie eine Wohnskulptur, die sich zu allen Seiten etwas anders zeigt. Im Eingangsbereich bietet sie Stauraum hinter schwarzen Fronten, zur Küche und zur Sofaecke hin ist das Element weich abgerundet und elegant mit hellem Eichenholzfurnier verkleidet.

Inszenierte Kontraste
Weil Marcin von Mistovia in diesem Rohbau auch die Möglichkeit hatte, Böden und Wandbeläge auszuwählen und auf das übrige Interieur abzustimmen, wurde Stein zu einem durchgängigen Thema. Mit markanten Texturen und Variationen spiegeln verschiedene geäderte Granitsorten den expressiven Stil der beiden Grafiker*innen wider. Die schwarz-weißen Varianten in Bad, Flur und Küche wirken dramatisch, die Ocker- und Terrakottanuancen hingegen erdend.

Damit aber noch nicht genug des Muts: Indem das Mistovia-Team dazu signalrote Steckdosen, Lichtschalter und Armaturen kombiniert, werden sonst unauffällige Bedienelemente bewusst als Kontraste inszeniert. Arbeitsplatte und Rückwand der Küche sowie ein Regal wurden in einem roséfarbenen Prada Gold Granit ausgeführt. Daran schließt eine Dunstabzugshaube an, deren Technik hinter zu Wellen gebogenen, matten Stahlblechen verborgen ist. Sie unterstreicht die Begeisterung aller Beteiligten für maßgeschneiderte Sonderlösungen mit geometrischen Qualitäten.

Von Piano bis Crescendo
Das Interieur bietet viel Stauraum in den individuell geschreinerten Einbauten, integriert aber auch offene Regale. Agata und Przemek sammeln besondere Objekte wie Geschirr, Vasen oder Porzellanfiguren. Dazu zählt die gläserne, als Bonbonniere gedachte Henne aus der Glashütte Ząbkowice. Diese Schätze sollten nicht hinter Türen verschwinden, sondern ausgestellt werden und dem Interieur eine persönliche Note geben. Eines der Lieblingszimmer der Bewohner*innen ist das Badezimmer im Erdgeschoss. Es befindet sich zwar unter der Treppe und hat keine Fenster, bringt aber auf seiner kompakten Fläche roten Travertin, Maserholz, Wandmosaike, ein kobaltblaues Waschbecken und eine rote italienische Armatur zusammen.

Das Obergeschoss präsentiert sich ruhiger und privater. Dort liegen Schlafzimmer, Atelier und Büro, die mit dunklen Möbeln, viel Textil und Holz sowie einer warmen Beleuchtung ausgestattet sind. Obwohl die Dynamik dieser Gesamtkomposition zwischen Piano und Crescendo variiert, ist durch das stringente Patchwork-Prinzip eine durchgängige Harmonie entstanden. „Alles hier hat sein eigenes Tempo, sein eigenes Licht. Die Formen sind unerwartet, mal weich und fließend, mal klar und geometrisch, wie ein Gespräch zwischen unterschiedlichen Persönlichkeiten, die dennoch harmonisch miteinander klingen“, sagt Marcin.

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Links

Innenarchitektur

Mistovia

www.mistovia.com

Auftraggeber

bisoñ studio

www.bison-studio.com.pl

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