Erinnern und erneuern
Studio Loes gestaltet modernes Wohnen im Berliner Altbau
Der Umbau einer Altbauwohnung in Berlin-Neukölln von Studio Loes zeigt, wie wenige Gestaltungselemente eine klare räumliche Gliederung und ein zeitgemäßes Wohnambiente schaffen, ohne dabei die Struktur des Altbaus zu ignorieren.
Mit dem Projekt PROMM, einer nur 77 Quadratmetern großen und nun von dem Berliner Büro Studio Loes neugeordneten Wohnung, wird deutlich, wie ein verwinkelter Altbaugrundriss in eine offene und helle Wohnlandschaft transformiert werden kann. Statt die über die Jahre mehrfach veränderte Raumstruktur vollständig zu überformen, wurden die Flächenprioritäten neu bestimmt. Zugunsten eines zusammenhängenden Wohnbereichs wurden Schlaf- und Badezimmer in ihrer Größe auf das Notwendigste beschränkt. Trotz der neuen offenen Aufteilung bleibt die ehemalige Raumabfolge des Bestands lesbar.
Abdruck des Vergangenen
Zentrales Gestaltungselement ist ein durchgehender Boden aus großformatigen, geweißten Douglasiendielen, die parallel zur Fassade verlegt wurden. Die ursprüngliche Raumaufteilung bleibt jedoch erkennbar: Wie das Schwellenbrett im Türrahmen, das im typischen Altbau zwei Räume voneinander teilt, markieren quer zur Verlegerichtung verlaufende Dielen die Übergänge zwischen Wohn-, Ess- und Küchenbereich. Die ehemalige Position der Trennwände ist ablesbar, ohne dass die Bewegung im Raum beeinträchtigt wird. Der Boden ist damit zugleich Erinnerung an den früheren Grundriss und ordnendes Element der neuen Raumstruktur.
Filigran und robust
Weiße Wände und Decken, helle Einbauten in Mintgrün sowie der helle Douglasienboden bilden eine zurückhaltende Bühne für sorgfältig ausgewählte Möbel. Im Wohnbereich spannt sich ein großzügiger Raum auf, der auf der einen Seite von der lang gestreckten, maßgefertigten Küche und auf der anderen Seite von einem Ensemble aus dem wuchtigen Lapis-Sofa von Amura und einem filigranen Vintage-Regal von Ben Hoek begrenzt wird. Das Interieur lebt vom Kontrast unterschiedlicher Materialitäten: Massive Holzhocker und -stühle – darunter Entwürfe aus der eigenen Möbelserie LOES.BETA – stehen filigranen Metallmöbeln und Leuchten mit hauchdünnen Seilabspannungen gegenüber. Dieser Dialog zwischen robusten und leichten Strukturen verleiht dem Raum Spannung und Tiefe.
Reduktion und Gegensätze
Auch die rückwärtigen, privateren Räume folgen der gestalterischen Logik der Reduktion und der Gegensätzlichkeit: Eine sandfarben geflieste, geschwungene Wand leitet im Badezimmer in die Dusche, während präzise Kanten den bündig gearbeiteten Waschtisch begrenzen. Bad und Schlafzimmer wurden kompakt gehalten und genau geplant, um den Raum bestmöglich zu nutzen. Sie sind als ruhige Rückzugsorte gestaltet. Sanfte Farben, Naturstein und bodenlange Leinenvorhängen ergänzen den Gesamteindruck.
Die Qualität des Projekts liegt im Zusammenspiel – maßgefertigte Einbauten rahmen frei positionierte Designobjekte, schwere Holzelemente treffen auf leichte Metallstrukturen. Und dem neuen räumlichen Konzept liegen die Spuren des Bestands deutlich wahrnehmbar zugrunde.
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