Hierarchie in Blockfarben
Apartment für zwei in Mailand von Marabelli Marongiu Architetti
Farben organisieren ein Mailänder Apartment von Marabelli Marongiu Architetti als chromatische Sequenz: Rote Böden, blaues Mobiliar und gelbe Fliesen markieren drei Wohnzonen. Dazwischen steht ein kuratiertes „Modernariat“ aus italienischen Designklassikern und Ikea-Entwürfen von Niels Gammelgaard.
Angelehnt an New Yorker Viertel wie SoHo, nennen die Mailänder die Gegend nördlich von Loreto „NoLo“ – North of Loreto. Der Name ist eine Hommage an den Trend, Stadtteilbezeichnungen als Kofferworte zu bilden, und spielt auf den Hipster-Faktor eines Bezirks im Strukturwandel an: NoLo liegt außerhalb des teuren Stadtzentrums und hat mit seinen günstigen Mieten zuletzt viele Kreative angezogen. In der zentral verlaufenden Via Natale Battaglia haben die Architekt*innen Michela Marabelli und Stefano Marongiu eine Dreizimmerwohnung für ein junges Paar umgebaut und eingerichtet. Das Layout der 90 Quadratmeter großen Immobilie entfaltet sich in einer geschichteten Hierarchie, die vom Öffentlichen über das Geteilte ins Private führt und dabei Blockfarben als Farbcode nutzt.
Himmelblauer Wohnapparat
Der erste Raum, in den man nach dem Betreten des Apartments gelangt, ist die Übergangsfläche zwischen dem auf der rechten Seite positionierten Wohnbereich und der auf der linken Seite liegenden Küche. Eine in der Wand versenkbare Schiebetür aus Reliefglas kann die Kochzone bei Bedarf vom übrigen Geschehen trennen. Wenn sie geöffnet ist, bleibt sie unsichtbar, wodurch dieser Teil als zusammenhängende, schmale Raumsequenz erlebt wird.
Das prominenteste Element ist ein himmelblaues Einbaumöbel mit einer Gesamtlänge von fünfzehn Metern, das die Rückwand bildet. Es steht in einem farblichen Kontrast zum weinroten Boden aus zementgebundenem Harz und ist ein multifunktionaler Wohnapparat, den die Architekt*innen als „häusliche Infrastruktur“ beschreiben. In den Korpus der Küche sind Stauräume, Hauswirtschaftsflächen und technische Geräte integriert, im Bereich des Wohnzimmers befinden sich Bücherregale, auskragende Ablagen und Schränke. Gegenüber dem Entree ist flächenbündig eine Tür eingebettet, die sich im geschlossenen Zustand als einfache Schrankfront tarnt.
Zitronengelber Farbraum
Beim Öffnen strömt einem zitronengelbes Licht aus dem Durchgang entgegen. Es handelt sich um den Teil mit den beiden Badezimmern des Apartments, die sich analog zum Wohnbereich organisieren. Mittig liegt ein Flur, der als An- und Umkleidezone dient und über einen integrierten Schrankraum verfügt. Rechts und links davon befinden sich zwei identisch ausgeführte Bäder mit Waschbecken, Dusche und WC. Ihre Besonderheit liegt in der monochromen Farbgestaltung: Bodenfliesen, Wände, Decken sowie Einbauten sind vollständig in Lichtgelb gehalten und werden durch verspiegelte Waschtische und verchromte Armaturen ergänzt. Lediglich zwei Deckenleuchten in Signalrot setzen einen kleinen, koketten Akzent und bilden zugleich ein farbliches Bindeglied zum roten Boden des Entrees, der sich auch in den Schlafzimmern wiederfindet.
Klassiker von Ikea
Weil die Bewohner*innen eine Leidenschaft für Keramik teilen, ist die Fliese ein durchgängiges Element in diesem Projekt. Im Wohnbereich ersetzt ein Fliesenband die Fußleiste, quadratische Fliesen im Normformat bekleiden die Böden und Wände der Bäder und in den beiden Schlafzimmern wird die bis auf Hüfthöhe verflieste Wand zum Kopfteil des Betts.
Ein weiteres Interesse gilt den Entwürfen des dänischen Industriedesigners Niels Gammelgaard, der in den 1980er- und 1990er-Jahren einige ikonische Möbel für Ikea entworfen hat. Dazu gehören das Sofa Moment, der Servierwagen Tunsta und der schalenförmige Gitterstuhl Järpen, die als Trio im Wohnzimmer stehen. Das Innenraumkonzept wird durch italienische Klassiker von Artemide, Alessi und Magis ergänzt. Die Architekt*innen bezeichnen die Auswahl als ein „Modernariat“ in Kombination mit zeitgenössischen Möbeln. „Dadurch entsteht ein Dialog zwischen Erinnerung, Designkultur und gelebtem Alltag“, sagen Marabelli und Marongiu.
FOTOGRAFIE Nicolò Panzeri Nicolò Panzeri
| Projektname | Attraverso il colore |
| Typologie | Umbau |
| Auftraggeber | Privat |
| Entwurf | Marabelli Marongiu Architetti |
| Standort | Via Natale Battaglia, Mailand |
| Fertigstellung | 2025 |
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