Wohnhaus in Kurvenlage
Neubau mit rundem Garten in Südkorea von Sukchulmok
Ein Kreis aus Ziegeln, Holz und Licht wird zur Umarmung für einen geliebten Garten und verwandelt ein ehemaliges Feld in eine grüne Bühne. Das südkoreanische Architekturbüro Sukchulmok lässt dabei das Wohnhaus zum Echo des kreisrunden Hofs werden und bringt die Natur als Panorama sowie als Materialthema ins Interieur.
Pojeon-jip nennen die Besitzer*innen und das Architekturbüro Sukchulmok den Neubau liebevoll und zugleich poetisch – „das Haus, das das Feld umarmt“. Auch seine Vergangenheit ist reich an erzählerischen Qualitäten. Er liegt im Norden Südkoreas am Fuße eines Bergs und sein Baugrund wurde zuvor als Ackerland genutzt. Über ein Jahrzehnt bewirtschaftete ein Ehepaar das Feld. Es schuf sich langsam eine persönliche Oase und einen grünen Rückzugsort. Das Land und der Flecken Erde wuchsen beiden immer mehr ans Herz. Als der Mann in Rente ging, wollten sie ihre Zeit fortan nur noch dort verbringen. So entstand die Idee, an diesem Standort ein Haus zu errichten – mit dem Garten als Herzstück, dem Gebäude als Einfriedung und dem Berg stets im Blick.
Haus als Grenze
1.300 Quadratmeter standen den Planenden für Wohnhaus und Grünraum zur Verfügung. Bisher lag das Feld offen und ungeschützt in der Landschaft und bot keinerlei Privatsphäre. Bei der ersten Besichtigung kam das Team von Sukchulmok daher schnell auf die Idee, das Haus zu einem funktionalen Instrument zu machen und mit ihm einen Schutzraum zu bilden. „Wir schlugen vor, die Baukörper mit den Grundstücksgrenzen zu verschränken, sodass Zaun und Außenwände organisch ineinandergreifen“, sagen die Architekt*innen. Das Gebäude orientiert sich an der Kreisform, folgt der Linie des Umfangs und öffnet sich über eine halbe Rundung. So entsteht eine halbkreisförmige Figur, die zur offenen Seite hin eine einladende Geste formuliert.
Volumen im Dialog
Der Baukörper setzt sich aus verschiedenen Volumen zusammen, die sich auch in ihrer Materialität unterscheiden. Der Zugang erfolgt über eine Rampe aus rotem Backstein und führt die Besucher*innen ins Zentrum des kurvigen Riegelbaus. Zur Rechten liegt das eingeschossige Wohnhaus mit Ziegelwänden und einem Holzdach, zur Linken der turmartige Gästetrakt, verkleidet mit transluzentem Polykarbonat. Die ungewöhnliche Geometrie der Architektur stellt besondere Anforderungen an Layout und Mobiliar. Die Räume fließen ineinander. Aufgrund der gebogenen Außenwände steht die Einrichtung zentral im Raum. An der äußeren Wange befindet sich das Schlafzimmer als privatester Raum. Daran schließen sich die Küche mit elliptischer Insel, der Wohn- und Loungebereich sowie an der zweiten Wange das Badezimmer an.
Panorama der Stille
Die nach innen gerichtete Fensterfront fängt den Hausberg in ihrem Panorama ein und holt viel Licht in die mit Holz verkleideten Innenräume. Es entsteht eine goldene Lichtstimmung, die im Kontrast zum grünen Außenraum steht. Der Garten ist die Seele des Anwesens. Er schmiegt sich als runder Hof in die Kurve des Gebäudes und öffnet sich an der anderen Seite zum Gelände. In jedem Moment des Tages steht die grüne Oase für die Bewohner*innen im Mittelpunkt – etwa auf der am Wohnhaus entlanglaufenden Bank, die Garten und Architektur verbindet. „Durch ein Programm, das Landwirtschaft und Alltag verknüpft, ermöglicht das Haus den Bewohnern ein Leben in enger Verbindung mit der Natur“, beschreiben die Architekt*innen ihr Projekt.
FOTOGRAFIE Seokgyu Hong Seokgyu Hong
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