Projekte

Licht im Laub

Wohnhaus mit Anbau von ConForm in London

Von außen betrachtet vermittelt das Londoner Reihenhaus Komorebi viktorianische Ordnung. Doch hinter der Fassade transformierte das Büro ConForm den Bestand mit stiller Radikalität – und überführte die komplexen Split-Level in ein stimmiges Gefüge aus gesteuertem Licht und warmer Materialität.

von Tanja Pabelick, 23.03.2026

Weiche Holznuancen, Leinen, beigefarbene Wände und kieselgraue Steinflächen treffen auf klare Geometrien und fein abgestimmte Texturen, die den Raum subtil strukturieren. Das asketische Interieur des Hauses mit dem japanischen Namen Komorebi wirkt wie auf Farbentzug gesetzt. Es könnte sich mit dieser Ästhetik ebenso gut in Tokio oder Stockholm befinden.

Eine andere Sprache spricht die viktorianische Fassade, die sich hinter einem kleinen, eingemauerten Vorgarten erhebt. Sie ist typisch für den tatsächlichen Standort des Reihenhauses in Dulwich, einem wohlhabenden und gutbürgerlichen Stadtteil im Süden Londons. Zugleich ist sie eines der letzten Elemente der traditionellen Architektur, das noch im Originalzustand aus der Bauzeit erhalten ist. Denn das ortsansässige Architektur- und Innenarchitekturbüro ConForm verwandelte das historische Gebäude für die neuen Bewohner – einen Vater und seine zwei Söhne – in ein offenes und lichtdurchflutetes Familienhaus.

Halbe Treppe
Die Gestalter*innen sahen sich mit einem ungewöhnlichen Layout konfrontiert, das sich in horizontalen Schichten entfaltet. Sie entschieden sich, diese nicht zu glätten, sondern gezielt zu verstärken. „Das Haus hatte interessante Niveauwechsel. Wir haben sie bewusst aufgenommen und genutzt, sodass sich die Familie verbunden fühlen kann – selbst wenn sie sich auf verschiedenen Etagen aufhält“, erklären die Planer*innen von ConForm.

Das Motiv der Durchlässigkeit zeigt sich beispielsweise im Treppenhaus: Dank der Lufträume, offenen Treppenstufen und perforierten Bodenplatten aus Stahl können Licht, Luft und Geräusche hindurchdringen. Dadurch wird auch das vorhandene Dachoberlicht maximal genutzt, das viel Tageslicht tief ins Innere des Hauses lenkt. Zwischen Altbau und neuem Gebäudeteil positioniert, wirkt diese Inszenierung wie ein Herz aus Licht, das kaskadenartig durch die Ebenen, Treppenstufen und perforierten Böden strömt. „Das Haus wird über die Ebenen hinweg vom Licht zusammengehalten“, sagen die Architekt*innen.

Paternoster mit Werkbank
Der Auftraggeber wünschte sich eine Aufteilung des Hauses in verschiedene Zonen für die einzelnen Familienmitglieder sowie flexible Räume, die auf die Veränderungen des Zusammenlebens mit zwei Teenagern reagieren. Außerdem sollten gemeinschaftliche Bereiche entstehen, in denen sich die Familie zum Essen, Spielen und Entspannen treffen kann. Für das Miteinander wurde das Erdgeschoss mit Zugang zum Garten gewählt. Der Vater zog mit seinem Schlafzimmer ins Mittelgeschoss und die beiden Söhne haben ihre Zimmer unter dem Dach.

Im Anbau, dessen Geschosse um eine halbe Etage versetzt sind und dennoch offen zu den Räumen des Haupthauses stehen, befindet sich die Küche. Darüber liegt ein verglaster Arbeitsraum. Ein besonderes Detail ist die Doppelfunktion des Küchentresens. Angrenzend an die offene Wand zum Wohnzimmer und zur ersten Etage schwebt der Küchenraum wie ein vorbeifahrender Paternoster zwischen den Geschossen. Der Tresen übernimmt dabei die Funktion einer Sicherheitsbrüstung und ist gleichzeitig eine Werkbank mit Aussicht.

Stille Komplexität
Die ästhetische Konsistenz, die maßgeschneiderten und präzise gefertigten Einbauten sowie die sorgfältig ausgewählten Materialien verwandeln das Haus in einen Rückzugsraum, der Ruhe ausstrahlt. Gekalkter Mörtel, kreideweiße Ziegel, Ceppo-di-Gré-Stein und massives Eichenholz, das für Treppen, Türen, Böden und Möbel verwendet wurde, erzeugen eine geerdete Wirkung und eine stille Komplexität.

Es handelt sich um eine Architektur, die sich weniger aus Wänden und Flächen als aus Lufträumen, Lichtinszenierungen, Volumen und Sichtachsen zusammensetzt. Dieses Konzept inspirierte die Architekt*innen auch bei der Namensgebung des Hauses. Mit dem japanischen Begriff Komorebi wird das stille und erhebende Gefühl beschrieben, das entsteht, wenn geflecktes Sonnenlicht durch Blätter fällt.

