Athener Essenz
Sensible Stadthaus-Modernisierung von Local Local
Ein denkmalgeschütztes Stadthaus wird zur Bühne für lokale Handwerkskunst und griechische Baukultur. Mit präziser Materialwahl, fein dosierten Farben und Respekt vor Ort und Geschichte zeigt ein Athener Projekt des Architekturbüros Local Local, wie zeitgenössisches Wohnen in historischen Mauern gelingt.
Zwischen Akropolis und Agora liegen die verwinkelten Gässchen des Athener Stadtteils Plaka. Für den Verkehr viel zu schmale Sträßchen wechseln sich mit von Cafés besetzten Plätzen ab. Das Viertel ist geprägt von bunt lackierten Fensterläden, Marmorstufen vor den Türen und üppigen Sträuchern, die sich über die Hofmauern recken. Diese urbane Postkartenidylle, die Geschichte, die Lage und der Baubestand machen Plaka nicht nur zu einem Touristenliebling, sondern auch zu einer begehrten Wohngegend.
Hinter der neoklassizistischen Fassade eines Stadthauses hat das Athener Studio Local Local in gerade einmal sechs Monaten ein Zuhause für eine Familie geschaffen. Vom Gehweg öffnet sich die Eingangstür direkt zum Flur und Wohnzimmer. Das Gebäude kann durch eine zweite Tür aber auch über den Hof betreten werden, was typisch griechisch ist. Dabei lässt die unauffällige Front die eigentlichen Ausmaße des Hauses kaum erahnen, denn im Inneren erwartet einen nicht nur historische Eleganz, sondern auch räumliche Großzügigkeit.
Hommage ans Milieu
Die Vorbesitzer*innen hatten die 300 Quadratmeter große Wohnfläche sowie 50 Quadratmeter Balkon und Garten in den 1990er-Jahren renoviert und waren dabei ihrer Idee von hochwertigen Materialentscheidungen gefolgt. Glänzende Marmorflächen und schweres, dunkles Holz prägten das Interieur. Sie kollidierten mit dem offenen, weitläufigen Grundriss und den historischen Details. Die Architekt*innen von Local Local ließen sich auch von anderen Impulsen als ausschließlich den ästhetischen Präferenzen ihrer Auftraggeber*innen leiten. Sie schauten sich das Milieu und die Nachbarschaft, den baulichen Kontext und das stilistische Erbe an.
Ziel war es, dem Haus seine Offenheit, Leichtigkeit und Ruhe zurückzugeben und eine Harmonie zwischen Innen und Außen herzustellen. Große bauliche Veränderungen waren dabei nicht möglich, da das Gebäude unter Denkmalschutz steht. Vor allem in Bezug auf die Fenstersituation war das eine Herausforderung. Der lokalen Bautradition folgend verfügt das Haus über sehr breite, massive Steinwände und begrenzte Fensteröffnungen. Diese sorgen in den heißen Sommern zwar für kühle Innenräume, limitieren aber den Tageslichteinfall.
Terrazzo rot-weiß
Neben den neuerdings hellen Wandflächen verbessert nun auch der Boden die Lichtstimmung und Atmosphäre. Im Erdgeschoss wurde ein neuer Terrazzo gegossen. Der zementgebundene Boden mit Glas- und Marmorzuschlägen hat in Griechenland eine Tradition, die bis in die Antike zurückreicht. Damit ist er eine bewusst gewählte Referenz an die lokale Baukultur. Während in Küche, Flur und Bädern graue Pigmente und Zuschläge zum Einsatz kamen, ist das Wohnzimmer, größter Raum des Hauses und zentraler Treffpunkt der Familie, in einem kräftigen Rot gehalten. Mit Kamin und deckenhohen Bücherregalen ist es auf eine warme und gemütliche Atmosphäre ausgerichtet.
Über den Flur und die historische Holztreppe gelangt man ins Obergeschoss, wo sich mit vier Schlafräumen, zwei Bädern und einer Dachterrasse alle privaten Räume der Familie befinden. Dort liegen durchgängig massive Eichenholzbalken, die in einem leicht abgetönten Weiß lackiert wurden. Da sämtliche Details – historische sowie ergänzte – einheitlich weiß gefasst sind, wird die Raumhülle zum Lichtreflektor und zugleich zur neutralen Bühne für Möblierung und Nutzung.
Tinos-Marmor und lokale Handwerkskunst
Um präzise auf die Formensprache und den Stil der Bauzeit des Hauses im 19. Jahrhundert reagieren zu können, wurden Einbauten wie Bücherregale, Heizkörperverkleidungen und Sockelleisten von lokalen Handwerker*innen individuell angefertigt. Auch der Kamin wurde überarbeitet, weiß verkleidet und mit grünem Marmor von der Kykladeninsel Tinos eingefasst. An ihm zeigt sich beispielhaft, wie das Team von Local Local Farbe einsetzt – als gezielte Tupfer auf einer neutralen Leinwand. In der Küche sind es eine rote Hängeleuchte und rot lackierte Stühle, im Bad leuchtet ein taubenblauer Konsolentisch hervor und im Obergeschoss eine kanariengelb gestrichene Wand. Diese behutsame Farbdosierung war eine bewusste Entscheidung, um das Haus mit Sichtbeziehung zur Akropolis orts- und geschichtssensibel zu modernisieren. Die Architektin Sofia Xanthakou resümiert: „Der Entwurf respektiert den historischen Charakter des Gebäudes und führt zugleich zeitgenössische, verspielte Gesten ein, die Licht, Wärme und Familienalltag in das Haus bringen.“
FOTOGRAFIE Lorenzo Zandri Lorenzo Zandri
| Projektname | Plaka House |
| Entwurf | Local Local |
| Team | Sofia Xanthakou, Vasilina Sofaditi, Joana Gomes |
| Ort | Athen |
| Fläche | 300 Quadratmeter |
| Fertigstellung | 2023 |
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