Maya-Erbe und Wüstenpoesie
Casa Skoura in Mérida von Enekén Studio
Auf einem schmalen Grundstück in Mérida verwandelte Enekén Studio eine Ruine in ein kompaktes Wohnhaus. Dafür kombinierten die Architekt*innen mexikanische Bautraditionen mit Inspirationen aus Marokko und passten den Bau dem tropischen Klima an.
Auf der südmexikanischen Halbinsel Yucatán befinden sich die bekanntesten Maya-Stätten Mexikos. Sie inspirierten das Team von Enekén Studio bei der Planung der Casa Skoura in einem Randbezirk von Mérida, der Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaats. Schon die Eingangstür des Anwesens erinnert an die imposanten Stufenpyramiden und steilen Tempelanlagen in der Umgebung. Um auch die Geschichte des Hauses lebendig zu erhalten, das ursprünglich auf der schmalen Parzelle stand, integrierten die Architekt*innen dessen unverputzte Grundmauern als zentrale Gestaltungselemente in ihren Entwurf. Eine alte Steinwand trennt den Wohn- und Essbereich der neu erbauten Casa Skoura voneinander, während weitere Mauerreste die Terrasse zieren.
Sandfarben aus der Skoura-Wüste
Für die insgesamt 115 Quadratmeter des Wohnhauses wählten die Planer*innen eine Farbwelt, die an einen Ort auf einem anderen Kontinent erinnert: Sattes Orange, warme Terrakotta- und Rosttöne greifen die Nuancen des Sands in der marokkanischen Skoura-Wüste auf. Sie dominieren die Farbpalette sowohl im Außen- als auch im Innenbereich des Neubaus. Außerdem wurde das abgesenkte, über ein paar Stufen zu erreichende Wohnzimmer mit maßgefertigten Polstern und Kissen, ein sogenanntes „Conversation Pit“, einer traditionell marokkanischen Sitzecke nachempfunden.
Geborgenheit und freie Blickachsen
Durch das Zusammenspiel mit dem steil ansteigenden Satteldach, das eine Höhe von bis zu acht Metern erreicht, schuf Enekén Studio im Eingangsbereich einen fast höhlenartigen Raum im Raum. Er vermittelt ein Gefühl von Geborgenheit und Intimität, ohne abgeschottet zu wirken. Eine große Fensterfront mit Blick auf den begrünten Innenhof sorgt für freie Blickachsen und flutet den Wohnbereich mit Tageslicht.
Aufgelöste Grenzen
Fließende Übergänge zwischen innen und außen finden sich aber auch in anderen Teilen der Casa Skoura. So geht die skulptural gestaltete Kücheninsel in einen langen Esstisch über, der sich bis auf die Terrasse erstreckt. Diese wird dadurch zu einer natürlichen Verlängerung der Gesellschaftsbereiche. Sie kann mit einer Outdoor-Lounge sowie einem kreisförmigen Swimmingpool aufwarten. Eine große Schiebetür zwischen Küche und Terrasse lässt sich vollständig öffnen und ermöglicht eine natürliche Querlüftung zur Kühlung der Räume.
Regionale Klimalösungen
Zudem passten die Architekt*innen die verwendeten Baumaterialien dem tropischen Klima an: Die Wände verputzten sie mit einem Gemisch aus Kalkstein und dem Harz des heimischen Chukum-Baums, das die Bausubstanz vor der hohen Luftfeuchtigkeit schützt. Für die Böden wählten sie traditionelle, handgefertigte Zementfliesen, die an heißen Tagen für angenehme Kühle sorgen.
Rückzugsort mit Ausblick
Auf dem hinteren Teil des Grundstücks platzierten die Gestalter*innen den privaten Rückzugsbereich des Hauses mit zwei Schlafzimmern. Dieser überzeugt mit raffinierten Detaillösungen: Während im Erdgeschoss eine Wand aus Glasbausteinen das Tageslicht in stimmungsvolle Muster bricht, bietet im Obergeschoss ein Rundfenster einen schönen Blick auf den Innenhof.
FOTOGRAFIE Jasson Rodríguez
Jasson Rodríguez
| Projektname | Casa Skoura |
| Entwurf | Enekén Studio |
| Ort | Mérida, Mexiko |
| Fläche | 115 Quadratmeter |
| Fertigstellung | 2025 |
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