Facebook Twitter Pinterest LinkedIn Mail
Projektinfos
Projektname Komorebi
Entwurf ConForm
Typologie Anbau
Ort East Dulwich, London
Fläche 215 Quadratmeter
Fertigstellung 2025
Fotos James Retief
Links

Entwurf

ConForm

conformarchitects.com

Mehr Projekte

Geheilter Bestand

Umbau und Erweiterung eines Fuhrwerkerhauses in Düsseldorf von Nidus

Umbau und Erweiterung eines Fuhrwerkerhauses in Düsseldorf von Nidus

Im Rhythmus des Alltags

Unkonventioneller Umbau in Barcelona von Skye Maunsell und Jordi Veciana

Unkonventioneller Umbau in Barcelona von Skye Maunsell und Jordi Veciana

Neubau mit Seele

Wohnhaus der Innenarchitektin Julie Thiers in Flandern

Wohnhaus der Innenarchitektin Julie Thiers in Flandern

Spuren im Bestand

Umbau einer Villa in Posen von Adam Wierciński

Umbau einer Villa in Posen von Adam Wierciński

Mehr Raum als Quadratmeter

Wohnungsumbau Casa JAM von gon architects in Madrid

Wohnungsumbau Casa JAM von gon architects in Madrid

Salbeigrün in Florenz

Sanierung einer historischen Villa in Florenz von bucci quentin

Sanierung einer historischen Villa in Florenz von bucci quentin

Hierarchie in Blockfarben

Apartment für zwei in Mailand von Marabelli Marongiu Architetti

Apartment für zwei in Mailand von Marabelli Marongiu Architetti

Das Erbe des Freibeuters

Restaurierung eines Stadthauses in Katalonien von Raúl Sánchez

Restaurierung eines Stadthauses in Katalonien von Raúl Sánchez

Klangfarben des Wohnens

Apartment in Minsk für einen Musikliebhaber von Mihail Kurnosov

Apartment in Minsk für einen Musikliebhaber von Mihail Kurnosov

Alles in Butter

Constanze Ladner kleidet eine Wohnung bei Wiesbaden in sanftes Gelb

Constanze Ladner kleidet eine Wohnung bei Wiesbaden in sanftes Gelb

Wohnen im Werden

Tifliser Hausmodernisierung von David und Alexander Brodsky

Tifliser Hausmodernisierung von David und Alexander Brodsky

Sensibel, aber kompromisslos

Ferienhaus von STEINBAUER architektur+design in Waidmannsbach

Ferienhaus von STEINBAUER architektur+design in Waidmannsbach

Hinter die Fassade geschaut

Umbau in Ostflandern: Objekt Architecten im Dialog zwischen Tradition und Moderne

Umbau in Ostflandern: Objekt Architecten im Dialog zwischen Tradition und Moderne

Fort im Forst

Ringbau von Fernanda Canales im mexikanischen Valle de Bravo

Ringbau von Fernanda Canales im mexikanischen Valle de Bravo

Räume ohne Raster

Ein radikal geöffneter Grundriss von RDTH architekti in Prag

Ein radikal geöffneter Grundriss von RDTH architekti in Prag

Wohnen in der Beletage

Umbau einer Altbauwohnung in Charlottenburg von Batek Architekten

Umbau einer Altbauwohnung in Charlottenburg von Batek Architekten

Grauzone mit Aussicht

Puristisches Rooftop-Apartment von unprofessional.studio in Taipeh

Puristisches Rooftop-Apartment von unprofessional.studio in Taipeh

Generationswechsel im Siedlungshaus

atelier brum baut Kölner Reihenhaus in offenen Wohnbau um

atelier brum baut Kölner Reihenhaus in offenen Wohnbau um

Transluzenter Blockbau

Wohnturm aus Glas und Gitter von Studioninedots in Amsterdam

Wohnturm aus Glas und Gitter von Studioninedots in Amsterdam

Skulpturaler Unterschlupf

Nachhaltige Holzhütte in den Pyrenäen

Nachhaltige Holzhütte in den Pyrenäen

Helix aus Stahl

Architettura Tommasi gestaltet Loft in historischem Adelspalast in Padua

Architettura Tommasi gestaltet Loft in historischem Adelspalast in Padua

Glutroter Kokon

Reihenhaus-Modernisierung von Pablo Sanchez Lopez in London

Reihenhaus-Modernisierung von Pablo Sanchez Lopez in London

Beton und Behaglichkeit

BekArch transformiert eine Prager Backstube in ein helles Studio-Apartment

BekArch transformiert eine Prager Backstube in ein helles Studio-Apartment

Urbaner Lückenfüller

Zwei Wohnbauten von Pend in Edinburgh

Zwei Wohnbauten von Pend in Edinburgh

Fifty Shades of Marble

Mistovia verwandelt einen Krakauer Rohbau in ein Zuhause mit Atelier

Mistovia verwandelt einen Krakauer Rohbau in ein Zuhause mit Atelier

Haus der Gegensätze

Architektura baut in der Nähe von Prag ein ungewöhnliches Familiendomizil im Wald

Architektura baut in der Nähe von Prag ein ungewöhnliches Familiendomizil im Wald

Holz in Bewegung

Wohnhaus im Tessin mit außergewöhnlichem Parkett

Wohnhaus im Tessin mit außergewöhnlichem Parkett

Brücke zum Meer

Wochenendhaus von Omer Arbel in Kanada

Wochenendhaus von Omer Arbel in Kanada

Ziegel im Zentrum

Umbau eines Siedlerhauses in der Uckermark von Klöpfel Zeimer Architekten

Umbau eines Siedlerhauses in der Uckermark von Klöpfel Zeimer Architekten

Zwischen Erhalt und Erneuerung

Umbau eines Fischerhauses von Bea Portabella und Jordi Pagès in Cadaqueés

Umbau eines Fischerhauses von Bea Portabella und Jordi Pagès in Cadaqueés