Ein Zuhause aus Licht und Pflanzen
Umbau einer Sechzigerjahre-Wohnung in Mailand von SOLUM
In einem Hochhaus aus den Sechzigerjahren im Norden Mailands verwandelte das Architekturbüro SOLUM eine konventionelle Stadtwohnung in eine grüne Oase. Gewächshausähnliche Wände, feine Lichtspiele und subtile Materialkontraste schaffen eine Atmosphäre zwischen Ruhe, Klarheit und Lebendigkeit.
Ein „funktionales und helles Zuhause, das von viel Vegetation umgeben ist“, wünschte sich ein Gärtner, als er das ortsansässige Architekturbüro SOLUM mit dem Umbau seiner Wohnung im Mailänder Stadtteil Maggiolina beauftragte. Um diesen Wunsch zu erfüllen, schufen die Planer*innen zunächst einen begehbaren Wandkörper, der auf den ersten Blick an ein Gewächshaus erinnert. Er unterteilt das Raumvolumen in einen geschlossenen Funktionsbereich auf der einen Seite und einen offenen Wohnbereich auf der anderen Seite. Seine 40 Zentimeter dicken, teilweise mobilen Wände fungieren als Schranktüren, die zum Eingangsbereich, zum Badezimmer und zur Ankleide der Wohnung führen.
Stimmungsmacher Tageslicht
Die gewächshausähnliche Konstruktion aus Polycarbonat-Paneelen dient nicht nur als Raumteiler, sondern sorgt auch für Atmosphäre: Je nach Tages- und Jahreszeit wandert, fließt und bricht sich das Licht an ihren transluzenten Oberflächen. Das Interior wird so in sanften Abstufungen beleuchtet – von milchig am Morgen bis golden am Abend. Es entsteht eine Stimmung, die gleichzeitig ruhig, klar und lebendig wirkt. Dadurch werden selbst das Badezimmer und die Ankleide von Helligkeit und Bewegung erfüllt.
Kontraste in der Balance
Neben dieser zurückhaltenden, aber poetischen Lichtinszenierung zeigt sich in der Wohnung auch ein feines Spiel starker Kontraste, das nirgends aufdringlich wirkt. So platzierten die Architekt*innen beispielsweise ein frei stehendes Möbelstück im Zentrum der offenen Wohnzone. Es bricht nicht nur mit der linearen Leichtigkeit des Interiors, sondern bildet zugleich eine räumliche Grenze zwischen dem Wohn- und Schlafzimmer. Dank eingebauter Schiebetüren an beiden Seiten des Schranks können die Bereiche sogar vollständig voneinander abgetrennt werden.
An anderen Stellen der Wohnung trifft grün lackiertes Sperrholz auf eine Arbeitsplatte aus Beton, raue Texturen stehen glatten Oberflächen gegenüber und industrielle Kühle wird mit handwerklicher Präzision vereint. Die Farbpalette aus Grün, Weiß und Grau wirkt harmonisch. Am deutlichsten wird das subtile Wechselspiel von Transparenz und opaker Materialität bei der Gegenüberstellung der milchigen Polycarbonatwände mit dem Fußboden aus grauen Klinkerfliesen – einem klassischen Mailänder Baustoff aus der Nachkriegszeit, der an das Ambiente in einem Wintergarten erinnert.
Im grünen Bereich
Der Bezug zur Natur als ein weiteres, omnipräsentes Gestaltungselement der Casa per un Giardiniere – auf Deutsch: „Haus für einen Gärtner“ – zeigt sich nicht nur im Namen dieses Projekts, sondern auch durch gezielte Sichtachsen und zahlreiche Pflanzen, die das Team von SOLUM auf dem Balkon, im Wohn- und Schlafbereich sowie in Nischen hinter den Wänden aus Polycarbonat platzierte. Außerdem unterstreicht das Licht, das durch die Pflanzen in den zentralen Wohnraum fällt, die Idee einer Behausung, die im Einklang und stillen Dialog mit ihrer Außenwelt steht.
FOTOGRAFIE Nicolò Panzeri Nicolò Panzeri
| Projektname | Casa per un Giardiniere |
| Entwurf | SOLUM Studio in Zusammenarbeit mit Gianmario Vecchiato |
| Typologie | Umbau |
| Ort | Mailand, Italien |
| Fertigstellung | 2024 |
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