Helix aus Stahl
Architettura Tommasi gestaltet Loft in historischem Adelspalast in Padua
In einem ehemaligen Palazzo der italienischen Adelsfamilie Obizzi verwebt Architettura Tommasi historische Substanz mit modernem Minimalismus. Entstanden ist ein großzügiges Loft über zwei Ebenen – mit zarter Erdigkeit und markanter schwarzer Skulptur im Raum.
Im historischen Zentrum von Padua, nahe der Basilika des Heiligen Antonius, steht die Casa degli Obizzi, ein Stadtpalast aus dem 14. Jahrhundert. Er gehörte der gleichnamigen Adelsfamilie, die über Jahrhunderte das politische und kulturelle Leben Paduas mitprägte. Seit den 1940er-Jahren wird das Gebäude als Wohnhaus genutzt. Nun hat das Büro Architettura Tommasi das 85 Quadratmeter große Loft neu gestaltet.
Viele historische Spuren und bauliche Eingriffe aus unterschiedlichen Epochen sind im Loft erhalten geblieben. Die Neugestaltung knüpft daran an – nicht als laute Geste, sondern als präzise und zurückhaltende Annäherung von Alt und Neu.
Reduktion als Gestaltungsprinzip
Beim Betreten der Wohnung prägt zunächst ihre ruhige, zurückhaltende Atmosphäre den Eindruck. Auf dekorative Effekte und formale Übersteigerungen wurde bewusst verzichtet. Die fünf Meter hohen Decken verstärken das großzügige Raumgefühl, während die Ausrichtung zur Straße und zum Innenhof viel Tageslicht hereindringen lässt.
Architettura Tommasi hat den Bestand nicht einfach renoviert, sondern gezielt weiterentwickelt: Der historische Boden aus venezianischem Terrazzo blieb erhalten, während ein neuer Lehmputz an den Wänden eine warme, erdige Ruhe schafft. Der markanteste Eingriff aber steht frei im Wohnraum: Eine helixförmige Treppe aus schwarzem Stahl verbindet Erdgeschoss und Mezzanin. Zugleich organisiert sie den Grundriss neu und schafft Platz für ein weiteres Bad und ein Schlafzimmer.
Historische Hülle, moderner Kern
Im Erdgeschoss befinden sich Küche und Wohnbereich. Durch den Rückbau einer bestehenden Wand sind beide nun mit dem zum Innenhof liegenden Schlafzimmer verbunden. Drei neue Stufen gleichen den Höhenunterschied aus und fügen die Bereiche zu einer fließenden Raumfolge zusammen. Auf der Galerieebene ist das zusätzliche Zimmer mit Bad und Stauraum untergebracht.
Auffällig ist dabei das raffinierte Zusammenspiel der Materialien: Der gesprenkelte Terrazzo mit seiner leichten Maserung trifft auf Wände in Salz‑ und Erdtönen, die den Räumen eine beruhigende Wirkung verleihen. Schwarze Stahlakzente – von der Treppe bis zu den Küchen‑ und Badmöbeln – setzen einen modernen Akzent, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Auch die Küche folgt diesem Prinzip. Als monolithischer Körper aus lackiertem MDF erscheint sie im geschlossenen Zustand als schlichtesVolumen und öffnet sich bei Bedarf zu einem funktionalen Arbeitsbereich.
Stille als Qualität
Entstanden ist ein Innenraum, der sich durch Ruhe und Präzision auszeichnet. Eine Qualität, die im dichten Gefüge der Altstadt besonders spürbar ist. Was einst Wohnsitz einer Adelsfamilie war, ist heute ein zeitgenössisches Zuhause, dessen Charakter aus der Geschichte des Orts hervorgeht.
FOTOGRAFIE Marcello Mariana Marcello Mariana
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