Zwischen Erhalt und Erneuerung
Umbau eines Fischerhauses von Bea Portabella und Jordi Pagès in Cadaqueés
Am östlichsten Zipfel Spaniens bauten die Architekt*innen Bea Portabella und Jordi Pagès ein altes Fischerhaus zu einem hellen, modernen Familiendomizil um. Historische Substanz, offene Räume und natürliche Materialien schaffen eine warme, zeitgemäße Atmosphäre.
Cadaqués hat schon viele Künstler*innen inspiriert. Salvador Dalí wohnte lange in der Nähe des Küstenorts an der katalanischen Costa Brava. Bis heute können Gäste das Haus besuchen, in dem der Maler mehr als fünfzig Jahre seines Lebens verbrachte – zwischen Naturparks und kleinen Buchten mit türkisfarbenem Wasser. Die Architekt*innen Bea Portabella und Jordi Pagès haben in dieser Idylle ein ehemaliges Fischerhaus auf eine behutsame Weise umgebaut, die die historische Substanz bewahrt und die Innenräume hell und freundlich erscheinen lässt.
Haus im Wandel
Portabella und Pagès betrachten das mehr als hundert Jahre alte Gebäude als Zeugen der Entwicklung, die Cadaqués erlebt hat. Erst diente es einer Fischerfamilie als Wohnhaus. Später wurde es zu einem Gästehaus und zuletzt bewachte die Guardia Civil vom Obergeschoss aus die Küste an Spaniens östlichstem Punkt. Als der neue Besitzer das Haus kaufte, stand es aber leer.
Die solide Bauweise mit bis zu fünfzig Zentimeter dicken tragenden Steinmauern schützte es weitgehend vor dem Verfall. Dennoch ließen die Architekt*innen die Struktur im Rahmen des Umbaus fachgerecht ertüchtigen. Holzbalkendecken in den oberen Stockwerken und eine katalanische Gewölbedecke im Erdgeschoss blieben erhalten und machen den Charme der Räume aus. Bei der Sanierung spielte das Gleichgewicht zwischen Erhalt und Erneuerung eine wichtige Rolle.
Klare Aufteilung
Den Grundriss der vier Stockwerke gestalteten die Architekt*innen neu. Die stark fragmentierte Aufteilung wurde zugunsten offener, heller Räume aufgelöst. Im Erdgeschoss blieb der Fels sichtbar und wirkt wie eine skulpturale Ausbuchtung der Wand. Ein kleiner Nebenhof entstand im Rahmen des Umbaus. Das Geschoss ist flexibel nutzbar, sei es zum Spielen für die Kinder oder zur Aufbewahrung der Wassersportgeräte.
Neue Offenheit
Im ersten Stock befinden sich das Wohn-, das Esszimmer und die Küche. Neu geschaffene Durchgänge in tragenden Wänden sorgen für eine fließende Raumabfolge. Natürliches Licht fällt durch die Terrassenfenster und von der Straßenseite ins Hausinnere. Zudem lassen sich die Räume quer lüften, was die Zirkulation verbessert. Eine große Terrasse verlängert den Wohnraum nach außen, während der gusseiserne Kamin die Bewohner*innen an kühlen Abenden wärmt. Eine organisch geschwungene Treppe aus Stein führt in den zweiten Stock mit den Schlafzimmern, die als Rückzugsorte für Ruhe und Geborgenheit konzipiert sind. Die Frontseiten der Stufen wurden mit historischen Kacheln verziert und greifen die lange Geschichte des Hauses auf.
Natürliche Materialien
Eine reduzierte Farbpalette lässt die Materialien für sich sprechen. Im Kontrast zu den weiß verputzten Wänden stehen Einbauten aus Iroko-Holz. Aufgrund seiner feuchtigkeitsabweisenden Eigenschaften kommt es auch in den Bädern des Fisherman’s House in Cadaqués zum Einsatz. Bei den Möbeln setzten die Architekt*innen ebenfalls auf Naturmaterialien wie Bast und Holz sowie auf helle Textilien und Polstermöbel. Sie prägen auch den Raum im dritten Stock, der sich zu einer weiteren Terrasse mit Meerblick öffnet.
Mit dem Umbau des alten Hauses zeigen Bea Portabella und Jordi Pagès, wie historischer Bestand in eine zeitgemäße Nutzung überführt werden kann. Durch die Kombination von traditionellen lokalen Materialien und einem minimalistischen, zeitgenössischen Stil sind Räume mit einer unverwechselbaren Atmosphäre entstanden, die wunderbar in ihre Umgebung passen.
FOTOGRAFIE David Zarzoso David Zarzoso
| Projektname: | Fisherman’s House Cadaqués |
| Entwurf: | Bea Portabella und Jordi Pagès, Barcelona |
| Auftraggeber: | Privat |
| Bebaute Fläche: | 82 m² |
| Bruttogeschossfläche: | 326 m² |
| Nutzfläche: | 263 m² |
| Grundstücksfläche: | 110 m² |
| Standort: | Cadaqués, Girona |
| Projektjahr: | 2022 |
| Fertigstellung: | 2024 |
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