Lässig und robust
Anbau mit Terrakottafassade in Los Angeles von Current Interests
Mit dem Erweiterungsbau an ein bestehendes Wohnhaus würdigt das Team von Current Interests einmal mehr die Qualität handwerklich gefertigter Oberflächen in der Architektur. Wie schon in anderen Projekten beweisen sie Innovation und Kreativität. Die Terrakottafliesen der Fassade sind Unikate.
Beim Begriff Terrakotta denkt man unweigerlich an rotbraune Blumentöpfe oder in die Jahre gekommene Fliesenböden in einer mallorquinischen Finca. In dem Wort schwingt eher jahrzehntealter Muff mit statt Innovation. Das Terracotta House in Los Angeles, entworfen von Matthew Au und Mira Henry vom Büro Current Interests, überrascht dagegen mit einer völlig neuen Interpretation dieses traditionsreichen Materials. Im beschaulichen Stadtteil Leimert Park, einem Wohnviertel aus den 1920er-Jahren mit – typisch für LA – schnurgeraden Straßen und einem scheinbar endlosen Teppich von eingeschossigen Wohnhäusern, verpassen sie einem Bestandsbau ein zeitgenössisches Makeover.
Flächentausch
Das Gebäude im Spanish-Colonial-Revival-Stil mit roten Dachziegeln hatte durchaus eine architektonische Qualität. Jedoch schränkte die separat angeordnete Garage im hinteren Bereich des Grundstücks die Gartennutzung ein und schnitt die seitliche Auffahrt vom restlichen Außenbereich ab. Current Interests wurden beauftragt, das Grundstück neu zu strukturieren, die Wohnfläche durch einen Anbau zu erweitern und zugleich die Anordnung und Gestaltung der Freiflächen rund um das Haus zu verbessern. Dafür wurden die bebaute und unbebaute Fläche hinter dem Haus getauscht: In linearer Fortsetzung des Wohnhauses wurde ein neuer Baukörper ergänzt und anstelle der Garage ein Pool mit großer Terrasse angelegt. Der Anbau bietet Platz für eine vollständige zusätzliche Wohneinheit und öffnet sich zum neu angelegten Garten mit einer Fülle einheimischer Pflanzen.
Materialexperimente
Das vorhandene Dach mit Terrakotta-Deckung diente als Inspiration für die Fassade des neuen Baus. Daraus leiteten die Architekt*innen ein Fassadenmodul ab, das in Kooperation mit Sandkuhl Clayworks, einem Hersteller von Tonbauteilen, weiterentwickelt und produziert wurde. Terracotta House ist nicht die erste Bauaufgabe, bei der Au und Henry das Projekt zum Anlass für eine eingehende Materialstudie nehmen. Sie verfügen über umfangreiche Erfahrungen in der Entwicklung neuer Oberflächen; zu den bisher im Rahmen ihrer Bauprojekte erforschten Materialien zählen unter anderem Betonzuschlag und Keramikguss. Für den Anbau in Leimert Park entstand eine neue Fliese, indem ein Standard-Terrakotta-Hohlblockstein mit drei Kammern unmittelbar nach dem Extrudieren und noch im feuchten Zustand mittig mit Draht geschnitten wurde. Das Ergebnis ist eine Toneinheit mit markanten vertikalen Rippen auf der einen Seite und einer flachen Oberfläche auf der anderen. Nach dem Brennen wurden die Fliesen im eigenen Werkstattatelier von Au und Henry mit einem tiefgrünen Pigment beschichtet.
Fassadentextur
Der Anbau ist als Holzrahmenbau mit vorgehängter Fassade konzipiert. Trotz geringer Größe des Baukörpers sollte die Fassade robust und mächtig erscheinen. Die grüngrauen Terrakotta-Module sind an einem zweischichtigen Aluminiumrahmen befestigt. Durch den mittigen Versatz und die offenen Fugen mit unterschiedlicher Breite erinnert die Fassade an eine Materialauslage im Bauhandel. Dieser Eindruck eines lose gefügten Materialstapels ist beabsichtigt und ein herausstechendes Merkmal des Projekts.
Wohlfühlraum
Im Innenraum setzt sich die grobe Struktur und gedämpfte Farbigkeit der Fassade fort. Die Wände sind mit geölten Sperrholzplatten verkleidet. Ein grüngrau pigmentierter, polierter Estrichboden mit passenden Zuschlägen, graubraune Fliesen im Bad mit wolkiger Farbintensität und passgenaue Einbauten mit sandfarbener Lackierung erzeugen ein farblich abgestimmtes Gesamtbild, das an wilde Naturräume erinnert und eine schützend umhüllende Wärme ausstrahlt. Auch für die Details des Innenraums wie etwa die hochgezogene Sockelleiste gingen die Architekt*innen selbst ans Werk, um über eigene Materialtests die richtige Oberfläche zu bestimmen. Terracotta House ist das Resultat einer engen Kooperation aller Projektbeteiligten und würdigt die Qualität des Handwerks in der Architektur.
FOTOGRAFIE Franco Zulueta Franco Zulueta
| Projektname | Terracotta House |
| Entwurf | Current Interests |
| Projektteam | Matthew Au, Mira Henry, Corie Yaguchi, Austin Andersen, Jixun Wen, Erik Tsurumaki, Pan Tan, Omid Dorrani |
| Fertigstellung | 2024 |
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