Licht im Laub
Wohnhaus mit Anbau von ConForm in London
Von außen betrachtet vermittelt das Londoner Reihenhaus Komorebi viktorianische Ordnung. Doch hinter der Fassade transformierte das Büro ConForm den Bestand mit stiller Radikalität – und überführte die komplexen Split-Level in ein stimmiges Gefüge aus gesteuertem Licht und warmer Materialität.
Weiche Holznuancen, Leinen, beigefarbene Wände und kieselgraue Steinflächen treffen auf klare Geometrien und fein abgestimmte Texturen, die den Raum subtil strukturieren. Das asketische Interieur des Hauses mit dem japanischen Namen Komorebi wirkt wie auf Farbentzug gesetzt. Es könnte sich mit dieser Ästhetik ebenso gut in Tokio oder Stockholm befinden.
Eine andere Sprache spricht die viktorianische Fassade, die sich hinter einem kleinen, eingemauerten Vorgarten erhebt. Sie ist typisch für den tatsächlichen Standort des Reihenhauses in Dulwich, einem wohlhabenden und gutbürgerlichen Stadtteil im Süden Londons. Zugleich ist sie eines der letzten Elemente der traditionellen Architektur, das noch im Originalzustand aus der Bauzeit erhalten ist. Denn das ortsansässige Architektur- und Innenarchitekturbüro ConForm verwandelte das historische Gebäude für die neuen Bewohner – einen Vater und seine zwei Söhne – in ein offenes und lichtdurchflutetes Familienhaus.
Halbe Treppe
Die Gestalter*innen sahen sich mit einem ungewöhnlichen Layout konfrontiert, das sich in horizontalen Schichten entfaltet. Sie entschieden sich, diese nicht zu glätten, sondern gezielt zu verstärken. „Das Haus hatte interessante Niveauwechsel. Wir haben sie bewusst aufgenommen und genutzt, sodass sich die Familie verbunden fühlen kann – selbst wenn sie sich auf verschiedenen Etagen aufhält“, erklären die Planer*innen von ConForm.
Das Motiv der Durchlässigkeit zeigt sich beispielsweise im Treppenhaus: Dank der Lufträume, offenen Treppenstufen und perforierten Bodenplatten aus Stahl können Licht, Luft und Geräusche hindurchdringen. Dadurch wird auch das vorhandene Dachoberlicht maximal genutzt, das viel Tageslicht tief ins Innere des Hauses lenkt. Zwischen Altbau und neuem Gebäudeteil positioniert, wirkt diese Inszenierung wie ein Herz aus Licht, das kaskadenartig durch die Ebenen, Treppenstufen und perforierten Böden strömt. „Das Haus wird über die Ebenen hinweg vom Licht zusammengehalten“, sagen die Architekt*innen.
Paternoster mit Werkbank
Der Auftraggeber wünschte sich eine Aufteilung des Hauses in verschiedene Zonen für die einzelnen Familienmitglieder sowie flexible Räume, die auf die Veränderungen des Zusammenlebens mit zwei Teenagern reagieren. Außerdem sollten gemeinschaftliche Bereiche entstehen, in denen sich die Familie zum Essen, Spielen und Entspannen treffen kann. Für das Miteinander wurde das Erdgeschoss mit Zugang zum Garten gewählt. Der Vater zog mit seinem Schlafzimmer ins Mittelgeschoss und die beiden Söhne haben ihre Zimmer unter dem Dach.
Im Anbau, dessen Geschosse um eine halbe Etage versetzt sind und dennoch offen zu den Räumen des Haupthauses stehen, befindet sich die Küche. Darüber liegt ein verglaster Arbeitsraum. Ein besonderes Detail ist die Doppelfunktion des Küchentresens. Angrenzend an die offene Wand zum Wohnzimmer und zur ersten Etage schwebt der Küchenraum wie ein vorbeifahrender Paternoster zwischen den Geschossen. Der Tresen übernimmt dabei die Funktion einer Sicherheitsbrüstung und ist gleichzeitig eine Werkbank mit Aussicht.
Stille Komplexität
Die ästhetische Konsistenz, die maßgeschneiderten und präzise gefertigten Einbauten sowie die sorgfältig ausgewählten Materialien verwandeln das Haus in einen Rückzugsraum, der Ruhe ausstrahlt. Gekalkter Mörtel, kreideweiße Ziegel, Ceppo-di-Gré-Stein und massives Eichenholz, das für Treppen, Türen, Böden und Möbel verwendet wurde, erzeugen eine geerdete Wirkung und eine stille Komplexität.
Es handelt sich um eine Architektur, die sich weniger aus Wänden und Flächen als aus Lufträumen, Lichtinszenierungen, Volumen und Sichtachsen zusammensetzt. Dieses Konzept inspirierte die Architekt*innen auch bei der Namensgebung des Hauses. Mit dem japanischen Begriff Komorebi wird das stille und erhebende Gefühl beschrieben, das entsteht, wenn geflecktes Sonnenlicht durch Blätter fällt.
FOTOGRAFIE James Retief James Retief
| Projektname | Komorebi |
| Entwurf | ConForm |
| Typologie | Anbau |
| Ort | East Dulwich, London |
| Fläche | 215 Quadratmeter |
| Fertigstellung | 2025 |
| Fotos | James Retief |
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