Projekte

Ungleiche Zwillinge

Neubau mit Nähe zur Nachbarschaft von Wadhal in London

Die Bauvorschriften eines Londoner Vororts legten die Architekt*innen des ortsansässigen Büros Wadhal kreativ aus: Ihr Wade House zitiert die Form der umliegenden Doppelhäuser und hebt sich gleichzeitig durch eigenständige Details ganz bewusst davon ab.

von Judith Jenner, 02.07.2026

Zum Londoner Vorort Ruislip hat der Bauherr des Wade House eine besondere Beziehung. Sein Vater vererbte ihm ein Grundstück am Ende einer Häuserreihe mit zwei baufälligen Garagen. Als Bauunternehmer war er für mehrere Projekte in der Umgebung verantwortlich. Für einen Neubau sah die Gemeindeverwaltung jedoch strenge Regeln vor. Sowohl der Baukörper als auch die Auswahl der Materialien sollten dem Nachbarhaus entsprechen, einem für die Gegend charakteristischen Doppelhaus aus den Dreißigerjahren.

Kreative Kopie
Das ebenfalls in der britischen Hauptstadt ansässige Architekturbüro Wadhal ließ sich durch die engen Vorgaben nicht in seiner Kreativität einschränken. Obwohl die Konturen eine klare Ähnlichkeit zum Haus nebenan zeigen, sind es Details, die den Unterschied machen: Die Backsteinfassade erdet den Bau wie bei den historischen Vorbildern. Allerdings ist sie durch hervorstehende Ziegel im Vierpunktmuster gegliedert. Das obere Stockwerk ist weiß verputzt. Den hervorspringenden Giebel über den beiden Erkern verkleidete Wadhal mit horizontalen Holzleisten, was das klassische Satteldach moderner wirken lässt. Eine Holzwand bildet auch die visuelle Barriere zwischen Straße und Garten.

Geräumig auf kleiner Fläche
In den Innenräumen verabschiedeten sich die Architekt*innen von der kleinteiligen Aufteilung in Zimmer und Flure, die typische Londoner Reihenhäuser ausmacht. Mit seiner kompakten Größe von 70 Quadratmetern entspricht das Haus der laut der Baustrategie London Plan zugelassenen Mindestgröße für zwei Zimmer. Trotzdem wirkt es größer: Im Erdgeschoss empfängt die geräumige Wohnküche. Ihr Boden aus an Backstein erinnernden Steinzeugfliesen holt das Fassadenmaterial nach innen und stellt es in einen wohnlichen Kontext. Einen Kontrast dazu bildet die holzverkleidete Küchenzeile, die von einer hölzernen Treppe flankiert wird. Als kompaktes Wohnmöbel gliedert der Einbau den offenen Raum. Eine rollbare Theke kann ihn flexibel ergänzen. Breite Terrassentüren öffnen die Wohnküche zum Garten, wo ein gepflasterter Halbkreis den Übergang zur Schotterfläche markiert.

Luft nach oben
Im Obergeschoss wurde eine kleine Leseecke unter dem Oberlicht gestaltet, ein Beweis dafür, dass das Team von Wadhal auch Zwischenräumen große Aufmerksamkeit widmete. Im Gegensatz zu den Nachbarhäusern hat das Wade House keinen Dachboden. Dank dieser Entscheidung entstehen in den beiden Schlafzimmern Raumhöhen von bis zu vier Metern. Die sichtbare Dachkonstruktion sorgt für Großzügigkeit und ist das verbindende Element zwischen Schlafzimmern und Bad. Sie harmoniert mit Einbauten aus Holz, die praktischen Stauraum schaffen und Ruhe in die Räume bringen.

Wiederkehrende Motive
Die Architekt*innen setzen auf Wiederholung: Materialien wie Holz und Backstein finden sich innen und außen wieder. Formen wie der Halbkreis zeigen sich als Beete oder Erker. Sie sind auch das bestimmende Muster der Eingangstür aus Buntglas des Edinburgher Künstlers Jack Brindley. Wenn die Sonne scheint, werfen die eingelassenen roten Halbkreise ein Muster auf den Boden des Wohnhauses.
Die Räume lassen sich querlüften und sind nach Norden ausgerichtet, sodass die Bewohner*innen ohne Klimaanlage auskommen. Selbst im Sommer heizt sich das Wade House dank seiner effizienten Dämmung nicht übermäßig auf. Sie hilft auch im Winter dabei, Heizkosten zu sparen. Betriebskosten und CO2-Emissionen bleiben ebenfalls niedrig.

Innovation statt Nostalgie
Fahad Malik, Gründer des Architekturbüros, ist in einem vergleichbaren Londoner Bezirk aufgewachsen. Er sagt: „Diese Stadtviertel verdienen mehr als nur Nachbildung. Wade House stellt die Frage, wie man etwas Zeitgenössisches schaffen kann, ohne dabei das Vorherige zu missachten.“ Mit Einfachheit als Konzept und Präzision im Detail entwarfen er und sein Team ein Haus, das in die Umgebung passt und dennoch innovativ ist. Die doppelten Raumhöhen im Obergeschoss schaffen Großzügigkeit auf kleiner Fläche. Dank flexibler Möbel funktioniert das Erdgeschoss als Wohnraum und Küche gleichermaßen.

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Projektinfos
Projektname Wade House
Architektur Wadhal
Gebäudetyp Wohnhaus
Ort Ruislip, Westlondon
Fertigstellung 2025
Tischlerarbeiten Jacob Alexander
Buntglas Pavilion Pavilion
Metallarbeiten Zedworks
Links

Entwurf

Wadhal

wadhal.co.uk

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