Heiter bis holzig
Zweigeschossiges Wohnhaus mit Farbakzenten im Hudson Valley von nARCHITECTS
Zwischen Seeufer und Waldrand haben nARCHITECTS ein Wohnhaus für eine Familie errichtet. Der massive Bau aus Brettsperrholz nimmt mit seiner Form und Materialität Rücksicht auf den umgebenden Naturraum und ist doch mehr als eine einfache Holzhütte.
Für den Entwurf des Wohnhauses in Dutchess County, einem dünn besiedelten Gebiet im Hudson Valley, war die üppige Landschaft mit vielfältiger Flora und Fauna von entscheidender Bedeutung. Um die Auswirkungen auf die Umwelt so gering wie möglich zu halten, platzierten nARCHITECTS aus New York das Haus mit rund 60 Metern Abstand zur artenreichen Uferzone des Sees. Auf einer kleinen Lichtung wurde eine ausreichend große Fläche gefunden und nur wenige Bäume des dichten Waldbestands mussten weichen. Das Wohnhaus ist über zwei Ebenen organisiert, sodass es gelang, die Grundfläche des Baus – und damit die Versiegelung – klein zu gestalten. Die Außenflächen rund um das Gebäude sind lediglich mit einer Kiesdecke versehen, die sich organisch in die Graslandschaft einfügt.
Innovation trifft Tradition
Die sensible Reaktion auf den Kontext zeigt sich auch in der Wahl des Baumaterials. Das Projekt kombiniert die relativ neue Konstruktionsweise aus massiven Brettsperrholzplatten (Cross Laminated Timber) mit einer traditionellen Fassadenverkleidungstechnik der frühen nordamerikanischen Siedler*innen. Rustikal wirkende Zedernholzbretter mit naturbelassenen Kanten wurden als geschuppte Schalung an der Fassade montiert. Die unbehandelte Oberfläche wird im Laufe der Zeit und je nach Ausrichtung unterschiedlich starke Witterungseinflüsse zeigen und sich zunehmend in das Farbspiel der Umgebung integrieren.
Energiequellen nutzen
Eric Bunge und Mimi Hoang von nARCHITECTS haben mit ihrem CLT House nicht nur ein Gebäude aus einem nachwachsenden Rohstoff realisiert, sondern mit der Technologie auch die Vorteile der Vorfertigung und effizienten Montage vor Ort genutzt. Auf dem Betonfundament wurden innerhalb kurzer Zeit die vorab im Werk zugeschnittenen CLT-Platten für Wände, Böden und Dach errichtet, was die Belastung der Baustelle für die Umgebung minimierte. Das Gebäude nutzt geothermische Energie für die Heizung und Kühlung über den Fußboden. Solarzellen auf dem Dach erzeugen rund 50 Prozent mehr Strom, als die Bewohner*innen benötigen.
Collage aus Holz
Wie bei der Fassade bleiben auch die Holzoberflächen im Innenraum sichtbar und erzeugen in allen Räumen eine warme, beruhigende Atmosphäre. Große Fenster und Schiebetüren unterbrechen in unregelmäßigen Abständen die gleichförmige Holzfläche und bieten Ausblicke auf den umliegenden Wald. Die industriegefertigten Holzplatten und die Stämme des umgebenden Baumbestands ergeben so eine Collage aus verschiedenen Holzflächen.
Wohnraum als Ring
Im Gegensatz zum unebenen Kantenbild der Fassadenverkleidung ist der Innenraum klar gegliedert – mit geraden, präzisen Raumgrenzen. Die Wohn- und Schlafräume sind um einen zentralen Kern organisiert, in dem sich die Bäder befinden. Im Erdgeschoss ist der offene Wohnbereich wie ein Ring konzipiert. Dabei ist jede der vier Ecken des Hauses als Raum mit doppelter Raumhöhe ausgebildet. Der Ring wird subtil in einzelne Bereiche gegliedert, ohne diese zu trennen. Bei Bedarf schaffen Vorhänge mehr Privatheit.
Knallgrün und Vanillegelb
Um dem Eindruck der Schwere, bedingt durch die monolithische Bauweise in Holz, eine Leichtigkeit gegenüberzustellen, überrascht der Innenraum mit farblichen Highlights und filigranen Elementen. Eine zweiläufige Stahltreppe in Knallgrün verbindet beide Geschosse, ein Raumteilerregal mit umhüllendem Vorhang und überdimensionale, sich verzweigende Lichtranken erstrahlen in Vanillegelb. Die wenigen Farbakzente geben dem Innenraum eine wohldosierte Heiterkeit und Verspieltheit. Statt wie eine biedere Holzhütte auszusehen, ist das Wohnhaus am See durch seine offene Grundrissgestaltung und seine Materialkombination ein überzeugender moderner Holzbau geworden.
FOTOGRAFIE Michael Moran und Frank Oudeman
Michael Moran und Frank Oudeman
| Kunde: | Privat |
| Ort: | Dutchess, Bundesstaat New York |
| Fertigstellung: | 2020 – 2023 |
| Designteam: | Eric Bunge, Mimi Hoang | Paul Mok, Isabel Sarasa | Amanda Morgan, Jason Kim, Julio Picatoste | Cole Van der Feldt |
| Beraterteam: | Konstruktion:SILMAN | TGA: OLA | Bauingenieurwesen: Depuy Engineering |
| Bauunternehmer: | UCE Fine Builders |
| Auszeichnungen: | 2024 AR House Shortlist |
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