Platte mit Weitblick
Umbau im Berliner Hochhaus von Christopher Sitzler
Bereits zum zweiten Mal zeigt Christopher Sitzler die Gestaltungsmöglichkeiten, die ein Plattenbau bieten kann. Fünf Jahre nach seinem ersten Projekt in diesem Gebäudetypus verwandelte der Berliner Architekt eine kleinteilige Wohnung in ein großzügiges Loft – mit einer blauen Überraschung.
Im Jahr 2020 setzte der Architekt Christopher Sitzler mit der Modernisierung seiner eigenen Wohnung ein Statement: Er verwandelte ein verschachteltes Apartment in einem Berliner Plattenbau entlang der Leipziger Straße in ein weitläufiges Betonunikat voller Designklassiker. Nun wünschte sich der Eigentümer einer 150 Quadratmeter großen Wohnung, die nur wenige Stockwerke darüber in dem 1976 erbauten Gebäude liegt, eine ähnliche Transformation. Sein Apartment war einst aus dem Zusammenschluss von zwei kleineren Parteien entstanden und wies eine Aneinanderreihung mehrerer Räume entlang der Fensterfront auf. Der Umbau sollte das Gegenteil erreichen: Weite, Tageslicht, Stauraum und großzügige Flächen mit Aufenthaltsqualität.
Minimalistische Horizontalität
Die Wohnung wurde komplett entkernt und mit einer neuen Raumaufteilung versehen. Der Eingangsbereich geht jetzt über in einen großzügigen Koch-, Wohn- und Essbereich, ergänzt durch ein kleines Badezimmer. Dort zeigt sich direkt ein großer Vorteil des Plattenbaus, der laut Christopher Sitzler kontrovers diskutiert wird: Durch eine eher geringe Deckenhöhe liegt die Qualität in der horizontalen Weite der Räumlichkeiten. Den häufig gewünschten Altbaucharme mit vertikaler Offenheit sucht man vergebens. Dafür unterstreicht die waagerechte Anordnung bei diesem Projekt die Aussicht durch die nach Osten orientierte Verglasung, die eine komplette Seite der Wohnung einnimmt.
Das weite Raumgefühl wird unterstrichen von Spiegeln an einer Wand, die den zentralen Aufenthaltsbereich sowie den Ausblick reflektieren. Sie lassen diesen Teil der Wohnung wie einen minimalistischen Ballsaal wirken, in dem Feierlichkeiten stattfinden könnten. Der Minimalismus wird durch die restlichen Wände betont, die in Weiß gehalten sind. Der Auftraggeber brachte Visionen aus seinem beruflichen Umfeld mit: Als Galerist wünschte er sich Flächen für Kunstwerke.
Wellness im Kabinenformat
Der Übergang zum privaten Bereich wird zum einen durch eine Edelstahlbox gekennzeichnet, zum anderen können Schiebetüren aus demselben Werkstoff für eine noch striktere Trennung sorgen. Innerhalb der Box befindet sich eine Infrarotsauna, die mit dunkelblauen, kleinformatigen Fliesen ausgestattet ist. Die Farbe nimmt Bezug auf die blauen Fassadenelemente des Hochbaukomplexes in der Leipziger Straße. Ein Rundfenster, das an ein Bullauge erinnert, ermöglicht den Blick nach draußen und weckt, im Zusammenspiel mit dem tiefen Blau des Mosaiks, maritime Assoziationen. Die dunkle Innenverkleidung der Box bildet außerdem einen spannenden Kontrast zu der hellen Weite der restlichen Wohnung.
Eine lange Reihe von Einbauten, umgesetzt vom Tischler Ilias Lefas, weist den Weg in das restliche Apartment, das über einen weiteren Wohnbereich verfügt. Er dient als Rückzugsort und führt letztendlich in das Schlafzimmer. Dort ist ein offener, weiß gefliester Bad- und Duschbereich integriert – ein Wunsch des Auftraggebers, der sich vom Schlafbereich in Sitzlers Wohnung inspirieren ließ.
Erhalt und Erneuerung
Wie bereits beim Umbau seines eigenen Apartments konnte Christopher Sitzler auch bei diesem Projekt feststellen, dass die Gestaltungsmöglichkeiten innerhalb eines Plattenbaus vielfältig sind und unterschiedliche, sehr individuelle Grundrissvariationen zulassen. Einen der größten Vorteile sieht der Architekt darin, die Räume in die heutige Zeit holen zu können, ohne die Historie und Substanz des Bestandsgebäudes außer Acht zu lassen.
FOTOGRAFIE Franz Grünewald Franz Grünewald
| Projektname | 043LEI |
| Entwurf | Christopher Sitzler |
| Ort | Berlin, Leipziger Straße |
| Fläche | 150 Quadratmeter |
| Fertigstellung | 2025 |
| Tischler | Ilias Lefas |
| Metallbauer | IRDEN |
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